Adalimumab nach einer Morbus Crohn-Operation – Wie häufig kommt es trotz der Therapie zu Krankheitsrückfällen?

Original Titel:
Postoperative adalimumab maintenance therapy for Japanese patients with Crohn's disease: a single-center, single-arm phase II trial (CCOG-1107 study)

MedWiss – Auch nach einer Operation besteht für Morbus Crohn-Patienten das Risiko für einen erneuten Krankheitsschub. Um diesen zu verhindern, können verschiedene Medikamente eingesetzt werden. Wissenschaftler untersuchten in der vorliegenden Studie den Krankheitsverlauf von Morbus Crohn-Patienten, die nach der Operation mit Adalimumab behandelt wurden. Etwa jeder dritte Patient erlitt ein Jahr nach der Operation einen Krankheitsschub.


Immer mehr Forscher stellen sich die Frage, wie das erneute Auftreten der Erkrankung nach einer Operation bei Morbus Crohn-Patienten verhindert werden kann. Es konnte bereits gezeigt werden, dass eine frühzeitige Medikamenteneinnahme nach der Operation und vor allem der Einsatz von sogenannten Tumornekrosefaktor (TNF)-Hemmern das Risiko für weitere Operationen reduzierten (Studien von Dias und Kollegen und Yang und Kollegen, 2018 bzw. 2017 in den wissenschaftlichen Fachzeitschriften Digestive and liver disease: official journal of the Italian Society of Gastroenterology and the Italian Association for the Study of the Liver bzw. World journal of gastroenterology veröffentlicht). Zu den TNF-Hemmern, die derzeit in Deutschland für die Behandlung von Morbus Crohn zugelassen sind, zählen Infliximab und Adalimumab. Es konnte bereits gezeigt werden, dass Infliximab das Wiederauftreten der Erkrankung innerhalb von zwei Jahren nach der Operation reduzieren konnte, wenn es nach der Operation angewandt wurde (Studie von Fukushima und Kollegen, 2018 in der medizinischen Fachzeitschrift Surgery today veröffentlicht). Generell schienen sich TNF-Hemmer besser als Thiopurine, Mesalazin oder Vedolizumab dafür zu eignen, erneute Schädigungen der Darmschleimhaut nach einer Operation abzuwenden (Studie von Allocca und Kollegen und Yamada und Kollegen, 2017 bzw. 2018 in den medizinischen Fachzeitschriften Digestion bzw. Inflammatory bowel diseases veröffentlicht). Forscher der Universität Nagoya (Japan) leisteten nun einen weiteren Beitrag zu dieser Thematik. Sie untersuchten, wie gut sich eine Adalimumab-Therapie bei Patienten mit Morbus Crohn nach einer Operation eignet.

Morbus Crohn-Patienten wurden nach der Operation mit Adalimumab behandelt

Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler 26 japanische Patienten, die sich aufgrund von Morbus Crohn einer Darmoperation unterzogen hatten. Allen Patienten wurde zum Zeitpunkt der Operation und 2 Wochen nach dem Eingriff Adalimumab unter die Haut gespritzt. Anschließend bekamen alle Patienten alle 2 Wochen eine geringere Dosis (40 mg) Adalimumab verabreicht. Die Hälfte der Patienten wurde länger als 41,3 Monate lang begleitet und bekam mehr als 56-mal Adalimumab.

Jeder dritte Patient erlitt einen Krankheitsrückfall

Die Hälfte der Patienten konnte länger als 25,6 Monate lang erfolgreich mit Adalimumab behandelt werden. Ein Jahr nach der Operation kam es jedoch bei 34,6 % der Patienten zu einem Krankheitsrückfall, welcher sich durch Entzündungen der Darmschleimhaut äußerte. Statistische Analysen ergaben, dass das Risiko für das erneute Auftreten der Erkrankung nach der Operation erhöht ist, wenn vor der Operation Adalimumab verwendet wurde. Obwohl 15,4 % der Patienten von Nebenwirkungen betroffen waren, brach niemand von ihnen die Studie vorzeitig ab.

Bei 34,6 % der Patienten kam es trotz Adalimumab-Therapie innerhalb des ersten Jahres nach der Darmoperation zu einem Krankheitsrückfall. Da es in dieser Studie keine Vergleichsgruppe gab, also Patienten, die nach der Operation nicht Adalimumab bekamen, kann nicht entschieden werden, ob der Einsatz von Adalimumab das Wiederauftreten der Erkrankung verhindern kann. Ein Vergleich mit den Ergebnissen der oben erwähnten Studien gibt allerdings Hinweise darauf, dass Krankheitsrückfalle vermutlich häufiger ohne Adalimumab auftreten würden. Dieser Verdacht muss jedoch in weiteren Studien mit mehr Teilnehmern und einer Vergleichsgruppe bestätigt werden.

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