SARS-CoV-2 / Impfung

Corona-Impfung: Seltene Kontraindikation PEG-Allergie

Original Titel:
Clinical manifestations and impact on daily life of allergy to polyethylene glycol (PEG) in ten patients

MedWiss – Die klinische Manifestation einer PEG-Allergie, beispielsweise bei Kontakt mit Kosmetika oder Haushaltsprodukten, kann dramatisch sein, schreiben dänische Allergologen, wenn sie auch gut behandelbar ist. Am Beispiel von 10 Patienten beschreiben die Experten das seltene Problem und wie hilfreich die Diagnosestellung für Betroffene ist. Nach RKI-Empfehlung gilt diese spezielle Allergie als medizinische Kontraindikation bei Corona-Impfungen mit diesem Inhaltsstoff.


Polyethylenglycole (PEGs) sind in verschiedensten Medikamenten, Kosmetika und Haushaltsprodukten als Hilfsstoffe enthalten. Typ-1-Allergien gegen PEGs mit anaphylaktischer Reaktion sind selten. Seltene allergische Reaktionen bei Impfung mit den mRNA-basierten Vakzinen gegen SARS-CoV-2 könnten eventuell mit PEGs in Zusammenhang stehen.

Schwere Kontakt-Reaktionen auf Haushaltsprodukte – Steckt PEG-Allergie dahinter?

Eine niedrige Awareness des allergenen Potentials von PEG unter Konsumenten, Herstellern und Ärzten führt dazu, schreiben dänische Allergologen, dass das Problem unterdiagnostiziert und zu selten berichtet wird. Hierdurch wächst das Risiko für wiederholte schwere Reaktionen für die wenigen Betroffenen.

Analyse von konkreten Fällen in Dänemark: 10 Patienten in 10 Jahren

Die Mediziner analysierten nun die klinischen Manifestationen, die Zeit bis zur Diagnose und Effekt der PEG-Allergiediagnose auf das Leben der Patienten über einen Zeitraum von 2010 bis 2019.

10 Patienten mit Diagnose einer PEG-Allergie wurden in die Analyse aufgenommen. Zur Analyse herangezogen wurde die detaillierte klinische Historie der Patienten und welche Allergie-Untersuchungen zum Zeitpunkt der Diagnose durchgeführt worden waren. Alle Patienten wurden kontaktiert und mit Hilfe eines Fragebogen um Auskunft zum Effekt der Allergie gegen PEG und Auslösern allergischer Reaktionen in ihrem täglichen Leben vor und nach der Diagnose gebeten. Die Einschätzungen wurden auf einer Likert-Skala (von 0-10) angegeben.

Klinische Historie, Auslöser allergischer Reaktionen, Effekt auf den Alltag

8 Patienten hatten mindestens einmal eine anaphylaktische Reaktion erlitten und eine Behandlung mit Adrenalin benötigt. Die Anaphylaxis wurde primär durch Antibiotika- oder Schmerzmittel-Tabletten, Depot-Steroide, Antazide und Laxative ausgelöst. 7 Patienten berichteten von wiederholten Reaktionen vor der Diagnose (Median 3, von 2 – 6). Die median Zeit von der ersten allergischen Reaktion bis zur Diagnose betrug 20 Monate (zwischen 2 und 120 Monaten). Keiner der Patienten erlitt erneut schwere allergische Reaktionen nach der Diagnose. Der mediane Likert-Score zum Einfluss der Allergie auf das tägliche Leben betrug 7 vor und 4 nach der Diagnose.

Vielfältige Auslöser schwerer Reaktionen – Diagnosestellung reduziert die Belastung

Die klinische Manifestation einer PEG-Allergie ist oft dramatisch, schreiben die Autoren, wenn auch gut behandelbar. Verbesserte Awareness über die klinische Präsentation und typische Auslöser, klare Produkt-Labels und eine standardisierte Nomenklatur sind wichtig für eine zeitnahe Diagnose einer PEG-Allergie – da die Diagnose wiederholten anaphylaktischen Reaktionen vorbeugen kann. Das Robert-Koch-Institut ist in einem Positionspapier auf diese seltene Problematik eingegangen: Sie gilt als medizinische Kontraindikation bei einer Impfung mit den neuen Corona-Vakzinen auf mRNA-Basis. Andere Allergien stellen nach den weltweit gesammelten Daten in klinischen Studien sowie der bisherigen Erfahrung mit den Impfstoffen dagegen kein Problem dar.

[DOI: 10.1111/cea.13822]

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