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Aktuelle Studien aus der Onkologie

Bevacizumab, Carboplatin und pegyliertes liposomales Doxorubicin als neuer Standard bei wiederkehrendem Ovarialkarzinom?

Original Titel:
Bevacizumab and platinum-based combinations for recurrent ovarian cancer: a randomised, open-label, phase 3 trial

Kurz & fundiert

  • Patienten mit wiederkehrendem Ovarialkarzinom bekamen entweder Bevacizumab/Carboplatin/Gemcitabin oder Bevacizumab/Carboplatin/pegyliertes liposomales Doxorubicin
  • Patienten, die Bevacizumab/Carboplatin/pegyliertes liposomales Doxorubicin bekamen, hatten ein längeres progressionsfreies Überleben

MedWiss – Patienten mit wiederkehrendem Ovarialkarzinom hatten ein längeres progressionsfreies Überleben, wenn sie mit Bevacizumab/Carboplatin/pegyliertes liposomales Doxorubicin statt mit der Standardbehandlung bestehend aus Bevacizumab/Carboplatin/Gemcitabin behandelt wurden. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler in einem direkten Vergleich.


Patienten, bei denen das Ovarialkarzinom nach erster platinbasierter Chemotherapie erneut auftritt, haben verschiedene Therapiemöglichkeiten. In der Regel kommen in diesem Fall verschiedene platinhaltige Kombinationstherapien zum Einsatz. Die Kombination aus Bevacizumab, Carboplatin und Gemcitabin gehört derzeit zu den Standards. Ein internationales Forscherteam verglich diese Standardtherapie mit einem neuen Ansatz: einer Kombination aus Bevacizumab, Carboplatin und pegyliertem, liposomalem Doxorubicin.

Patienten mit wiederkehrendem Ovarialkarzinom bekamen Bevacizumab und Carboplatin entweder zusammen mit Gemcitabin oder mit pegyliertem, liposomalem Doxorubicin

Die multizentrische, randomisierte Phase-3-Studie wurde an 159 akademischen Zentren in Deutschland, Frankreich, Australien, Österreich und dem Vereinigten Königreich durchgeführt. An der Studie nahmen 682 erwachsene Patienten mit epithelialem Ovarial-, primärem Peritoneal- oder Eileiterkarzinom teil. Alle Patienten waren nach mehr als 6 Monaten nach einer platinbasierten Erstlinien-Chemotherapie erstmalig von einem Krankheitsrückfall betroffen. Nach dem Zufallsprinzip wurden sie in zwei verschiedene Gruppen eingeteilt. Während die Therapie der einen Gruppe aus Bevacizumab, Carboplatin und Gemcitabin bestand (alle 3 Wochen; 337 Patienten), setzte sich diese in der anderen Gruppe aus Bevacizumab, Carboplatin und pegyliertes liposomales Doxorubicin (alle 4 Wochen; 345 Patienten) zusammen. Beide Gruppen erhielten sechs Therapiezyklen. Im Anschluss erhielten alle Patienten eine Erhaltungstherapie mit Bevacizumab (alle 3 Wochen), solange bis die Erkrankung fortschritt oder eine inakzeptable Toxizität auftrat. Die Wissenschaftler untersuchten und verglichen das progressionsfreie Überleben der beiden Behandlungsgruppen.

Längeres progressionsfreies Überleben mit Bevacizumab/Carboplatin/pegyliertes, liposomales Doxorubicin

Beim Vergleich stellten die Wissenschaftler Unterschiede zwischen den beiden Behandlungsgruppen fest. Während das mediane progressionsfreie Überleben der Patienten mit Bevacizumab/Carboplatin/pegyliertem, liposomalem Doxorubicin bei 13,3 Monate lag, fiel dieses bei Patienten mit der Standardbehandlung (Bevacizumab/Carboplatin/Gemcitabin) mit 11,6 Monaten geringer aus (HR: 0,81; 95 % KI:0,68-0,96; p=0,012).

Nebenwirkungen beider Therapien

Die häufigsten schwerwiegenden (Grad 3 oder 4) unerwünschten Ereignisse waren Bluthochdruck (27 % der Patienten mit Bevacizumab/Carboplatin/pegyliertes liposomales Doxorubicin und 20 % der Patienten mit Standardbehandlung) und Neutropenie (12 % der Patienten mit Bevacizumab/Carboplatin/pegyliertes, liposomales Doxorubicin und 22 % der Patienten mit Standardbehandlung). Ein Todesfall konnte mit der Behandlung durch Bevacizumab/Carboplatin/pegyliertes, liposomales Doxorubicin in Zusammenhang gebracht werden. Bei der Standardbehandlung waren es 2 Todesfälle, die auf die Behandlung zurückgeführt wurden.

Patienten mit wiederkehrendem Ovarialkarzinom hatten somit ein längeres progressionsfreies Überleben, wenn sie Bevacizumab/Carboplatin/pegyliertes, liposomales Doxorubicin statt der Standardbehandlung bestehend aus Bevacizumab/Carboplatin/Gemcitabin bekamen. Die Kombination aus Bevacizumab, Carboplatin und pegyliertem, liposomalen Doxorubicin könnte somit eine mögliche neue Standardbehandlung darstellen.

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