Arthritis / Rheuma

Vorsichtiger im Corona-Alltag? Patienten mit Autoimmunerkrankungen seltener infiziert

Original Titel:
Coronavirus Disease 2019, Immune-Mediated Inflammatory Diseases and Immunosuppressive Therapies – A Danish Population-Based Cohort Study

Kurz & fundiert

  • Wie verläuft eine Coronavirus-Infektion bei Autoimmunerkrankten?
  • Bevölkerungs-Kohortenstudie in Dänemark
  • Vorsichtiger? Patienten mit Autoimmunerkrankungen seltener infiziert
  • Schwerere Verläufe mit systemischen Kortikosteroiden und höherem Alter
  • Seltener schwere Erkrankungen unter Biologika
  • Risiko bei Therapiepause

 

MedWiss – Für Menschen mit Autoimmunerkrankungen ist es wichtig zu wissen, wie Infektionen mit dem neuen Coronavirus bei Menschen unter Immunsuppression verlaufen. Die vorliegende Kohortenstudie nutzte zur Untersuchung die Daten der dänischen Bevölkerung. Es zeigten sich seltenere SARS-CoV-2-Infektionen, dafür aber häufiger schwerere Verläufe von COVID-19 bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen, besonders bei Älteren, Behandlung mit systemischen Kortikosteroiden und im Kontext von Therapieabbrüchen. Therapieadhärenz scheint somit ein wichtiger Schutzfaktor zu sein.


Für Menschen mit Autoimmunerkrankungen und immunsuppressiver Therapie gibt es seit Beginn der Pandemie große Verunsicherungen und Zweifel. Zwar gab es frühzeitig Ratschläge durch verschiedene Fachgesellschaften zur Fortführung der jeweiligen Therapie, trotzdem ist es auch weiterhin wichtig zu ermitteln, wie Infektionen mit dem neuen Coronavirus bei Menschen unter Immunsuppression verlaufen. Die vorliegende Kohortenstudie nutzte zur Untersuchung die Daten der dänischen Bevölkerung.

Ermittelt wurde die Assoziation zwischen COVID-19, häufigen rheumatologischen, dermatologischen, gastrointestinalen und neurologischen immun-vermittelten inflammatorischen Erkrankungen und der Behandlung mit Immunsuppressiva.

Wie verläuft eine Coronavirus-Infektion bei Autoimmunerkrankten?

Die bevölkerungsweite Kohortenstudie in Dänemark und der Region Zealand analysierte Daten zwischen 28. Januar und 15. September 2020. Das wesentliche Kriterium war eine PCR-bestätigte SARS-CoV-2-Infektion. Die Forscher ermittelten die Entwicklung von COVID-19, Krankenhausaufenthalte aufgrund von COVID-19 und Sterblichkeit.

Bevölkerungs-Kohortenstudie in Dänemark

COVID-19 trat seltener bei Patienten mit immunvermittelten entzündlichen Erkrankungen (328/20 513, 1,60 %) auf als in der übrigen Bevölkerung (10 792/583 788, 1,85 %). Dieser Unterschied war statistisch signifikant (p < 0,01). Allerdings hatten Menschen mit Autoimmunerkrankungen ein signifikant höheres Risiko, wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt werden zu müssen (31,1 % versus 18,6 %, p < 0,01). Auch das Risiko zu versterben war erhöht (9,8 % versus 4,3 %, p < 0,01). Beides war mit höherem Alter (älter als 65 Jahre) und vorhandenen Begleiterkrankungen assoziiert.

Vorsichtiger? Patienten mit Autoimmunerkrankungen seltener infiziert

Eine Behandlung mit systemischen Steroiden war unabhängig mit einem schwereren Verlauf von COVID-19 (Odds Ratio, OR: 3,56; 95 % Konfidenzintervall, CI: 1,83 –7,10; p < 0,01) assoziiert. Biologische Therapien waren dagegen mit einem reduzierte Risiko assoziiert (OR: 0,47; 95 % CI: 0,22 – 0,95; p = 0,04). Patienten, die ihre immunosuppressive Therapie aufgrund von COVID-19 unterbrachen, hatten allerdings ein höhere Risiko für eine Krankenhausbehandlung in der Folge (OR: 3,59; 95 % CI: 1,31 – 10,78; p = 0,02).

Schwerere Verläufe mit systemischen Kortikosteroiden und höherem Alter, Risiko bei Therapiepause

Diese Studie fand somit seltenere Infektionen, dafür aber häufiger schwerere Verläufe von COVID-19 bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen. Hinter den schwereren Erkrankungen schienen besonders Behandlungen mit systemischen Steroiden, höheres Alter und die Unterbrechung laufender immunsuppressiver Therapien zu stehen. Therapien mit Biologika schienen dagegen eher vor schwereren Verläufen zu schützen. Die Ergebnisse deuten auf die Relevanz einer kontinuierlichen Therapie der Grunderkrankungen auch im Kontext von COVID-19.

[DOI: 10.1016/j.jaut.2021.102613]

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