Niedrigdosis-Kontrazeptiva bei hyperandrogenem PCOS und Übergewicht
Original Titel:
Impact of combined hormonal contraceptives and metformin on metabolic syndrome in women with hyperandrogenic polycystic ovary syndrome and obesity: The COMET-PCOS randomized clinical trial
- Hyperandrogenes PCOS mit Übergewicht: Kombinierte Kontrazeptiva oder Metformin?
- Kombinierte Kontrazeptiva, Metformin oder beides: Multizentrenstudie mit 169 Frauen über 24 Wochen
- Hypothese: Höhere MetS-Prävalenz mit Kontrazeptiva, niedrigere MetS-Prävalenz mit Metformin
- Behandlung mit niedrigdosierten Kontrazeptiva wirksam, ohne Steigerung der MetS-Prävalenz
MedWiss – Eine randomisiert-kontrollierte Multizentrenstudie über 24 Wochen fand, dass bei Frauen mit hyperandrogenem PCOS und Übergewicht oder Adipositas die Behandlung mit niedrigdosierten Kontrazeptiva effektiv zum Management von PCOS-Symptomen beitragen kann, ohne die Prävalenz von MetS zu erhöhen.
Bei dem polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) ist unter anderem die Hormonbalance gestört. Typischerweise ist der Testosteronspiegel (ein sogenanntes Androgen) erhöht, die Patienten sind also hyperandrogen. Gleichzeitig sind meist Glukose- und Fettstoffwechsel im Ungleichgewicht. Die Behandlung kann daher einen hormonellen Ausgleich mit Hilfe von kombinierten Kontrazeptiva umfassen, aber auch Metformin zum Management der Stoffwechselstörungen, speziell bei Frauen mit starkem Übergewicht. Wie effektiv eine solche Behandlung das bei PCOS erhöhte Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen beeinflusst, war bislang jedoch nicht klar.
Hyperandrogenes PCOS mit Übergewicht: Kombinierte Kontrazeptiva oder Metformin?
Wissenschaftler untersuchten dies nun, indem sie den Effekt von kombinierten Kontrazeptiva, Metformin oder beiden zusammen auf die Prävalenz des Metabolischen Syndroms (MetS) bei Frauen mit hyperandrogener PCOS untersuchten. Die Hypothese war, dass die Kontrazeptiva die Prävalenz von MetS erhöhen würden, während Metformin hingegen die Prävalenz von MetS senken sollte.
Die Multizentrenstudie wurde doppelblind und randomisiert mit Teilnehmerinnen zwischen 18 und 40 Jahren durchgeführt. Die Frauen mit hyperandrogener PCOS hatten einen BMI (body mass index) von mindestens 25 kg/m² und höchstens 48 kg/m². Patientinnen erhielten über 24 Wochen randomisiert entweder niedrigdosierte kombinierte Kontrazeptiva (Kontrazeptiva-Gruppe: 20 μg Ethinylestradiol und 0,15 mg Desogestrol) oder MetforminXR (Metformin-Gruppe: 2 000 mg) oder beide kombiniert (Kombi-Gruppe). Primär ermittelte die Studie die Prävalenz von MetS am Studienende in Abhängigkeit von der jeweiligen Behandlung. Sekundär untersuchte die Studie Veränderungen in Komponenten des MetS, nämlich Blutzuckerspiegel, HDL-Cholesterol, Blutdruck, Taillenumfang und Nüchternblutzucker.
Kombinierte Kontrazeptiva, Metformin oder beides: 169 Frauen über 24 Wochen
Insgesamt nahmen 240 Frauen initial an der Studie teil, 169 Frauen führten die Untersuchung über 24 Wochen zu Ende durch. Davon waren 59 Frauen in der Kontrazeptiva-Gruppe, 65 Frauen in der Metformin-Gruppe und 63 Frauen in der Kombi-Gruppe. Das durchschnittliche Alter der Teilnehmerinnen lag bei 29,5 Jahren, der durchschnittliche BMI betrug 35,6 kg/m². Zu Beginn der Studie wiesen 31 % der Frauen ein MetS auf, mit vergleichbarer Häufigkeit in den unterschiedlichen Gruppen. Am Studienende betrug die Prävalenz von MetS in der Metformin-Gruppe 26,2 % (17/65), in der Kombi-Gruppe 28,6 % (17/59) und in der Kontrazeptiva-Gruppe 28,8 % (17/59), ohne signifikante Differenz zwischen den Gruppen (p = 0,26).
In den sekundären Studienendpunkten sanken verschiedene Parameter in der Kontrazeptiva-Gruppe:
- Taillenumfang: Mittelwertdifferenz, MD: -2,23 cm; 95 % Konfidenzintervall, KI: -3,98 – -0,49; p = 0,01
- BMI: MD -0,49 kg/m²; 95 % KI: -0,88 – -0,10; p = 0,01
- Androide Fettmasse: MD: -167 g; 95 % KI: -264 – -71; p < 0,001
In der Metformin-Gruppe unterschieden sich diese Parameter nicht zwischen Studienbeginn und dem Zeitpunkt nach der Behandlungsphase.
Sowohl in der Metformin- als auch der Kombi-Gruppe berichteten die meisten Teilnehmerinnen (> 64 %) von Durchfall. Jede 4. Fraue in der Kontrazeptiva-Gruppe (24,1 %) entwickelte uterine Blutungen.
Behandlung mit niedrigdosierten Kontrazeptiva wirksam, ohne Steigerung der MetS-Prävalenz
Die Autoren schließen, dass bei Frauen mit hyperandrogenem PCOS und Übergewicht oder Adipositas die Behandlung mit niedrigdosierten Kontrazeptiva effektiv zum Management von PCOS-Symptomen beitragen kann, ohne die Prävalenz von MetS zu erhöhen.
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