Lungenkrebs
Fortgeschrittenes Plattenepithelkarzinom der Lunge: Ivonescimab versus Tislelizumab
Original Titel:
Ivonescimab plus chemotherapy versus tislelizumab plus chemotherapy as first-line treatment for advanced squamous non-small-cell lung cancer (HARMONi-6): a randomised, double-blind, phase 3 trial
- Fortgeschrittenes Plattenepithelkarzinom der Lunge: Ivonescimab versus Tislelizumab
- Randomisiert-kontrollierte klinische Studie mit 532 unbehandelten Patienten
- Verbesserung des progressionsfreien Überlebens mit Ivonescimab plus Chemotherapie
MedWiss – Eine klinische, randomisiert-kontrollierte Studie der Phase 3 mit 532 Patienten fand, dass die Behandlung mit Ivonescimab plus Chemotherapie bei unbehandeltem Plattenepithelkarzinom der Lunge eine signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens im Vergleich zu Tislelizumab plus Chemotherapie bewirken kann. Der Behandlungseffekt war unabhängig vom PD-L1-Status und mit akzeptablem Sicherheitsprofil.
Das Plattenepithelkarzinom der Lunge gehört zu den nichtkleinzelligen Lungenkrebsformen (NSCLC). Die Prognose bei dieser Erkrankung ist schlechter als bei einem nichtkleinzelligen Lungenkrebs, der nicht Plattenepithelzellen involviert. Jedoch sind die Behandlungsoptionen eingeschränkt. Wissenschaftler untersuchten nun die Wirksamkeit und Sicherheit von Ivonescimab plus Chemotherapie im Vergleich zu Tislelizumab plus Chemotherapie als Erstlinientherapie für Patienten mit fortgeschrittenem Plattenepithelkarzinom der Lunge.
Fortgeschrittenes Plattenepithelkarzinom der Lunge: Ivonescimab versus Tislelizumab
Ivonescimab stört das Tumorwachstum durch die Hemmung von PD-1 (programmed cell death protein 1) und hemmt zudem die Bildung neuer Blutgefäße durch Inhibition von VEGF (vascular endothelial growth factor A). Tislelizumab fokussiert stattdessen nur auf PD-1.
Die klinische Studie der Phase 3 (HARMONi-6) wurde randomisiert-kontrolliert im Doppelblindverfahren in 50 Behandlungszentren in China durchgeführt. Patienten im Alter von 18 bis 75 Jahren mit zuvor unbehandeltem, pathologisch bestätigtem Plattenepithelkarzinom der Lunge wurden zur Teilnahme gewonnen. Die Erkrankungen der Stadien IIIB, IIIC oder IV waren nicht operabel, der Gesamtzustand der Patienten wurden nach Eastern Cooperative Oncology Group Performance-Status (bessere Funktionsfähigkeit bei niedrigeren Werten) auf 0 oder 1 geschätzt. Die Patienten wurden zufällig entweder der intravenösen Behandlung mit Ivonescimab (20 mg/kg) oder Tislelizumab (200 mg) zugewiesen, jeweils plus Chemotherapie (Paclitaxel und Carboplatin), mit einer Behandlung alle 3 Wochen für 4 Zyklen. Darauf folgte eine Monotherapie mit Ivonescimab (20 mg/kg) oder Tislelizumab (200 mg) als Erhaltungstherapie für bis zu 24 Monate.
Als primäres Behandlungsergebnis analysierte die Studie das progressionsfreie Überleben. Die Sicherheit ermittelten die Wissenschaftler anhand unerwünschter Ereignisse allgemein als auch spezifisch in Bezug zum Immunsystem oder der Blockade von VEGF.
Randomisiert-kontrollierte klinische Studie mit 532 Patienten
Zwischen August 2023 und Januar 2025 wurden 532 Patienten in die Studie aufgenommen und zufällig entweder Ivonescimab plus Chemotherapie (266 Patienten; 50 %) oder Tislelizumab plus Chemotherapie (266 Patienten; 50 %) zugewiesen. Zum Zeitpunkt der Analyse (28. Februar 2025) betrug die mittlere Nachbeobachtungsdauer 10,3 Monate (95 % CI 9,5 – 11,0). Im Schnitt betrug das progressionsfreie Überleben 11,1 Monate (95 % Konfidenzintervall, KI: 9,9 – nicht erreicht) mit Ivonescimab, im Vergleich zu 6,9 Monate (95 % KI: 5,8 – 8,6) mit Tislelizumab (Hazard Ratio, HR: 0,60; 95 % KI: 0,46 – 0,78; p < 0,0001). Der Vorteil von Ivonescimab + Chemotherapie für das progressionsfreie Überleben war dabei unabhängig vom PD-L1-Status der Patienten.
Unerwünschte Ereignisse des Grades 3 oder schwerer traten in Zusammenhang mit der Behandlung bei 170 Patienten (64 %) in der Ivonescimab-Gruppe auf sowie bei 144 Patienten (54 %) in der Tislelizumab-Gruppe. Zu immunbezogenen unerwünschten Ereignissen des Grades 3 oder höher kam es bei 24 Patienten (9 %) mit Ivonescimab sowie bei 27 Patienten (10 %) mit Tislelizumab. Zu einer Blutung des Grades 3 oder schwerer kam es im Rahmen der Behandlung bei 5 Patienten (2 %) mit Ivonescimab sowie bei 2 Patienten (1 %) mit Tislelizumab.
Verbesserung des progressionsfreien Überlebens mit Ivonescimab plus Chemotherapie
Die Autoren schließen, dass die Behandlung mit Ivonescimab plus Chemotherapie bei Patienten mit unbehandeltem Plattenepithelkarzinom der Lunge eine signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens im Vergleich zu Tislelizumab plus Chemotherapie bewirken kann, unabhängig vom PD-L1-Status, bei einem akzeptablen Sicherheitsprofil.
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