Nächtliche Atemaussetzer: Risiko für die Gehirngesundheit?

Original Titel:
Obstructive Sleep Apnea and Cerebral Microbleeds in Middle-Aged and Older Adults

Kurz & fundiert

  • Schlafapnoe und Gehirngesundheit: Gibt es einen Zusammenhang?
  • Tagesmüdigkeit kann auf obstruktive Schlafapnoe hinweisen
  • Longitudinale Kohortenstudie mit 1 441 Teilnehmern, 8 Jahre Nachbeobachtung
  • Schwere Schlafapnoe: Höheres Risiko für Mikroblutungen im Gehirn nach 8 Jahren
  • Milde Schlafapnoe oder kurze Beobachtungszeit: Kein erhöhtes Risiko
  • Regelmäßige Tagesmüdigkeit ernst nehmen und ärztlich abklären lassen

MedWiss – Eine longitudinale Kohortenstudie mit 1 441 Erwachsenen fand, dass Personen mit moderater oder schwerer obstruktiver Schlafapnoe (OSA) über 8 Jahre ein höheres Risiko für Mikroblutungen im Gehirn aufweisen. Hinweise auf eine mögliche OSA wie beispielsweise Tagesmüdigkeit sollten demnach auch mit Blick auf die langfristige Gehirngesundheit ernst genommen und mit dem Arzt besprochen werden.


Man kann schon mal tagsüber Müdigkeit empfinden – ist dies aber regelmäßig der Fall, kann eine Schlafstörung die Ursache sein. Beispielsweise kann eine Atemstörung im Schlaf, eine obstruktive Schlafapnoe, den Schlaf stören und zu ausgeprägter Tagesmüdigkeit führen. Ungenügender Schlaf beeinträchtigt die Konzentration, aber könnte eine zugrundeliegende Schlafapnoe auch die Gehirngesundheit langfristig stärker benachteiligen? Speziell wurde diskutiert, ob es ein erhöhtes Risiko für Mikroblutungen im Gehirn in Zusammenhang mit obstruktiver Schlafapnoe (OSA) gibt.

Tagesmüdigkeit – welches Risiko birgt obstruktive Schlafapnoe für die Gehirngesundheit?

Eine longitudinale Kohortenstudie in Japan untersuchte nun Erwachsene in mittlerem und höherem Alter. Die Teilnehmer wurden über Nacht zu Hause polysomnographisch untersucht, um eine mögliche obstruktive Schlafapnoe festzustellen. Darüberhinaus analysierten die Autoren die Gehirngesundheit der Teilnehmer mit Hilfe bildgebender Untersuchungen (Magnetresonanztomographie, MRT). Diese Untersuchung wurde zu Beginn der Studie (2011 – 2014) und nach einer Nachbeobachtung über 4 Jahre (2015 – 2018) sowie nach weiteren 4 Jahren (2019 – 2022) durchgeführt.

Der Schweregrad der OSA wurde anhand der Zahl von Apnoe- oder Hypopnoe-Ereignisse pro Stunde eingeschätzt: Keine OSA (0 – 4,9 Ereignisse/h), milde OSA (5,0 – 14,9 Ereignisse/h) und moderate oder schwere OSA (≥ 15,0 Ereignisse/h). Mikroblutungen im Gehirn erfassten die Wissenschaftler als fokale Areale von unter 10 mm Durchmesser, die eine sehr geringe Signalintensität in speziellen MRT-Aufnahmen aufwiesen.

Longitudinale Kohortenstudie mit 1 441 Teilnehmern über 8 Jahre: Polysomnographie und MRT

Die Studie schloss 1 441 Teilnehmer im durchschnittlichen Alter von 57,75 Jahren ein, darunter 759 Frauen (52,67 %). Bei 436 Teilnehmern (30,25 %) wurde eine milde OSA diagnostiziert, bei 193 Teilnehmern (13,39 %) lag eine moderate oder schwere OSA zu Beginn der Studie vor. Bei 812 Teilnehmern wurde keine OSA diagnostiziert. Die kumulative Inzidenzrate von Mikroblutungen im Gehirn betrug nach 4 Jahren 1,85 % (n = 15) bei Personen ohne OSA, bei milder OSA kam dies bei 1,61 % der Teilnehmer vor (n = 7), die Inzidenzrate betrug 4,66 % (n = 27) bei Menschen mit moderater oder schwerer OSA. Nach 8 Jahren wiesen 27 Teilnehmer ohne OSA (3,33 %) und 14 Teilnehmer mit milder OSA (3,21 %) Mikroblutungen im Gehirn auf. Bei Menschen mit moderater oder schwerer OSA betrug die Rate 7,25 % (n = 14). Das Risiko war für Teilnehmer mit moderater oder schwerer OSA nach 8 Jahren verdoppelt im Vergleich zu Personen ohne OSA (Risk Ratio, RR: 2,14; 95 % Konfidenzintervall, KI: 1,08 – 4,23; p = 0,02). Nach 4 Jahren zeigte sich kein signifikanter Unterschied. Auch bei milder OSA war das Risiko nicht erhöht.

Langjährige, schwere Schlafapnoe: Mögliche Auswirkungen auf die Gehirngesundheit

Die Studie fand somit über 8 Jahre ein höheres Risiko für Mikroblutungen im Gehirn bei Menschen mit mittelschwerer oder schwerer obstruktiver Schlafapnoe im Vergleich zu Personen ohne diese nächtliche Atemstörung. Hinweise auf eine mögliche OSA wie beispielsweise Tagesmüdigkeit sollten demnach auch mit Blick auf die langfristige Gehirngesundheit ernst genommen und mit dem Arzt besprochen werden.

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