Hydroxychloroquin ohne klinischen Nutzen bei COVID-19
Original Titel:
Hydroxychloroquine does not affect endotheliopathy or coagulopathy biomarkers in COVID-19: longitudinal results from the DisCoVeRy randomized trial
- Störungen der Endothelfunktion und Koagulopathie bei COVID-19: Wirkt Hydroxychloroquin?
- Klinische Studie der Phase 3 mit 300 stationären COVID-19-Patienten
- Kein Einfluss auf zeitlichen Verlauf der Biomarker einer Gefäßschädigung
- Hydroxychloroquin ohne klinischen Nutzen bei COVID-19
MedWiss – Hydroxychloroquin ist ohne klinischen Nutzen bei COVID-19, so das Fazit einer klinischen Studie der Phase 3 mit 300 stationär behandelten COVID-19-Patienten. Der Wirkstoff hatte keinen Effekt auf die zeitliche Entwicklung der Biomarker für Störungen der Endothelfunktion und Koagulopathie.
Hydroxychloroquin wird seit Langem als immunmodulatorischer Wirkstoff bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt und hat zudem Effekte auf das Gefäßsystem. Das Medikament wurde auch als eines der ersten zur Behandlung bei der Erkrankung COVID-19 nach Infektion mit dem neuen Coronavirus eingesetzt und untersucht. Bei schwerem COVID-19 kommt es häufig zu ausgeprägten Störungen der Endothelfunktion, also Störungen der Gefäßwand, und zur Koagulopathie. Wissenschaftler führten nun eine longitudinale Studie durch, um zu ermitteln, ob Hydroxychloroquin Biomarker einer Gefäßschädigung bei schwerem COVID-19 beeinflusst.
Störungen der Endothelfunktion und Koagulopathie bei COVID-19: Wirkt Hydroxychloroquin?
Die klinische Studie der Phase 3 wurde multizentrisch, offen, randomisiert-kontrolliert und adaptiv mit COVID-19-Patienten in stationärer Behandlung durchgeführt. Das primär untersuchte Behandlungsergebnis war der klinische Status am Tag 15 (WHO 7-Punkte-Skala). Als Biomarker von Endothelaktivierung und Koagulopathie erfasste die Studie Angiopoietin-2, P-Selektin und D-Dimer an den Tagen 1, 3, 5, 8 und 11 und berichtete die Steigung der Veränderung dieser Spiegel über die Zeit.
Klinische Studie der Phase 3 mit 300 stationären COVID-19-Patienten
Die Studie umfasste 148 Patienten in Standardversorgung (Kontrollgruppe) sowie 145 mit Hydroxychloroquin plus Standardversorgung (HCQ-Gruppe). Eine schwere Erkrankung zu Beginn war mit höheren Biomarkerspiegeln assoziiert: Angiopoietin-2 (p < 10⁻⁵), P-Selektin (p < 10⁻⁶) und D-Dimer (p < 10⁻⁷). Die HCQ-Gruppe wies keine signifikanten Effekte auf den Angiopoietin-2-Spiegel mit der Zeit auf (Steigung: 0,002; 95 % Konfidenzintervall, KI: -0,003 – 0,007; p = 0,42). Der P-Selektin-Spiegel stieg in sowohl schwer als auch nicht schwer erkrankten Patienten signifikant an, Hydroxychloroquin machte dabei jedoch keinen Unterschied (Steigung: 0,005; 95 % KI: -0,001 – 0,012; p = 0,12). Die Veränderung des D-Dimer-Spiegels über die Zeit wurde weder durch den Schweregrad der Erkrankung noch durch die Behandlung mit Hydroxychloroquin signifikant beeinflusst (Schweregrad: Steigung: -0,004; 95 % KI: -0,016 – 0,009; p = 0,57; Hydroxychloroquin: Steigung: -0,000; 95 % KI: -0,009 – 0,009; p = 0,98).
Hydroxychloroquin ohne klinischen Nutzen bei COVID-19
Die Autoren schließen, dass Hydroxychloroquin nicht die zeitliche Entwicklung der Biomarker Angiopoietin-2, P-Selektin oder D-Dimer bei stationär behandelten Patienten mit COVID-19 beeinflusste. Die Behandlung mit dem Wirkstoff hatte somit keinen Vorteil bei einer Gefäßschädigung. Die Studie unterstützt bisherige Erkenntnisse dazu, dass Hydroxychloroquin keinen klinischen Nutzen bei COVID-19 bietet, so das Fazit.
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