Eine Sepsis erkennen und versorgen

Hannover, 07.08.2023 – Eine Blutvergiftung, in der Fachsprache Sepsis genannt, ist die schwerste Komplikation, die bei einer Infektion auftritt und die Organe angreift. Das kann lebensbedrohlich sein. Die Sepsis ist die häufigste Todesursache infolge einer Infektion. In Deutschland sterben jährlich mindestens 85.000 Menschen daran. Wichtig ist es, die Symptome zu erkennen und schnell zu handeln. Eine bakteriell bedingte Sepsis wird immer sofort mit Antibiotika behandelt. In vielen Fällen können Hygienemaßnahmen und Aufklärung die Erkrankung und ihre Folgen verhindern. Die Apothekerkammer Niedersachsen rät deshalb vor allem Risikopatient:innen sich darüber zu informieren, wie sie einer Sepsis vorbeugen und diese im Notfall erkennen können.

Wie erkennt man eine Sepsis?

Anzeichen für eine Sepsis sind Fieber in Verbindung mit Schüttelfrost und Atemnot. Doch Vorsicht – bei manchen Menschen, besonders sehr jungen oder sehr alten, tritt kein Fieber auf. Einige Erkrankte wirken verwirrt, apathisch oder schläfrig. Gerade bei älteren Menschen können diese Symptome übersehen oder falsch gedeutet werden. Doch plötzliche Verwirrtheit ist immer ein Alarmzeichen, weil sie nicht bei anderen schweren Infektionen auftritt. In diesem Fall darf keine Zeit verloren werden.

Treten im Verlauf einer Infektion zusätzlich folgende Symptome auf, ist das ein Notfall, bei dem der Rettungsdienst gerufen werden muss: plötzliche Verwirrtheit oder Bewusstseinstrübung, erniedrigter Blutdruck und beschleunigte Atmung (über 22 Atemzüge pro Minute).
Wichtig zu wissen: Früher glaubte man, dass ein roter Strich, der sich zum Herzen hin ausbreitet, ein Anzeichen für eine Sepsis ist. Das ist falsch. Es handelt sich hierbei um eine entzündete Lymphbahn. Unbehandelt kann sie zwar zur Sepsis führen; dies ist jedoch nur sehr selten der Fall.

Wie genau entsteht eine Sepsis?

Die Sepsis kann sich als Folge einer lokal begrenzten Infektion, wie beispielsweise einer eiternden Wunde, einer Lungenentzündung, einem Harnwegsinfekt oder als Komplikation nach großen Operationen entwickeln. Wird die Infektion nicht behandelt, kann sich daraus eine Sepsis entwickeln. Auch wenn eine bakteriell bedingte Infektion verschleppt wird, weil die verordneten Antibiotika nicht in der vorgeschriebenen Dosis und Dauer eingenommen werden, kann das zur Sepsis führen. Bei einer Infektion dringen Krankheitserreger in die Blutbahn ein und das Immunsystem antwortet darauf mit einer Entzündungsreaktion. Damit setzt sich der Körper gegen die Erreger zur Wehr. Bei einer Sepsis kann die Entzündung nicht mehr auf den lokalen Infektionsherd begrenzt werden. Das Immunsystem gerät außer Kontrolle: Die Entzündung breitet sich im ganzen Körper aus und greift körpereigenes Gewebe sowie Organe an. Meist handelt es sich bei den Erregern um Bakterien, aber auch Viren, Pilze und Parasiten können eine Sepsis auslösen.

Wer hat ein höheres Risiko?

Jeder Mensch kann potenziell aus einer verschleppten Infektion wie einer Lungenentzündung oder Harnwegsentzündung eine Sepsis entwickeln. Besonders gefährdet sind jedoch Menschen, die ein geschwächtes Immunsystem haben. Dazu gehören Schwangere, Früh- und Neugeborene, Hochbetagte, immunsupprimierte Personen, Menschen mit Implantaten oder Verweilkathetern sowie Krebserkrankte, besonders während einer Chemotherapie. Zudem gelten frisch Operierte und Personen ohne funktionsfähige Milz sowie Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus oder Leberzirrhose als besonders von einer Sepsis bedroht. Mangelernährung, Durchblutungsstörungen in den Beinen, Druckgeschwüre und der Missbrauch von Alkohol oder Drogen sind weitere Risikofaktoren.

Mögliche Folgen einer Sepsis

Der Verlauf einer Sepsis hängt vom Alter, der gesundheitlichen Verfassung der Betroffenen sowie der bestehenden Infektion ab. Eine Sepsis kann innerhalb von Stunden zum Tod führen. Breitet sich die Entzündung lange und stark im Körper aus, können Organe geschädigt werden und dann versagen. Je schneller also der oder die Erkrankte behandelt wird, desto größer sind die Überlebenschancen. Menschen, die eine Sepsis überleben, brauchen mitunter Jahre, um sich davon zu erholen. Durch Organschädigungen kann es zu lebenslangen Folgen kommen wie Lähmungen nach Schädigungen der Nerven. Bei manchen Patient:innen ist eine Amputation notwendig, wenn Gewebe abgestorben ist oder Gliedmaßen nicht ausreichend mit Nähr- und Sauerstoff versorgt worden sind. Es gibt auch Betroffene, die nach einer Sepsis mit posttraumatischen Belastungsstörungen zu kämpfen haben.

Einer Sepsis vorbeugen

Eine Sepsis ist die Folge einer Infektion mit Krankheitserregern. Der beste Schutz ist es, Infektionen vorzubeugen beziehungsweise sie entschlossen zu behandeln. Viele Infektionen lassen sich durch Hygiene verhindern, wie regelmäßiges gründliches Händewaschen, besonders wenn man mit kranken Menschen in Berührung kommt. Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sollten darauf achten, alle empfohlenen Impfungen zu erhalten. Damit sich kleine Kratzer oder Abschürfungen nicht infizieren, sollten in der Hausapotheke immer Mittel gegen Wundinfektion enthalten sein. Die Apotheke vor Ort berät zu Produkten zur Desinfektion und Reinigung von Wunden sowie zu geeigneten Pflastern und Verbandsmaterialien. Die gute Versorgung von Hautverletzungen fördert die Heilung und beugt Wundinfektionen und damit auch einer Sepsis vor.

Der Apothekerkammer Niedersachsen gehören mehr als 8.000 Mitglieder an. Die Apothekerin und der Apotheker sind fachlich unabhängige Heilberufler:innen. Der Gesetzgeber hat den selbstständigen Apotheker:innen die sichere und flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln übertragen. Der Beruf erfordert ein vierjähriges Pharmaziestudium an einer Universität und ein praktisches Jahr. Dabei erwerben die Studierenden Kenntnisse in pharmazeutischer Chemie und Biologie, Technologie, Pharmakologie, Toxikologie und Klinische Pharmazie. Nach dem Staatsexamen erhalten die Apotheker:innen eine Approbation. Nur mit dieser staatlichen Zulassung können sie eine öffentliche Apotheke führen. Als Spezialist:innen für Gesundheit und Prävention beraten die Apotheker:innen die zur Ausübung der Heilkunde berechtigten Personen kompetent und unabhängig über Arzneimittel und apothekenpflichtige Medizinprodukte. Apotheker:innen begleiten Patient:innen fachlich, unterstützen menschlich und helfen so, die Therapie im Alltag umzusetzen.

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Apothekerkammer Niedersachsen

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