Demenz / Alzheimer

Gemeinsamer Kampf gegen die Alzheimerdemenz: die Kombination verschiedener Wirkstoffklassen könnte besser helfen

Original Titel:
Galantamine-memantine combination effective in dementia: Translate to dementia praecox?

Zusammen mit der neurobiologischen Grundlage zeigen die bisherigen Studien, dass es gute Gründe für eine Kombination verschiedener Medikamentklassen bei der Behandlung der Alzheimererkrankung geben kann. Dabei sind natürlich mögliche Nebenwirkungen der unterschiedlichen Substanzen zu bedenken, die den Einsatz bei manchen Patienten limitieren. Zu hoffen bleibt nun jedoch, dass aktuelle klinische Studien – derzeit wird die Kombination Galantamin-Memantin gegen Denkleistungseinbußen bei Patienten mit Schizophrenie untersucht – positiv ausfallen und eventuell einen solche kombinierte Strategie auch für Patienten mit Alzheimerdemenz ermöglichen.


Verstärkung der Alzheimertherapie ist derzeit eine der größten Chancen für Betroffene: die Kombination von Mitteln soll das Fortschreiten der Erkrankung effektiver aufhalten. Wie könnte eine solche Kombination aber einen Unterschied machen? Die Alzheimererkrankung betrifft unterschiedliche Abläufe im Gehirn. Dazu gehören wahrscheinlich Rezeptorsysteme, die durch die Botenstoffe Acetylcholin (cholinerges System), Glutamat und NMDA (glutamaterges System) oder Nikotin (nikotinerges System) aktiviert werden. Unterschiedliche Medikamente, die wirksam Demenzsymptome lindern können, greifen nach dem bisherigen Verständnis in jeweils andere dieser Systeme ein. Das Medikament Donepezil beispielsweise hemmt Eiweißstoffe im cholinergen System. Galantamin scheint am selben Wirkort anzugreifen, moduliert aber auch die Aktivität des nikotinergen Systems. Memantin dagegen wirkt unter mehreren anderen auch an glutamatergen Rezeptoren.

Eventuell sinnvoll: Kombination von Medikamenten zur gleichzeitigen Linderung verschiedener Symptome

Eine Kombinationsmedikation, die Donepezil und Memantin enthält, ist bereits in den USA zur Behandlung von Alzheimerdemenz zugelassen. Verschiedene Studien konnten auch ihre Wirksamkeit und Vorteile gegenüber einer Therapie nur mit Donezepil demonstrieren. Aber gilt Ähnliches auch für das Medikament Galantamin? Dr. Koola und Dr. Parsaik fassten nun als Antwort auf diese Frage die Studienlage zur Kombinationstherapie von Galantamin und Memantin zusammen.

Studienlage zur Kombinationstherapie von Galantamin und Memantin

In einer deutschen Studie mit 232 Teilnehmern, die unter milder bis moderater Alzheimerdemenz litten, wurde eine Kombinationsbehandlung mit Galantamin und Memantin, im Vergleich zu Galantamin allein, über 1 Jahr durchgeführt (Peters und Kollegen, 2015 im Journal Alzheimer’s and Dementia erschienen). Die jeweilige Behandlung war den Patienten zufällig und ihnen unbekannt zugeteilt worden. Bei diesen Patienten schien es keinen Unterschied zu machen, ob Galantamin kombiniert oder allein eingenommen wurde. Eine frühere Studie derselben Gruppe fand die Kombination allerdings in Frühstadien der Alzheimererkrankung effektiver als das einzelne Medikament (Peters und Kollegen, 2012 in der Fachzeitschrift Journal of Nutrition, Health and Aging veröffentlicht). In der auch als prodromal bezeichneten Frühform der Erkrankung sind bereits leichte Denkleistungseintrübungen und Gedächtnisverluste vorhanden, aber noch keine eigentliche Demenz diagnostiziert. Eine weitere Studie (Matsuzono und Kollegen, 2015 im Journal of Alzheimer‘s Disease erschienen) fand die Kombination Galantamin und Memantin bei aktiver Alzheimerdemenz wirksamer als eine andere Wirkstoffkombination (Donepezil und Memantin).

Gute Gründe für eine Kombination verschiedener Medikamentklassen bei der Behandlung der Alzheimererkrankung

Zusammen mit der neurobiologischen Grundlage zeigen die bisherigen Studien, dass es gute Gründe für eine Kombination verschiedener Medikamentklassen bei der Behandlung der Alzheimererkrankung geben kann. Dabei sind natürlich mögliche Nebenwirkungen der unterschiedlichen Substanzen zu bedenken, die den Einsatz bei manchen Patienten limitieren. Zu hoffen bleibt nun jedoch, dass aktuelle klinische Studien – derzeit wird die Kombination Galantamin-Memantin gegen Denkleistungseinbußen bei Patienten mit Schizophrenie untersucht – positiv ausfallen und eventuell einen solche kombinierte Strategie auch für Patienten mit Alzheimerdemenz ermöglichen.

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