Migräne

Migräne-Prophylaxe Propranolol gegen Kieferschmerz

Original Titel:
Effect of comorbid migraine on propranolol efficacy for painful TMD in a randomized controlled trial

Kurz & fundiert

  • Temporomandibuläre Dysfunktion (TMD): Gesichtsschmerz besonders in Kiefergelenk und Kaumuskulatur
  • Migräne-Prophylaxe und Betablocker Propranolol wird bei TMD eingesetzt
  • Hat die Propranolol-Wirkung bei TMD mit Migräne-Linderung zu tun?
  • Placebo-kontrollierte Studie: 104 Patienten mit Migräne und 95 Patienten ohne Migräne
  • 9 Wochen mit Migräne-Prophylaxe Propranolol oder Placebo
  • Numerisch größere Wirkung bei Migräne-Patienten, allerdings nicht signifikant
  • 46 % der Wirkung über Herzrate vermittelt

 

MedWiss – Bei der temporomandibulären Dysfunktion (TMD, häufig auch als craniomandibuläre Dysfunktion, CMD, bezeichnet) kommt es aufgrund von Störungen im Kiefergelenk zu Schmerzen in Gelenk und Kaumuskulatur. Die medikamentöse Migräne-Prophylaxe Propranolol wird auch gegen TMD-Schmerzen eingesetzt. In einer Placebo-kontrollierten Studie mit Patienten mit und ohne Migräne zeigte sich eine numerisch, aber nicht signifikant größere Wirkung von Propranolol gegen TMD-Schmerzen bei Migräne-Patienten. Die Wirksamkeit schien insgesamt vor allem über eine Senkung der Herzrate vermittelt zu werden. Weitere Forschung zum besseren Verständnis der Zusammenhänge und besseren Behandlung der Betroffenen sind nötig.


Bei der temporomandibulären Dysfunktion (TMD, häufig auch als craniomandibuläre Dysfunktion, CMD, bezeichnet) kommt es aufgrund von Störungen im Kiefergelenk zu Schmerzen in Gelenk und Kaumuskulatur. Die medikamentöse Migräne-Prophylaxe Propranolol, ein Betablocker, wird auch gegen Schmerzen bei einer temporomandibulären Dysfunktion eingesetzt. Das legt nahe, dass der TMD-Schmerzlinderung eventuell die Effekte auf eine mögliche komorbide, also begleitende Migräne zugrundeliegen könnten. In einer kontrollierten Studie wurde nun untersucht, ob die Behandlung mit Propranolol bei Patienten mit temporomandibulärer Dysfunktion mit und ohne Migräne unterschiedlich wirkt.

Temporomandibuläre Dysfunktion TMD: Gesichtsschmerz besonders in Kiefergelenk und Kaumuskulatur

In einer randomisierten kontrollierten Studie wurden Patienten mit myofascialer TMD über 9 Wochen mit Propranolol oder Placebo behandelt. Patienten mit und ohne Migräne wurden zur Teilnahme gewonnen. Die Patienten führten in dieser Zeit ein Tagebuch, um Symptome und Schmerzen zu dokumentieren. Vorrangig wurde anhand der Tagebucheintragungen ermittelt, ob sich die Schmerzen im Gesicht veränderten. Dazu wurde ein Gesichtsschmerz-Index als Durchschnitt über 7 Tage berechnet: Die durchschnittliche Gesichtsschmerzstärke während eines Tages (auf einer Skala von 0 – 100) wurde mit der Dauer der Schmerzen (prozentualer Anteil der Schmerzzeit am wach verbrachten Tag) multipliziert und durch 100 geteilt.

Der Gesichtsschmerz-Index wurde schließlich darauf hin analysiert, ob Unterschiede zwischen Patienten mit und ohne Migräne vorlagen und ob die Behandlung unterschiedlich effektiv die Schmerzen lindern konnte. Darüber hinaus ermittelten die Forscher die Rolle von Kopfschmerz und Herzrate als mögliche Vermittler der Wirksamkeit von Propranolol. Ergänzend wurden auch die Kopfschmerzbelastung (Headache Impact Test-6, HIT-6) und weitere klassische Schmerz- und Migräne-Parameter erfragt.

Vergleich der TMD-Behandlung bei Patienten mit Migräne und ohne

104 Patienten mit Migräne und 95 Patienten ohne Migräne nahmen an der Studie teil. 174 (87 %) Patienten führten die Untersuchung zu Ende (9 Wochen) durch. 52 % dieser Teilnehmer hatten eine definitive oder wahrscheinliche Migräne. 29 % von diesen litten unter chronischer Migräne, 30 % an Migräne mit Aura. An TMD litten die Patienten mit Migräne im Schnitt seit 12 Jahren, Patienten ohne Migräne im Schnitt seit 9 Jahren.

Die Wirksamkeit von Propranolol zur Linderung der TMD-Gesichtsschmerzen war numerisch größer bei Patienten mit Migräne. Die Chance, eine Schmerzreduktion um mindestens 30 % zu erreichen, lag bei 3,3 (Odds Ratio, 95 % Konfidenzintervall, KI: 1,4 – 8,1) bei Patienten mit Migräne, aber nur bei 1,3 (Odds Ratio) ohne die Begleiterkrankung Migräne (95 % KI: 0,5 – 3,2). Die Differenz war allerdings nicht statistisch signifikant (p = 0,139). Eine Tendenz zu einer größeren Wirkung bei Migräne-Patienten zeigte sich allerdings auch in kumulativen Antwortkurven. In der Analyse von Faktoren, die eine Rolle bei einer besseren Wirkung spielen könnten, sahen die Forscher dass sich 9 % des Wirkeffekts mit einer reduzierten Kopfschmerzbelastung erklären ließen. 46 % des Wirkeffekts schienen dagegen durch eine reduzierte Herzrate vermittelt.

Reduzierte Herzrate wesentlicher Faktor hinter der Wirksamkeit von Propranolol bei TMD

Propranolol könnte demnach eventuell bei Migräne-Patienten wirksamer die Schmerzen einer temporomandibulären Dysfunktion lindern. Die Unterschiede zu Patienten ohne Migräne waren jedoch in dieser Studie nicht statistisch signifikant. Die Analyse zeigte zudem eine vermittelnde Rolle der Herzrate bei der Wirksamkeit des Medikaments auf den TMD-Gesichtsschmerz, weniger ausgeprägt spielte auch die Kopfschmerzbelastung eine Rolle. Ob speziell auf Herzaspekte zur Wahl eines Medikaments bei TMD geachtet werden sollte, muss nun weitere Forschung zeigen.

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