Klimaschutz und Dermatologie: eine globale Bestandsaufnahme

  • 3. Dezember 2025
Gastbeitrag von Dr. med. Christina Hecker
(Ärztin für Dermatologie und Allergologie; 3. Vorsitzende der AG Nachhaltigkeit in der Dermatologie (AGN) e.V.)


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Bereits veröffentlicht: Krisenresilienz: Wie Sie Ihre Praxis oder Klinik vorbereiten können

Klimawandel erreicht die dermatologische Praxis

Der Klimawandel ist längst keine abstrakte Zukunftsgefahr mehr – er beeinflusst bereits heute die medizinische Versorgung und damit auch die Dermatologie. Auf dem 107. Kongress der Schweizerischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (SGDV) in St. Gallen wurde eine umfassende Bestandsaufnahme der weltweiten Klimaschutzaktivitäten innerhalb dermatologischer Fachgesellschaften präsentiert.

Alarmierende Zahlen zur Erderwärmung

Die aktuellen Daten des Copernicus Climate Change Service zeigen: Der April 2025 war der zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen, mit Temperaturen 0,60 °C über dem langjährigen Mittel. Noch besorgniserregender: Im Zeitraum Mai 2024 bis April 2025 lag die globale Temperaturabweichung bereits bei 1,58 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau. Das Pariser Klimaziel einer Begrenzung auf 1,5 °C scheint kaum noch erreichbar.

Direkte Auswirkungen auf die Dermatologie

Für Mitteleuropa prognostizieren Klimaforscher bis Mitte des Jahrhunderts eine Verdopplung der Hitzetage im Sommer, weniger Frosttage im Winter sowie eine höhere Gesamtsonnenscheindauer und steigende UV-Intensität. Dies führt voraussichtlich zu einer Zunahme verschiedener dermatologischer Erkrankungen: keratinozytärer und melanozytärer Hautkrebs, Photodermatosen, spezifische Infektionen sowie hitzebedingte Dermatosen. Zusätzlich begünstigt der Klimawandel die Ausbreitung subtropischer Krankheitsvektoren und verlängert die Pollensaison mit erhöhter Allergenlast.

Das Gesundheitswesen als Klimafaktor

Das Gesundheitswesen trägt selbst erheblich zum Problem bei: Global stammen etwa 4–6 % der CO₂-Äquivalente aus dem Gesundheitssektor – mehr als der gesamte globale Flugverkehr verursacht. In der Schweiz, in Österreich und den USA liegt dieser Wert sogar noch höher.

Eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2025 bezifferte die Gesamtemissionen einer dermatologischen Poliklinik mit 30.000 Patienten pro Jahr auf über 300 Tonnen CO₂-Äquivalente. In Australien liegen die CO₂-Äquivalente durch Dermatochirurgie jährlich bei über 8.000 Tonnen. Zum Vergleich: Ein Economy-Flug von Zürich nach New York verursacht etwa 1,1 Tonnen CO₂-Äquivalente.

Internationale Initiativen für nachhaltige Dermatologie

Weltweit haben dermatologische Fachgesellschaften auf diese Herausforderung reagiert. Im deutschsprachigen Raum ist seit 2020 die Arbeitsgemeinschaft Nachhaltigkeit in der Dermatologie (AGN) aktiv, seit 2022 als eingetragener Verein. Die European Academy of Dermatology and Venereology (EADV) gründete 2024 eine Climate Working Group, die seit 2025 als Taskforce arbeitet. Die American Academy of Dermatology (AAD) richtete bereits 2018 eine Expertengruppe für Klima- und Umweltfragen ein.

Zwei Säulen: Mitigation und Adaptation

Die Strategien umfassen zwei zentrale Bereiche: Klimaschutz (Mitigation) – also die Reduktion von Treibhausgasemissionen durch umweltfreundliche Produkte, Abfallreduktion und energieeffiziente Verfahren – sowie Klimaanpassung (Adaptation) durch hitzeresistente Gebäude, angepasste Sprechstundenzeiten und Kontingenzpläne für Extremwetterereignisse.

Originalartikel Klimaschutz und Dermatologie
(Dennis Niebel. Leading opinion. Dermatologie und Plastische Chirurgie 5/2025)

Der vollständige Artikel bietet einen detaillierten Überblick über die globalen Aktivitäten dermatologischer Fachgesellschaften, konkrete Handlungsempfehlungen für die Praxis und eine umfassende Analyse der Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Hauterkrankungen.