Mehr als Blutzucker- und Gewichtskontrolle: Semaglutid schützt Herz und Gefäße

Original Titel:
Semaglutide and cardiovascular outcomes by baseline and changes in adiposity measurements: a prespecified analysis of the SELECT trial.

Kurz & fundiert

  • Analyse von Daten der SELECT-Studie: Zusammenhang zwischen Abnahme von Gewicht bzw. Bauchumfang unter Semaglutid und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Patienten mit Übergewicht/Adipositas und Herz-Kreislauf-Erkrankung, aber ohne Diabetes
  • Kein Zusammenhang zwischen Höhe des Gewichtsverlusts und Zahl an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber verringerter Bauchumfang ging mit Reduktion des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher
  • Die Schutzwirkung von Semaglutid scheint weniger von der Gewichtsreduktion als von anderen Wirkmechanismen auszugehen

MedWiss Die SELECT-Studie untersuchte den Einsatz von Semaglutid bei Patienten mit Übergewicht/Adipositas und nachgewiesener Herz-Kreislauf-Erkrankung (KHK), aber ohne Diabetes. Schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse (MACE, major adverse cardiovascular events) konnten dabei um 20 % reduziert werden. Welchen Einfluss Ausgangswerte (Gewicht, Bauchumfang) und erzielter Gewichtsverlust hatten, wurde in einer aktuellen Auswertung der SELECT-Studiendaten ermittelt.


Innerhalb der SELECT-Studie ging die Einnahme von Semaglutid bei Patienten mit Übergewicht oder Adipositas und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (KHK) mit einer verringerten Zahl schwerwiegender Ereignisse aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (KHK) einher. Zu den schwerwiegenden Ereignissen (MACE, major adverse cardiovascular events) gehören Todesfälle durch KHK sowie Herzinfarkte und Schlaganfälle, die nicht tödlich verlaufen. Semaglutid zählt zur Gruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten, die u. a. zur Gewichtsreduktion bei starkem Übergewicht eingesetzt werden. In der aktuell publizierten Analyse der SELECT-Studiendaten standen Ausgangsgewicht und Taillenumfang, Veränderungen dieser Werte durch Semaglutid und nachfolgende Veränderungen des Risikos für MACE im Mittelpunkt.

Semaglutid und KHK-Risiko bei übergewichtigen Patienten ohne Diabetes

Die Studienteilnehmer (Alter ≥ 45 Jahre, BMI ≥ 27 kg/m²) wurden nach dem Zufallsprinzip mit Semaglutid (2,4 mg) oder Placebo behandelt. Primäre Zielgröße war die Zeit bis zum ersten MACE. Die Behandlung mit Semaglutid erfolgte im Mittel über 33,3 Monate. Neben dem Körpergewicht wurde der Taillenumfang gemessen. Nach 20 Wochen wurde das Risiko für MACE zu Veränderungen von Gewicht und Bauchumfang in Beziehung gesetzt. Eine zweite Auswertung erfolgte nach 104 Wochen.

Semaglutid senkt Risiko für MACE

Die Behandlung mit Semaglutid senkte im Vergleich zu Placebo die MACE-Häufigkeit bei 17 604 Patienten der SELECT-Studie – dies galt für alle Kategorien des Ausgangsgewichts und Taillenumfangs. Ein niedrigeres Ausgangsgewicht und geringerer Taillenumfang gingen in der Semaglutid-Gruppe mit einem niedrigeren MACE-Risiko einher: Risikoreduktion um 4 % für ein um 5 kg niedrigeres Körpergewicht (Hazard Ratio, HR: 0,96; 95 % Konfidenzintervall, KI: 0,94 – 0,99; p = 0,001) bzw. einen 5 cm geringeren Bauchumfang (HR: 0,96; 95 % KI: 0,93 – 0,99; p = 0,004).

Bei den mit Semaglutid behandelten Patienten bestand keine lineare Beziehung zwischen dem erzielten Gewichtsverlust (Woche 20) und dem MACE-Risiko. Eine ausgeprägtere Verringerung des Taillenumfangs ging allerdings mit einer Senkung des MACE-Risikos einher. Insgesamt ließen sich etwa 33 % der Senkung des MACE-Risikos durch Semaglutid auf die Verringerung des Bauchumfangs zurückführen (HR: 0,86; 95 % KI: 0,77 – 0,97; p = 0,004).

Semaglutid – mehr als Blutzucker-Kontrolle und Gewichtsverlust

Die gefäßschützende Wirkung von Semaglutid war dieser Studie zufolge unabhängig vom Ausgangsgewicht der Patienten und dem frühzeitig erzielten Gewichtsverlust. Zwischen der Verringerung des Bauchumfangs und dem Risiko für MACE konnte ein – wenn auch nicht sehr ausgeprägter –Zusammenhang nachgewiesen werden. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass neben Blutzucker-Kontrolle und Gewichtsabnahme weitere Mechanismen dazu beitragen, dass Semaglutid Herz und Gefäße schützt.

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