Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck: Sterbegefahr bei COVID-19 für Jüngere stark erhöht

Original Titel:
Obesity and Impaired Metabolic Health Increase Risk of COVID-19-Related Mortality in Young and Middle-Aged Adults to the Level Observed in Older People: The LEOSS Registry

Kurz & fundiert

  • Schwere COVID-19-Verläufe: Welche Rolle spielt bei jung vs. alt ein ungesunder Stoffwechsel?
  • Europäisches COVID-19-Patientenregister LEOSS
  • Vorerkrankungen: Adipositas, Diabetes und Bluthochdruck
  • Analyse über 3 163 Patienten mit und ohne Vorerkrankung, zwischen 18 und 55 Jahren und zwischen 56 und 75 Jahren
  • Sterberisiko: Ähnlich hoch bei jüngeren Menschen mit ungesundem Stoffwechsel und älteren, gesunden Menschen
  • Veränderlicher Risikofaktor Stoffwechselgesundheit demnach auch besonders relevant für jüngere Personen

 

MedWiss – Das Risiko, an COVID-19 zu versterben, wird meist besonders bei älteren Personen vermutet. Allerdings spielen auch die Vorerkrankungen Bluthochdruck, Diabetes und Adipositas eine Rolle. Wie viel dies bei jüngeren Menschen oder Menschen mittleren Alters ausmacht, untersuchten Forscher anhand der Daten des europäischen Coronavirus-Patientenregisters LEOSS. Demnach hatten Menschen in jüngerem und mittlerem Alter mit Adipositas, Diabetes und Bluthochdruck ein ähnlich hohes Risiko, infolge von COVID-19 zu sterben, wie ältere Personen mit gesundem Stoffwechsel.


Höheres Alter und männliches Geschlecht sind die größten Risikofaktoren für schwere Verläufe von COVID-19. Ebenfalls mit höherem Risiko verbunden sind die Vorerkrankungen Bluthochdruck, Diabetes und Adipositas. Bislang war nicht klar, wie kritisch diese Vorerkrankungen bei jüngeren Menschen oder Menschen mittleren Alters sind, und wie sich das Risiko für schwere Verläufe von COVID-19 bei vorerkrankten jüngeren Menschen mit dem Risiko gesunder älterer Menschen vergleichen lässt.

Schwere COVID-19-Verläufe: Jung vs. alt, ungesunder oder gesunder Stoffwechsel?

Das europäische Patientenregister LEOSS (Lean European Open Survey on SARS-CoV-2-Infected Patients) wurde nun daraufhin analysiert, wie sich das COVID-19-Risiko abhängig von Alter und Vorerkrankungen verhielt. LEOSS ist eine nicht-Interventions-, Multizentren-, Kohortenstudie, die im Mai 2020 etabliert wurde, um den epidemiologischen und klinischen Verlauf von Infektionen mit dem neuen Coronavirus zu untersuchen. Daten von hospitalisierten Patienten sowie von Patienten, die in ambulanter Behandlung waren, jeweils mit positiven SARS-CoV-2-Test, wurden in die Studie aufgenommen.

Europäisches COVID-19-Patientenregister LEOSS: Analyse über 3 163 Patienten

Insgesamt 3 163 Patienten mit einer diagnostizierten SARS-COV-2-Infektion konnten analysiert werden. Die Forscher stellten einen additiven Effekt von Adipositas, Diabetes und Bluthochdruck auf das Sterblichkeitsrisiko bei COVID-19 fest. Besonders ausgeprägt war dieser Effekt bei jüngeren und Menschen mittleren Alters zwischen 18 und 55 Jahren. Verglichen mit Patienten bis 55 Jahre ohne Adipositas, Diabetes und Bluthochdruck (n = 593) hatten Patienten bis 55 Jahre mit allen drei Risikofaktoren (adipös und metabolisch ungesund; n = 31) ein erhöhtes adjustiertes Risiko zu versterben (Odds Ratio, OR: 7,42; 95 % Konfidenzintervall, KI: 1,55 – 27,3). Sie hatten damit ein ähnlich stark erhöhtes Risiko wie ältere Personen (56 – 75 Jahre), die weder Bluthochdruck, Diabetes, noch Adipositas hatten (n = 339; OR: 8,21; 95 % KI: 4,10 – 18,3). Bei Personen höheren Alters konnte ein Teil des erhöhten Risikos, an COVID-19 zu versterben, durch erhöhte Entzündungswerte im Blut (CRP) erklärt werden. Dies traf besonders auf die Personen zu, die weder adipös noch metabolisch ungesund waren.

Sterberisiko: Ähnlich hoch bei jüngeren Menschen mit ungesundem Stoffwechsel und älteren, gesunden Menschen

Die Analyse europäischer Patientendaten zeigte somit, dass für Menschen in jüngerem und mittlerem Alter ein ähnlich hohes Sterberisiko bei COVID-19 vorliegt wie bei älteren Personen – wenn Adipositas, Diabetes und Bluthochdruck vorliegen. Diese Vorerkrankungen gelten als veränderliche Risikofaktoren. Jüngere Menschen haben also eine Chance, ihre Gefährdung durch COVID-19 durch Anpassung von Ernährung, Bewegung und effektiver Behandlung der Vorerkrankungen deutlich zu senken.

[DOI: 10.3389/fmed.2022.875430]

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