Prostatakrebs

Behandeln oder Überwachen beim Niedrig-Risiko-Prostatakrebs: Einfluss auf die Lebensqualität

Original Titel:
Quality of life in low-risk prostate cancer under active surveillance or following radical treatments: the START cohort study

Kurz & fundiert

  • Prospektive Kohortenstudie mit 651 Patienten mit Niedrig-Risiko-Prostatakrebs
  • Vergleich zwischen aktiver Überwachung und radikaler Prostatektomie
  • Keine Unterschiede bezüglich der allgemeinen Lebensqualität und der mentalen Gesundheit
  • Beide Vorgehensweisen hatten Vor- und Nachteile

 

MedWiss – Aktiv Überwachung oder doch besser gleich eine lokale Therapie? Vor dieser Entscheidung stehen viele Patienten mit Niedrig-Risiko-Prostatakrebs. Wissenschaftler untersuchten, ob sich die Entscheidung für das ein oder andere auf die Lebensqualität der Betroffenen auswirkt. Sie konnten keine Unterschiede bezüglich der allgemeinen Lebensqualität und der mentalen Gesundheit feststellen.


Patienten mit einem Niedrig-Risiko-Prostatakrebs haben verschiedene Möglichkeiten. Zum einen können sie sich für eine lokale Therapie (Strahlentherapie oder radikale Prostatektomie) entscheiden, zum anderen kommen sie auch für die aktive Überwachung in Frage. Bei der aktiven Überwachung wird der Prostatakrebs regelmäßig kontrolliert. Teil der Überwachung sind u. a. PSA-Tests, Biopsien oder Tastuntersuchungen. Schreitet die Erkrankung weiter fort, wird die aktive Überwachung abgebrochen und eine Therapie eingeleitet. Hier eine Wahl zu treffen, fällt vielen Patienten schwer. Daher ist es von großer Bedeutung, herauszufinden, wie sich die Entscheidung auf die Lebensqualität der Patienten auswirkt. Dieser Frage widmete sich ein Wissenschaftsteam aus Italien in einer prospektiven Kohortenstudie.

Niedrig-Risiko-Prostatakrebs: Behandlung oder aktive Überwachung?

651 Patienten, bei denen kürzlich ein Niedrig-Risiko-Prostatakrebs diagnostiziert wurde, erhielten Informationen bezüglich der Vor- und Nachteile verschiedener Vorgehensweisen. Sie konnten zwischen aktiver Überwachung, einer radikalen Prostatektomie oder einer Strahlentherapie entscheiden. Die Patienten waren im Median 70 Jahre (Interquartilsbereich, IQR: 64 – 74 Jahre) alt. Anhand von Fragebögen wurde die Lebensqualität der Patienten erfasst. Die Wissenschaftler verglichen die Lebensqualität der Patienten, die sich für die abwartende Haltung entschieden haben, mit der der Patienten, die sich für eine Behandlung entschieden hatten.

Patienten mit Niedrig-Risiko-Prostatakrebs entschieden sich entweder für eine Behandlung oder für aktive Überwachung

Die meisten Patienten entschieden sich für die aktive Überwachung (559 Patienten), gefolgt von der Operation (76 Patienten) und der Strahlentherapie (16 Patienten). Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 37 Monaten konnten keine Unterschiede bezüglich der allgemeinen Lebensqualität und der mentalen Gesundheit von Patienten unter aktiver Überwachung und Patienten nach radikaler Prostatektomie festgestellt werden.

Keine Unterschiede in der Lebensqualität bei aktiver Überwachung und Operation

Männer, die sich für die aktive Überwachung entschieden hatten, berichteten von einer besseren Sexualfunktion und einem aktiveren Sexualleben. Des Weiteren machten sie seltener von Inkontinenzhilfen Gebrauch. Auf der anderen Seite blieben Beschwerden durch eine Obstruktion der Harnröhre, die von der Prostata ausging, bei aktiver Überwachung bestehen, während sie sich nach der radikalen Prostatektomie besserten. Die Ergebnisse waren ähnlich, wenn die aktive Überwachung mit einer Therapie (radikale Prostatektomie oder Strahlentherapie) verglichen wurde.

Sowohl Vor- als auch Nachteile der aktiven Überwachung

Im Vergleich zur radikalen Prostatektomie hatten weniger Patienten unter aktiver Überwachung Probleme mit der Sexualfunktion und der Kontinenz. Andererseits blieben bei ihnen häufiger Beschwerden durch Obstruktionen der Harnröhre aufgrund der Prostata bestehen. Unterschiede bezüglich der allgemeinen Lebensqualität und der mentalen Gesundheit konnten zwischen den beiden Patientengruppen hingegen nicht beobachtet werden.

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