LSBTI* in Pflege und Medizin: Queere Menschen besser behandeln

Stuttgart – „Eine offene, vorurteilsfreie Atmosphäre im Gesundheitswesen ist essenziell für die Gesundheitsversorgung von LSBTI*“, erklären Volker Wierz, Krankenpfleger am St. Joseph Krankenhaus in Berlin, und Dr. med. Michael Nürnberg, Arzt am Institut für Internationale Gesundheit der Charité Berlin. Es sei Zeit, Sexualität und geschlechtliche Vielfalt interprofessionell und fachlich in der gesamten Gesundheitsbranche zu diskutieren und Lösungen für bestehende Probleme zu finden. Zusammen mit zahlreichen Autor*innen haben sie deshalb das Buch „LSBTI* in Pflege und Medizin“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2024) herausgegeben.

„Es ist unser Ziel, eine lebensweltenakzeptierende, diskriminierungssensible Gesundheitsversorgung für alle Menschen zu fördern“, so die Autor*innen. Mitarbeitende im Gesundheitswesen müssten mehr als bisher für die Lebensrealitäten, Herausforderungen und Bedarfe von LSBTI* sensibilisiert werden. Negative Erfahrungen in der medizinischen und pflegerischen Versorgung können nämlich dazu führen, dass LSBTI notwendige Untersuchungen oder Vorsorgechecks vermeiden, was sich negativ auf ihre Gesundheit auswirke.

Was können Krankenhäuser oder Praxen konkret tun?

Arztpraxen, MVZ oder Krankenhäuser sollten als sichere Orte für die Bedürfnisse von LSBTI* erkennbar sein. Das kann unter anderem durch den Umgang, die gewählte Sprache oder auch ausliegende Informationsmaterialien signalisiert werden. Die Autor*innen nennen einige Handlungsfelder:

  • Die Mehrheit der Gesundheitsdienstleistenden ist heterosexuell und cis geschlechtlich. Sie gehen in der Regel davon aus, dass auch ihr Gegenüber – also die Patient*innen, Klient*innen und Bewohner*innen – gleichermaßen ausgerichtet sind. „Nicht immer ist im ersten Kontakt klar, welche geschlechtliche Identität Menschen haben und wie sie angesprochen werden möchten. In diesen Fällen sollte auf rein binäre Formen wie Herr und Frau verzichtet werden“, so die Autor*innen. Besser sei es, ohne diese in Kontakt zu treten, zum Beispiel mit „Herzlich willkommen. Mein Name ist XY. Wie möchten Sie angesprochen werden?“ oder „Hallo: ich bin XY und Sie sind?“.
  • Anamnesebögen, mit denen der Gesundheitsstatus einer Person systematisch erhoben wird, sind meist nach dem binären Geschlechtermodell und heteronormativen Standards aufgebaut. „So wird beispielsweise eine Frau nach einem Partner oder Ehemann gefragt, weil eine mögliche queere Lebensrealität erst gar nicht in Betracht gezogen wird“, beschreiben die Expert*innen. „Das bringt queere Menschen in die Situation, dass sie sich offenbaren beziehungsweise erklären müssen.“ Das Wissen um die Lebenssituation sei jedoch wichtig, um nahestehende Personen beispielsweise in den Behandlungs- und Pflegeprozess einzubinden. Die Autor*innen empfehlen: „Stellen Sie Fragen möglichst offen, zum Beispiel. ‚Wer ist ihre Hauptbezugsperson?‘ oder ‚Wen möchten Sie an ihrer Seite haben, wenn sich ihr Zustand verschlechtert?‘“
  • Zimmer in Pflegeeinrichtungen und Kliniken sind meist auf cis Männer und cis Frauen ausgerichtet. „Um allen Menschen in ihren Bedürfnissen möglichst gerecht zu werden, sollte geprüft werden, inwieweit die räumliche Gestaltung und Ausstattung ausreichenden Schutz und Intimsphäre gewährt“, so die Autoren. In größeren Einrichtungen könne zum Beispiel ein Teil der WCs in „Toilette für alle Geschlechter“ umgewandelt werden. In allen Örtlichkeiten sollten außerdem Abfalleimer, gegebenenfalls Hygieneprodukte und kleine Müllbeutel stehen.

Die Thieme Gruppe möchten eine bessere Medizin und mehr Gesundheit im Leben aktiv mitgestalten. Das Wohl aller Patient*innen steht dabei im Zentrum und prägt die Produkte und Services. „Gesundheitsdienstleistende brauchen mehr Hintergrundinformationen zu den Lebenswelten oder Lebenslagen von LSBTI*, um sensibler pflegen, behandeln und betreuen zu können.“ Davon sind die Autor*innen des Buches und Thieme gleichermaßen überzeugt.

Volker Wierz, Michael Nürnberg (Hrsg)
LSBTI* in Pflege und Medizin
Grundlagen und Handlungsempfehlungen zur Versorgung queerer Menschen
Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2024
€ 4,99 [D] € 5,20 [A]
ISBN: 9783132455184

Über Thieme

Thieme ist marktführender Anbieter von Informationen und Services, die dazu beitragen, Gesundheit und Gesundheitsversorgung zu verbessern. Mit digitalen Lösungsangeboten in Medizin und Chemie unterstützt Thieme Informations-, Kommunikations- und Dokumentationsprozesse in Wissenschaft, Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie in der Patientenversorgung. Alle Angebote orientieren sich unmittelbar am Nutzen für ihre Zielgruppen – Medizinstudierende, Ärzteschaft, Pflegekräfte, Kliniken, Krankenkassen und weitere Berufsgruppen im Gesundheitswesen. Sie bekommen immer genau die Informationen und Services zugespielt, die sie in einer bestimmten Arbeitssituation oder Lebensphase benötigen. Gemeinsam mit einem breiten Experten- und Partnernetzwerk stellt der digitale Gesundheitsdienstleister sicher, medizinisch-wissenschaftlich, aber auch didaktisch-technologisch Taktgeber zu sein. Die weltweit tätigen über 1000 Mitarbeitenden des Familienunternehmens setzen sich mit innovativen Neu- und Weiterentwicklungen tagtäglich für eine bessere Medizin und mehr Gesundheit im Leben ein. www.thieme.com