Schlechte Zähne, hohes Risiko? Wie Parodontitis und Karies Schlaganfälle begünstigen können

Original Titel:
Combined Influence of Dental Caries and Periodontal Disease on Ischemic Stroke Risk

Kurz & fundiert

  • Schlechte Mundgesundheit als Risikofaktor für Schlaganfälle und Herz-Kreislauf-Ereignisse
  • US-Kohortenstudie: 5 986 Erwachsene, 21 Jahre Nachbeobachtung
  • Parodontitis & Karies: fast verdoppeltes Schlaganfallrisiko
  • Besonders thrombotische/kardioembolische Schlaganfälle betroffen
  • Regelmäßige Zahnpflege senkt Risiko für Parodontitis/Karies
  • Assoziationen nachgewiesen – Kausalität noch unklar

MedWiss – Parodontitis und Karies gehören weltweit zu den häufigsten chronischen Entzündungs- und Infektionskrankheiten im Mundraum. Beide Erkrankungen stehen im Verdacht, systemische Entzündungsprozesse zu fördern und damit das Risiko für Herz‑Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle zu erhöhen.


Eine große US‑Kohortenstudie untersuchte nun, ob die Kombination aus Parodontitis & Karies ein besonders hohes Risiko für ischämische Schlaganfälle und kardiovaskuläre Ereignisse mit sich bringt. Die Ergebnisse sprechen für einen deutlichen Zusammenhang – auch wenn ein kausaler Effekt nicht abschließend belegt werden kann.

Mundgesundheit und Schlaganfall: Welche Rolle spielen Parodontitis und Karies?

Parodontitis und Karies sind zwei unterschiedliche, aber häufig gemeinsam auftretende Erkrankungen. Beide können chronische Entzündungsreaktionen auslösen, die systemisch wirksam werden. Frühere Studien zeigten bereits Zusammenhänge zwischen Parodontitis bzw. Karies und Schlaganfällen. Die vorliegende Analyse der Atherosclerosis Risk in Communities (ARIC)-Studie untersuchte erstmals umfassend, ob die Kombination aus Parodontitis & Karies das Risiko für

  • ischämische Schlaganfälle,
  • Schlaganfall-Subtypen (thrombotisch, kardioembolisch) und
  • schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse (Herzinfarkt, kardiovaskulär bedingter Tod) erhöht.

Zudem wurde geprüft, ob regelmäßige Zahnarztbesuche mit besserer Mundgesundheit und geringerem Risiko einhergehen.

Kohortenstudie mit 5 986 Personen und 21 Jahren mittlerer Nachbeobachtungszeit

Die Studie schloss 5 986 Erwachsene (Durchschnittsalter 63 Jahre, 52 % weiblich) ein, die zwischen 1996 und 1998 eine umfassende zahnmedizinische Untersuchung erhielten. Die Nachbeobachtung dauerte bis 2019 (an einem Standort bis 2017). Die Teilnehmer wurden in drei Gruppen eingeteilt:

  • Gute Mundgesundheit: 1 640 Personen
  • Nur Parodontitis: 3 151 Personen
  • Parodontitis & Karies: 1 195 Personen

Parodontitis & Karies: fast verdoppeltes Schlaganfallrisiko

Die Ergebnisse zeigen statistisch signifikante Assoziationen zwischen schlechter Mundgesundheit und einem erhöhten Schlaganfallrisiko: Die Inzidenz ischämischer Schlaganfälle lag bei Personen mit guter Mundgesundheit bei 4,1 %, stieg bei Parodontitis auf 6,9 % und erreichte bei gleichzeitiger Parodontitis & Karies 10,0 %.

In vollständig angepassten Modellen war die Kombination aus Parodontitis & Karies mit einem erhöhten Risiko für ischämischen Schlaganfall (Hazard-Ratio, HR: 1,86; 95 % Konfidenzintervall, KI: 1,32 – 2,61) sowie für schwerwiegende unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse (HR: 1,36; 95 % KI: 1,10 – 1,69) verbunden. Besonders ausgeprägt war das erhöhte Risiko für thrombotische (HR: 2,27; 95 % KI: 1,22 – 4,24) und kardioembolische (HR: 2,58; 95 % KI: 1,27 – 5,26) Schlaganfälle.

Regelmäßige Zahnpflege: Geringere Wahrscheinlichkeit für Parodontitis und Karies

Eine regelmäßige Zahnpflege war mit einem reduzierten Risiko für Parodontitis (Odds Ratio, OR: 0,71; 95 % KI: 0,58 – 0,86; p < 0,001) sowie für die Kombination aus Parodontitis & Karies (OR: 0,19; 95 % KI: 0,15 – 0,25; p < 0,001) assoziiert.

Dieser Zusammenhang könnte sowohl biologische Mechanismen als auch Verhaltens- und Lebensstilfaktoren widerspiegeln: Eine bessere Mundhygiene geht i. d. R. mit geringeren Entzündungen einher, was die systemische Immunaktivierung reduzieren kann. Zudem zeigen Personen mit guter Mundgesundheit häufiger ein präventiv ausgerichtetes Gesundheitsverhalten – sie nehmen regelmäßig Zahnarztkontrollen wahr, führen einen gesünderen Lebensstil und haben oft einen besseren Zugang zu medizinischer Versorgung.

Ergebnisse zeigen Assoziationen – Kausalität muss weiter untersucht werden

Trotz Adjustierung für zahlreiche kardiovaskuläre und sozioökonomische Einflussfaktoren kann ein verbleibender Einfluss des allgemeinen Gesundheitsverhaltens nicht ausgeschlossen werden. Ob die Mundgesundheit das Schlaganfallrisiko kausal beeinflusst, sollte in weiteren Studien untersucht werden – insbesondere mithilfe kausaler Inferenzmethoden bzw. randomisierter kontrollierter Studien zur Parodontalbehandlung.

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