Darmkrebs
Sekundärprävention von Darmkrebs – Acetylsalicylsäure ohne Effekt
Original Titel:
Aspirin after completion of standard adjuvant therapy for colorectal cancer (ASCOLT): an international, multicentre, phase 3, randomised, double-blind, placebo-controlled trial
- Sekundärprävention von Darmkrebs mit Acetylsalicylsäure?
- Randomisiert-kontrollierte Studie der Phase 3 mit 1 550 Patienten
- Täglich Acetylsalicylsäure über 3 Jahre gut verträglich, aber kein Effekt auf krankheitsfreies Überleben nach Darmkrebs
MedWiss – Eine randomisiert-kontrollierte Studie der Phase 3 mit weltweit 1 550 Darmkrebs-Patienten fand, dass die tägliche Einnahme von 200 mg Acetylsalicylsäure über 3 Jahre nach vollständiger Standardbehandlung (Resektion und adjuvante Therapie mit Chemotherapie) gut vertragen wurde, aber keinen signifikanten Vorteil für das krankheitsfreie Überleben brachte.
Acetylsalicylsäure („Aspirin“) ist ein einfaches, weltweit erhältliches Medikament, das in früheren Studien zur Reduktion der Darmkrebsinzidenz beitrug. Ein internationales Expertenteam untersuchte nun die Sicherheit und Wirksamkeit von Acetylsalicylsäure zu Sekundärprävention von Darmkrebs.
Sekundärprävention von Darmkrebs mit Acetylsalicylsäure?
Die klinische Studie der Phase 3 wurde randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert in 66 Behandlungszentren weltweit durchgeführt. In die Studie eingeschlossen wurden Patienten ab 18 Jahren nach Darmkrebs-Resektion und abgeschlossener, standardmäßiger adjuvanter Therapie mit mindestens 3 Monaten Chemotherapie. Randomisiert erhielten die Studienteilnehmer entweder täglich Acetylsalicylsäure (200 mg) oder Placebo über 3 Jahre. Die Nachbeobachtung erfolgte über 5 Jahre. Als primäres Studienergebnis untersuchten die Wissenschaftler das krankheitsfreie Überleben bis 31. März 2023. Darüber hinaus analysierte die Studie die Sicherheit der langfristigen Einnahme von Acetylsalicylsäure.
Randomisiert-kontrollierte Studie der Phase 3 mit 1 550 Patienten
Zwischen Februar 2009 und Juni 2021 erhielten 1 550 Patienten entweder Acetylsalicylsäure (n = 791; 51 %) oder Placebo (n = 759; 49 %). Die Studienteilnehmer waren im Mittel 57 Jahre alt (Interquartilbereich: 48 – 65 Jahre), 897/1 550 waren Männer (58 %), 653/1 550 Frauen (42 %). Die meisten Patienten litten an Darmkrebs der Dukes-Klasse C (n = 770; 50 %), 271 Patienten (17 %) an Darmkrebs der Dukes-Klasse B. 509 Patienten (33 %) mit Rektumkrebs nahmen an der Studie teil. Im Mittel erfolgte die Nachbeobachtung über 59,2 Monate. Krankheitsfreies Überleben über 5 Jahre erreichten 77,0 % der Patienten (95 % Konfidenzintervall, KI: 73,6 – 80,0) in der Acetylsalicylsäure-Gruppe im Vergleich zu 74,8 % (95 % KI: 71,3 – 77,9) in der Placebogruppe (Hazard Ratio, HR: 0,91; 95 % KI: 0,73 – 1,13; p = 0,38).
Unerwünschte Ereignisse jeden Grades traten bei 390/791 Patienten (49 %) der Acetylsalicylsäure-Gruppe im Vergleich zu 386/759 Patienten (51 %) der Placebogruppe auf. Zu schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen kam es bei 12 % der Patienten (n = 95) in der Acetylsalicylsäure-Gruppe im Vergleich zu 14 % (n = 107) in der Placebogruppe. Es kam in keiner Gruppe zu behandlungsbezogenen Todesfällen. Unerwünschte Ereignisse von besonderem Interesse im Zusammenhang mit Acetylsalicylsäure traten nicht häufiger mit dem Medikament im Vergleich zum Placebo auf.
Unerwünschte Ereignisse von besonderem Interesse mit Blick auf Acetylsalicylsäure:
- Akuter Herzinfarkt: Acetylsalicylsäure: n = 0; Placebo: n = 2
- Ischaemisches zerebrovaskuläres Ereignis: Acetylsalicylsäure: n = 0; Placebo: n = 2
- Größere gastrointestinale Blutungen: Acetylsalicylsäure: n = 3; Placebo: n = 1
Täglich Acetylsalicylsäure über 3 Jahre gut verträglich, aber kein Effekt auf krankheitsfreies Überleben nach Darmkrebs
Die Autoren schließen, dass die tägliche Einnahme von 200 mg Acetylsalicylsäure über 3 Jahre bei Patienten mit Darmkrebs nach vollständiger Standardbehandlung (Resektion und adjuvante Therapie mit Chemotherapie) gut vertragen wurde, aber keinen signifikanten Vorteil für das krankheitsfreie Überleben brachte.
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