Lenalidomid zur Behandlung von Blutarmut bei myelodysplastischem Syndrom: weitere Chance mit überschaubaren Nebenwirkungen

Original Titel:
Safety profile of lenalidomide in patients with lower-risk myelodysplastic syndromes without del(5q): results of a phase 3 trial

Zusammengefasst präsentierte diese Studie Lenalidomid als sichere Behandlung für Patienten mit niedrigriskantem MDS ohne del(5q), bei denen eine vorhergehende Behandlung zur Stimulierung der Erythrozyten gescheitert war. Die durch Lenalidomid bedingten Nebenwirkungen betrafen vorwiegend das blutbildende System selbst. Insgesamt waren die Nebenwirkungen gut vorhersehbar und können durch geeignete Maßnahmen kontrolliert werden, um eine bestmögliche Behandlung mit Lenalidomid zu ermöglichen.


Myelodysplastische Syndrome (MDS) entstehen durch die Vermehrung unreifer Blutzellen im Knochenmark, wodurch die Entwicklung normal ausgereifter Blutzellen verhindert wird. MDS umfasst eine ganze Gruppe unterschiedlich ausgeprägter Erkrankungen, von denen je nach Prognose bis zu 30 % in eine akute myeloische Leukämie übergehen können. Eine für MDS typische, genetische Veränderung ist der Verlust eines bestimmten Stücks der Erbinformationen, der als del(5q) bezeichnet wird. Lenalidomid ist ein Wirkstoff, der auf vielfältige Weise das Immunsystem von Patienten beeinflussen kann, ein sogenannter Immunmodulator. Er wird unter anderem zur Behandlung von Patienten mit MDS und del(5q) eingesetzt, die eine Blutarmut (Anämie) entwickelt haben und daher von Bluttransfusionen abhängig sind. Über die sichere Anwendung von Lenalidomid bei Patienten mit niedrigriskantem MDS ohne del(5q) ist bisher nur wenig bekannt.

Kann die Blutarmut sicher mit Lenalidomid behandelt werden?

Daher haben Wissenschaftler einer internationalen Studie (klinische Studie der Phase 3) untersucht, inwieweit die Behandlung mit Lenalidomid bei 239 Patienten mit niedrigriskantem MDS ohne del(5q) im Vergleich zu einem Scheinmedikament (Placebo) sicher ist. Die Patienten hatten im Vorfeld eine fehlgeschlagene Behandlung mit Wirkstoffen, welche die Bildung der Erythrozyten anregen sollen, sogenannte Erythropoese-stimulierenden Substanzen (engl. Erythropoiesis-Stimulating Agents, ESA).

Vergleich mit Placebo bei Patienten mit niedrigriskantem Myelodysplastischem Syndrom (MDS)

Im Vergleich zum Placebo traten bei Lenalidomid doppelt so häufig schwere, durch die Behandlung bedingte Nebenwirkungen auf, die also im Krankenhaus behandelt werden mussten. Dazu gehörte vor allem die Verminderung von Blutzellen, die 86 % der Patienten mit dem Medikament, aber nur 44 % der Patienten mit dem Placebo betrafen. Das Risiko für Infektionen oder Blutungen war dagegen nicht mit der Behandlung erhöht. Schwere Nebenwirkungen, die nicht das blutbildende System betrafen, waren in beiden Gruppen selten. Lungenentzündung, beispielsweise, betraf 5,6 % der Patienten mit Lenalidomid und 2,5 % der Patienten mit dem Placebo.

Allgemeine und weniger schwere Nebenwirkungen haben die Dosis oder die Durchführung der Studie nicht beeinflusst. Die Häufigkeit für die Entstehung einer akuten myeloischen Leukämie war in beiden Gruppen gleich.

Kontrollierbare und vorhersehbare Nebenwirkungen des blutbildenden Systems

Zusammengefasst präsentierte diese Studie Lenalidomid als sichere Behandlung für Patienten mit niedrigriskantem MDS ohne del(5q), bei denen eine vorhergehende Behandlung zur Stimulierung der Erythrozyten gescheitert war. Die durch Lenalidomid bedingten Nebenwirkungen betrafen vorwiegend das blutbildende System selbst. Insgesamt waren die Nebenwirkungen gut vorhersehbar und können durch geeignete Maßnahmen kontrolliert werden, um eine bestmögliche Behandlung mit Lenalidomid zu ermöglichen.

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