11 Studien, die die Medizin im Jahr 2025 prägen werden
Medizinische Fakultät Heidelberg zweimal dabei
Das Fachjournal „Nature Medicine“ hat jüngst eine Liste der „11 Studien, die die Medizin im Jahr 2025 prägen werden“ veröffentlicht. Zwei der elf Studien werden vom Heidelberger Institut für Global Health (HIGH) geleitet. Das HIGH ist ein Institut der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg.
Bei beiden Studien möchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg (MFHD) durch kleine Interventionen das Leben zahlreicher Menschen deutlich verbessern. In einer Studie geht es darum, die Hitzebelastung von Menschen im westafrikanischen Staat Burkina Faso durch einfache Maßnahmen zu senken. In einer anderen Studie untersuchen die Forschenden, ob sich Unterernährung verhindern lässt, indem sie die Bevölkerung besonders gefährdeter Gebiete in Kenia und Burkina Faso gezielt hinsichtlich Ernährung, Gesundheit und heimischem Anbau beraten. Für die Studie zum Thema Hitzebelastung ist die Datenerhebung abgeschlossen, aktuell werden die Ergebnisse für die Veröffentlichung aufbereitet. Für die Studie zum Thema Ernährung ist die Datensammlung in Burkina Faso abgeschlossen und befindet sich in Kenia im finalen Stadium. Sechs der elf in „Nature Medicine“ gelisteten Studien stammen aus den USA, je zwei aus Deutschland und Frankreich sowie eine aus England. Erstellt wurde die Liste basierend auf einer Befragung führender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.
Hitzestress mildern durch spezielle Dächer
Hitze kann sich vielfältig negativ auswirken. Daher untersuchten Forschende in Burkina Faso, wie speziell beschichtete, hochreflektierende Dächer auf natürliche Weise zur Kühlung von Häusern beitragen können, um Hitzestress bei den Bewohnern zu vermeiden oder zu verringern und so deren Gesundheit zu verbessern. Epidemiologin Dr. Aditi Bunker vom Heidelberg Institute of Global Health (HIGH) leitet die angesichts des Klimawandels sehr bedeutsame Studie. Sie ist am HIGH Leiterin der Arbeitsgruppe „Klimawandel und Gesundheitsintervention“. Die Studie umfasste 1.200 Teilnehmende aus 600 Haushalten in 25 Dörfern.
Untersucht wurden neben der Temperatur auch die psychische Gesundheit und die Schlafqualität, da sich Hitze weitreichend auf das Wohlbefinden der Menschen auswirkt. Ziel ist es, festzustellen, ob es einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von kühlen Dächern und einer verbesserten menschlichen Gesundheit gibt. Die Studie ist bereits abgeschlossen. Die Forschenden rechnen damit, dass die Ergebnisse etwa Mitte dieses Jahres veröffentlicht werden.
Bunker betont: „Unsere Gruppe führt weltweit pragmatische, praxisnahe Studien durch, um verschiedene Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu testen. Dabei legen wir unsere Schwerpunkte darauf, die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern sowie zu erfassen, wie sich die Maßnahmen ökologisch und wirtschaftlich auswirken.“ Mitstudienautor Dr. Ali Sié, Direktor des Centre de Recherche en Santé de Nouna (Zentrum für Gesundheitsforschung) in Burkina Faso, erläutert: „Wir glauben, dass diese Arbeit das Potenzial hat, das Leben der Menschen in einigen der am stärksten von Hitze betroffenen Regionen der Welt zu verbessern.“ Professor Dr. Till Bärnighausen, Direktor des HIGH und ebenfalls Mitautor, ergänzt: „Durch die Verwendung objektiver Messwerte, z. B. Biomarkerdaten wie Körpertemperatur, Blutdruck und Herzfrequenz, sowie subjektiver Messwerte, die wir aus den Erfahrungen der Teilnehmenden gewinnen, wollen wir ein umfassendes Bild davon erhalten, wie sich Hitze auf die Gesundheit auswirkt und wie gut Interventionen wie diese solche Auswirkungen abmildern können. Diese Studie wird uns dabei helfen, festzustellen, ob diese Maßnahmen auf lokaler Ebene ausgeweitet werden sollten.“
Gärtnern für bessere Ernährung
Der Klimawandel kann auch die Ernährung beeinträchtigen. Eine einseitige Ernährung wiederum kann sich negativ darauf auswirken, wie sich Kinder entwickeln. Wie eine vielseitigere Ernährung wirkt und wie sie möglichst einfach erreicht werden kann, untersuchte daher ein Forscherteam des HIGH in den afrikanischen Staaten Kenia und Burkina Faso. Die Forschenden setzten dabei auf eine Kombination von Hausgartenarbeit mit Ernährungs- und Gesundheitsberatung. In die Studie eingeschlossen waren jeweils 600 Haushalte in Burkina Faso und Kenia, wovon die Forschenden die Hälfte speziell beraten und unterstützt haben. Abschließend untersuchte das Team mögliche Auswirkungen auf den Ernährungszustand der Kinder. Derzeit bereiten sie die Publikation vor.
Professorin Dr. Ina Danquah, eine auf Epidemiologie spezialisierte Ernährungswissenschaftlerin am HIGH und an der Universität Bonn, erläutert: „Das Projekt zielt auch darauf ab, die Methoden in die Routinepraxis der lokalen Gesundheits- und Landwirtschaftsministerien zu integrieren, um Stabilität über die Studie hinaus zu gewährleisten. Wir hoffen, dass die Ergebnisse in künftige Strategien zur Bekämpfung von Unterernährung einfließen werden, insbesondere unter ähnlichen Klimaszenarien.“
Stolz auf erfolgreiche Studien
Das Team des HIGH hat sich zum Ziel gesetzt, die Gesundheit gefährdeter Bevölkerungsgruppen weltweit zu verbessern, insbesondere in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Dazu möchte es unter anderem die nächste Generation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Bereich der globalen Gesundheit ausbilden. „Wir vom HIGH sind daher sehr stolz darauf, dass die beiden Studien im renommierten Fachjournal ‚Nature Medicine‘ erwähnt werden“, freut sich Bärnighausen.
Weitere Informationen im Internet
Liste der 11 Studien in “Nature Medicine”
Studie zu kühlen Dächern
Video zu kühlen Dächern
Videobericht bei Reuters zu kühlen Dächern
Studie zu Ernährung
Videos zu Ernährung: Langversion und Kurzversion
Heidelberg Institute of Global Health (HIGH)