Traditionelle chinesische Medizin als Zusatztherapie bei mildem bis moderatem Morbus Crohn

Original Titel:
The Efficacy of Traditional Chinese Medicine for Crohn's Disease Treatment: A Systematic Review and Meta-Analysis

Kurz & fundiert

  • Traditionelle chinesische Medizin (TCM) im Vergleich zu Placebo bei Menschen mit mildem bis moderatem Morbus Crohn
  • Metaanalyse, 5 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 292 Studienteilnehmern
  • Evaluierung von TCM-Behandlungen wie Akupunktur und kräuterbasierte Moxibustion
  • Verringerung der Symptomschwere durch TCM-Behandlungen
  • Lebensqualität verbesserte sich bei Morbus Crohn-Patienten
  • Entzündungsmarker zeigten nur teilweise Veränderungen

 

MedWiss Traditionelle chinesische Medizin, insbesondere Akupunktur und Moxibustion, kann vermutlich die Symptomschwere und Lebensqualität von Menschen mit mildem bis moderatem Morbus Crohn verbessern, fand ein systematischer Review mit Metaanalyse über 5 Studien. Weitere Untersuchungen sind jedoch nötig.


Bei Morbus Crohn handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung. Daten zu den Effekten traditioneller chinesischer Medizin (TCM) zur Linderung der Symptome bei mildem bis moderatem Morbus Crohn sind bislang nicht einheitlich. Das Ziel einer US-amerikanischen Metaanalyse war es, die Wirksamkeit von TCM im Vergleich zu Placebo in Bezug auf die Linderung der Symptomschwere bei Menschen mit mildem bis moderatem Morbus Crohn zu untersuchen.

Traditionelle chinesische Medizin: Symptomlindernd bei Morbus Crohn?

Für den systematischen Review mit Metaanalyse wurden Datenbanken wie MEDLINE, Cochrane Library, Scopus und CINAHL durchsucht. Ergänzend wurden Ergebnisse aus Web of Science, Google Scholar, clinicaltrials.gov sowie die Referenzlisten relevanter Studien geprüft. Eingeschlossen wurden randomisierte kontrollierte Studien, die TCM mit Placebo bei Studienteilnehmern mit mildem bis moderatem Morbus Crohn verglichen. Die Studie analysierte die Veränderung der objektiven Symptomschwere anhand des Crohn’s Disease Activity Index (CDAI) und des Crohn’s Disease Endoscopic Index of Severity (CDEIS). Die ausgewählten Studien wurden im doppelt verblindeten Verfahren überprüft. Zur Berechnung der mittleren Unterschiede zwischen TCM und Placebo wurden Random-Effects-Modelle verwendet. Zusätzlich erfolgte eine qualitative Analyse der Veränderungen von Entzündungsmarkern und der Lebensqualität. Eingesetzte Methoden der TCM waren beispielsweise Akupunktur oder Moxibustion (der Vorgang der Erwärmung von speziellen Punkten des Körpers).

Systematischer Review mit Metaanalyse über 5 Studien

Die systematische Recherche identifizierte 232 relevante Studien, von denen 5 die Einschlusskriterien erfüllten. Insgesamt nahmen 292 Studienteilnehmer an den Untersuchungen teil, die mit Akupunktur und kräuterbasierte Moxibustion behandelt wurden. Die Ergebnisse zeigten, dass TCM im Vergleich zu Placebo eine signifikant stärkere Abnahme des mittleren CDAI-Wertes bewirkte (Mittelwertdifferenz, MD: -49,91; 95 % Konfidenzintervall, KI: -64,97 bis -34,84; p < 0,00001; I² = 61 %; p = 0,03).

Akupunktur und Moxibustion reduzierten Symptome und verbesserten die Lebensqualität

Zwei Studien berichteten zudem über Unterschiede im mittleren CDEIS zwischen TCM und Placebo (MD: -2,96; 95 % KI: -6,31 bis 0,40; p = 0,08; I² = 53 %; p = 0,140). Darüber hinaus verbesserten sich die Lebensqualitätswerte in den TCM-Gruppen stärker als in den Placebo-Gruppen. Die Ergebnisse zu den Entzündungsmarkern fielen uneinheitlich aus.

Traditionelle chinesische Medizin als mögliche Zusatztherapie bei Morbus Crohn

Laut der Studienautoren deuten die Ergebnisse darauf hin, dass traditionelle chinesische Medizin objektive Symptome des Morbus Crohn im Vergleich zu Placebo verbessern kann. Dennoch sind weitere, groß angelegte Studien notwendig, um die Wirksamkeit der TCM bei Morbus Crohn eindeutig zu bestimmen.

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