Deutlicher Überlebensvorteil durch allogene Stammzelltransplantation bei älteren AML-Patienten, ob nach Chemotherapie oder hypomethylierenden Wirkstoffen

Original Titel:
Not type of induction therapy but consolidation with allogeneic hematopoietic cell transplantation determines outcome in older AML patients: A single center experience of 355 consecutive patients

MedWiss Ältere Patienten mit akuter myeloischer Leukämie hatten einen deutlichen Überlebensvorteil, wenn sie nach einer Vorbehandlung mit intensiver Chemotherapie oder hypomethylierenden Wirkstoffen eine allogene Stammzelltransplantation erhielten. Dies zeigen die Ergebnisse der im Folgenden beschriebenen Studie aus den Niederlanden, der bei etwas mehr als 350 Patienten mit AML analysiert wurden.


Bei älteren Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML) fallen die Therapieentscheidungen häufig schwer. Grundlegend wäre eine intensive Chemotherapie wünschenswert, um alle Krebszellen abzutöten. Ältere Patienten (≥ 60 Jahre) leiden aber oft unter Vorerkrankungen, eine intensive und belastende Behandlung ist also nur eingeschränkt möglich. Zudem treten bei älteren Patienten oft Veränderungen in den Krebszellen auf, die die Chemotherapie manchmal weniger wirksam machen. Wissenschaftler aus den Niederlanden verglichen daher nun zwei Alternativen zur intensiven Chemotherapie und ihre Wirksamkeit in der Therapie.

Die Wissenschaftler betrachteten 355 ältere Patienten mit AML, die zwischen den Jahren 2002 und 2017 entweder mit intensiver Chemotherapie (155 Patienten), hypomethylierenden Wirkstoffen (83 Patienten) oder den bestmöglichen unterstützenden Behandlungsmaßnahmen (117 Patienten) behandelt wurden. Bei der AML ist die Bildung und Ausreifung normaler Blutzellen gestört, unreife Blutzellen vermehren sich dabei enorm. Hypomethylierende Mittel (sogenannte DNA-Methyltransferase-Hemmer, beispielsweise Decitabin oder Azacitidin) fördern in niedriger Dosierung die Ausreifung der Blutzellen und tragen so zu einer Normalisierung der Blutbildung bei.

Intensive Chemotherapie führte häufiger zum kompletten Stopp der Erkrankung (Remission)

Die Auswertung der Ergebnisse zeigte, dass die Patienten ein ähnlich lange die Erkrankung überlebten, wenn sie mit intensiver Chemotherapie (14,9 Monate) oder hypomethylierenden Wirkstoffen (10,9 Monate) behandelt wurden. Patienten, die eine intensive Chemotherapie erhielten, erreichten aber deutlich häufiger eine komplette Remission (59 % der Patienten) als Patienten, die die hypomethylierenden Mittel einnahmen (35 % der Patienten). Mit kompletter Remission ist hier gemeint, dass bei den Patienten keine Leukämiezellen mehr nachweisbar sind, die Erkrankung also gestoppt werden konnte.

Eine anschließende allogene Stammzelltransplantation verlängerte nachweislich das Überleben der Patienten

Die Ergebnisse machten deutlich, dass es einen ausgeprägten Überlebensvorteil für die Patienten bedeutete, wenn sie nach der Behandlung mit intensiver Chemotherapie oder hypomethylierenden Substanzen eine allogene Stammzelltransplantation erhielten. Stammzellen sind die Alleskönner des Körpers: Sie können sich in jede andere Körperzelle verwandeln und so, je nachdem in welchem Organ sie sich befinden, unterschiedlichste Funktionen übernehmen. Bei der allogenen Stammzelltransplantation handelt es sich um eine Form der Stammzelltransplantation, bei der Blutstammzellen oder Knochenmark von einem fremden Spender auf den Patienten übertragen werden. Bei dieser Behandlung ist besonders wichtig, dass bestimmte Gewebemerkmale (sog. HLA-Merkmale) des Spenders mit denen des Patienten möglichst vollständig übereinstimmen. Denn so kann eine starke Abwehrreaktion gegenüber den gespendeten Blutstammzellen verhindert werden und diese können ungehindert die Blutbildung im Körper des Patienten komplett und gesund übernehmen.

Ältere AML-Patienten, die nach Behandlung mit intensiver Chemotherapie oder hypomethylierenden Wirkstoffen eine solche allogene Stammzelltransplantation erhielten, überlebten im Durchschnitt 65 Monate, also mehr als 5 Jahre. Patienten ohne diesen Neustart ihrer Blutbildung durch die Stammzelltransplantation überlebten dagegen im Schnitt nur 8 Monate. Wichtig: Es machte dabei keinen messbaren Unterschied, ob die Patienten zuvor mit intensiver Chemotherapie oder hypomethylierenden Wirkstoffen behandelt wurden.

Echte Chance mit frischen Stammzellen vom Spender

Ergebnisse dieser Studie aus den Niederlanden zeigen demnach, dass für ältere AML-Patienten die Behandlung mit einer allogenen Stammzelltransplantation eine echte Chance sein kann. Die untersuchten Patienten überlebten deutlich länger nach dieser Therapie als Patienten, die nicht die Stammzelltherapie nutzen konnten. Dabei machte es keinen Unterschied, ob die Patienten zuvor mit intensiver Chemotherapie oder hypomethylierenden Wirkstoffen behandelt worden waren.

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