Der Wirkstoff Ticagrelor reduziert Folgeerkrankungen bei Patienten mit Verengungen in mehreren Koronararterien

Original Titel:
Ticagrelor for Secondary Prevention of Atherothrombotic Events in Patients With Multivessel Coronary Disease

MedWiss – Patienten mit Verengungen mehrerer Koronararterien könnten nach einem Herzinfarkt davon profitieren, wenn sie zusätzlich zur Acetylsalicylsäure den Wirkstoff Ticagrelor bekommen. Dies war das Ergebnis der vorliegenden Studien. Patienten, die mit den beiden Wirkstoffen behandelt wurden, hatten nämlich ein geringeres Risiko für weitere Herz-Kreislauf-Komplikationen als Patienten, die nur Acetylsalicylsäure bekamen.


Patienten, die einen Herzinfarkt erlitten haben und die Verengungen in mehreren Koronararterien aufweisen, haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Komplikationen. Um das Risiko für Folgeerkrankungen zu reduzieren, erhalten die Patienten in der Regel Wirkstoffe, die die Blutgerinnung hemmen. Zu diesen Wirkstoffen zählen die Thrombozyten-Aggregations-Hemmer. Diese verhindern, dass die Blutplättchen verklumpen und Blutgerinnsel bilden. Ein klassischer Vertreter dieser Wirkstoffgruppe ist die Acetylsalicylsäure. Dieser Wirkstoff hat sich bereits darin bewährt, Folgeerkrankungen bei Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit (KHK) zu reduzieren. Ergänzend zur Acetylsalicylsäure kann ein weiterer Thrombozyten-Aggregations-Hemmer wie Ticagrelor eingesetzt werden, mit dem Ziel, das Herz-Kreislauf-Risiko noch weiter zu senken.

Wissenschaftler untersuchten mehr als 12000 Patienten mit mehreren Verengungen der Koronararterien und einem vorangegangenen Herzinfarkt

Ein internationales Forscherteam mit Forscher aus den USA, den Niederlanden, England, Ungarn, Ukraine, Spanien, Kolumbien, Bulgarien, Norwegen und Schweden untersuchten nun die Sicherheit und Wirksamkeit von Ticagrelor bei Patienten mit mehreren Verengungen der Koronararterien und einem vorangegangenen Herzinfarkt. Hierzu untersuchten sie insgesamt 21141 Patienten, die bereits einen Herzinfarkt erlitten hatten. 12558 von ihnen (59,4 %) litten an der koronaren Herzkrankheit, die mehrere Koronararterien betraf. Die Patienten erhielten zusätzlich zu der Therapie mit Acetylsalicylsäure entweder Ticagrelor oder ein Placebo. Die Hälfte der Patienten wurde länger als 33 Monate lang begleitet.

Patienten hatten nach einem Herzinfarkt ein höheres Risiko, wenn Koronararterien verengt waren

Wenn die Patienten nur das Placebo und nicht den Wirkstoff bekamen, fiel auf, dass Patienten, bei denen mehrere Koronararterien verengt waren, ein um 24 % größeres Risiko für Herz-Kreislauf-Komplikationen (Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herz-Kreislauf-bedingte Todesfälle) hatten als Patienten, bei denen dies nicht der Fall war. Auch das Risiko für unerwünschte Koronararterien-Ereignisse (Herzinfarkt, Stentthrombose und Koronararterien-bedingte Todesfälle) war bei den Patienten mit Verengungen der Koronararterien erhöht – nämlich um 49 %.

Ticagrelor senkte das Risiko bei Patienten mit mehreren Verengungen der Koronararterien

Ticagrelor konnte bei der Behandlung der Patienten mit mehreren Verengungen der Koronararterien Erfolge erzielen. So konnte durch dessen Anwendung bei dieser Patientengruppe sowohl das Risiko für die Herz-Kreislauf-Komplikationen (um 18 %) reduziert werden als auch das Risiko für die unerwünschten Koronararterien-Ereignisse (um 24 %).

Ticagrelor erhöhte jedoch das Risiko für schwere Blutungen

Die Anwendung von Ticagrelor ging jedoch auch mit Nebenwirkungen einher. So wurde bei dieser speziellen Patientengruppe das Risiko für schwere Blutungen durch Ticagrelor um das etwa 2,7-fache erhöht. Das Risiko für Blutungen innerhalb des Schädels und für tödliche Blutungen wurden hingegen durch die Ticagrelor-Behandlung nicht beeinflusst.

Herzinfarkt-Patienten hatten somit ein größeres Risiko für Herz-Kreislauf-Komplikationen, wenn sie Verengungen in mehreren Koronararterien aufwiesen. Dieses erhöhte Risiko konnte jedoch durch Ticagrelor deutlich gesenkt werden. Obwohl Ticagrelor das Risiko für schwere Blutungen erhöhte, hielten die Autoren der Studie die Langzeitanwendung dieses Wirkstoffs für eine geeignete Möglichkeit, das Risiko für Folgeerkrankungen bei dieser Patientengruppe zu senken.

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