Neuartiger implantierbarer Defibrillator erstmals an der Universitätsmedizin Frankfurt eingesetzt
Die Technologie kombiniert mehrere Komponenten – mit klaren Vorteilen für Patientinnen und Patienten mit Herzschwäche.
Die Universitätsmedizin Frankfurt hat als erstes Zentrum weltweit einen neuen implantierbaren Defibrillator der Firma Biotronik eingesetzt, der zusätzlich zur Defibrillatorfunktion eine physiologische Stimulation der eigenen Herzelektrik ermöglicht. Die Geräte können bei Patientinnen und Patienten mit schwerer Herzschwäche und/oder anhaltenden, bösartigen Rhythmusstörungen zum Einsatz kommen und zu einer verbesserten Pumpleistung des Herzens und damit gesteigerter Lebensqualität führen – bei geringerer Komplikationsrate. Das System mit dem Namen Rivacor Sky konnte im Februar 2026 erstmals erfolgreich zwei Patientinnen und Patienten eingesetzt werden.
Natürlicher Herzrhythmus
Eine Besonderheit der neuen Gerätegeneration ist die Art der Stimulation sowie die Kombination verschiedener Komponenten in einem Gerät. Durch den Einsatz einer sogenannten Conduction-System-Pacing-Technologie wird das Herz auf natürliche Weise stimuliert, indem es direkt mit dem eigenen Reizleitungssystem verbunden wird. Dabei handelt es sich um eine Art elektrisches „Steuerungssystem“, das spezialisierte Muskelzellen nutzt, um Impulse zu erzeugen. Der implantierbarer Defibrillator aktiviert dieses System gezielt und ahmt dabei die natürliche elektrische Aktivität des Herzens nach. Durch diese Stimulation kann das Herz wieder synchroner arbeiten und Symptome wie Luftnot oder Belastungseinschränkungen lindern. Außerdem nutzt die Technologie eine duale DX-Sonde. Das bedeutet, mit nur einer einzigen Elektrode kann sowohl der rechte Vorhof als auch die rechte Kammer überwacht werden.
„Die Kombination aus einer besonders gezielten Herzstimulation und einer sehr präzisen Erkennung von Herzrhythmusstörungen in einem kleinen Gerät ist eine Weiterentwicklung gegenüber anderen Technologien. Das eröffnet uns neue Möglichkeiten in der Behandlung von Menschen mit komplexen Herzkrankheiten“, sagt Prof. Dr. Reza Wakili, Stellvertretender Direktor der Klinik für Kardiologie an der Universitätsmedizin Frankfurt. „Wir können Herzrhythmusstörungen früher erkennen und Therapien gezielter anpassen – und das ohne zusätzliche Elektroden im Herzen. Das ist ein echter Gewinn für unsere Patientinnen und Patienten.“
Da das neue Defibrillatorsystem mit weniger Elektroden auskommt als herkömmliche Systeme, verkürzt sich die OP-Zeit und das Komplikationsrisiko wird gesenkt. Auch im Alltag profitieren Betroffene: Die Geräte erkennen Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern frühzeitig und reagieren automatisch auf wechselnde körperliche Anforderungen. Zudem sind sie für Magnetresonanztomographien (MRT) geeignet, ohne dass vor oder nach der Untersuchung Einstellungen verändert werden müssen.
Mehr Sicherheit und individuellere Therapie
Die Universitätsmedizin Frankfurt zählt zu den führenden Zentren in Deutschland für moderne Herzrhythmustherapie. Mit dem Einsatz der neuen Gerätegeneration wird das bestehende Behandlungsspektrum weiter ausgebaut – mit dem Ziel, Herzpatientinnen und -patienten eine möglichst sichere, schonende und wirksame Therapie anzubieten.