Neues Messverfahren kann erhöhtes Demenzrisiko identifizieren
Methodik beruht auf der Erfassung abnormer Alpha-Synuklein-Proteine
Dresden. Fachleute des DZNE, des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden und weiterer Forschungseinrichtungen haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sich krankhaft verändertes „Alpha-Synuklein“ im Nervenwasser mengenmäßig erfassen lässt. Dieser Eiweißstoff kommt bei Alzheimer, Parkinson und anderen neurodegenerativen Erkrankungen vor. Die neue Analysemethodik kann helfen, Personen mit erhöhtem Demenzrisiko zu identifizieren. Die zugehörigen Studienergebnisse – sie beruhen auf Daten von mehr als 200 Erwachsenen – sind im Fachjournal Alzheimer’s & Dementia veröffentlicht. Noch befindet sich das Verfahren im experimentellen Stadium, es soll nun weiter optimiert werden.
Bei diversen neurodegenerativen Erkrankungen verändert sich die Gestalt des körpereigenen Proteins Alpha-Synuklein, woraufhin es winzige Klumpen bildet, die sich im Gehirn ansammeln. Charakteristisch ist das für die Parkinson-Erkrankung und andere „Synukleinopathien“ wie der Lewy-Körper-Demenz. Anormales Alpha-Synuklein kann aber auch bei der Alzheimer-Erkrankung auftreten. „Es gibt etablierte Laborverfahren, um das fehlgeformte Alpha-Synuklein im Liquor nachzuweisen, also in der Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umgibt. Doch diese Verfahren geben im Wesentlichen nur Auskunft darüber, ob das Protein in fehlerhafter Form vorliegt oder nicht. Sie können nicht erfassen, wie viel davon vorhanden ist“, erläutert Prof. Björn Falkenburger, Wissenschaftler am DZNE und Stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie des Dresdner Universitätsklinikums.
Quantitative Messung
„Wir haben die bisherige Methodik nun so erweitert, dass wir die Menge des pathologischen Proteins bestimmen können“, so Falkenburger. „Wir erhoffen uns davon eine präzise Auskunft über das Krankheitsstadium und die Möglichkeit, Patientinnen und Patienten abhängig vom Schweregrad der Erkrankung in Gruppen einteilen zu können. Das ist bedeutsam für die Entwicklung von neuen Therapien – denn idealerweise sind diese auf den jeweiligen Gesundheitszustand zugeschnitten.“
Analysiert wurden Liquor-Proben von mehr als 200 älteren Frauen und Männern. Neben gesundheitlich unauffälligen Personen umfasste die Stichprobe auch Menschen mit subjektiven Gedächtnisbeschwerden, leichten kognitiven Beeinträchtigungen, Alzheimer-Demenz und Lewy-Körperchen-Demenz. Die Mitwirkenden stammten aus standortübergreifenden Studiengruppen des DZNE und aus einer Studienkohorte der Technischen Universität Dresden. Im Zeitraum von vier Jahren wurden sie in der Regel mindestens zweimal untersucht, so dass Daten von unterschiedlichen Zeitpunkten vorlagen.
Prognostisches Potenzial
Dabei stellte sich heraus: Studienteilnehmende mit einer hohen Belastung mit fehlgefaltetem Alpha-Synuklein bei der Eingangsuntersuchung hatten ein erhöhtes Risiko, innerhalb des Beobachtungszeitraums eine Demenz zu entwickeln. Drei von vier Personen in dieser Gruppe zeigten im Verlauf eine entsprechende Verschlechterung ihrer Gesundheit. Allerdings traten auch unter Probanden mit geringerer Belastung Demenzerkrankungen auf. „Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die quantitative Messung von Alpha-Synuklein dazu beitragen könnte, zumindest manche Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Demenzrisiko frühzeitig zu erkennen. Dies wäre ein wichtiger Schritt für die Diagnostik und für die gezielte Auswahl von Teilnehmenden für klinische Studien“, so Falkenburger. „Die Anwendung unseres Verfahrens sehe ich zunächst in der Forschung. Bevor es routinemäßig eingesetzt werden kann, sind allerdings weitere Untersuchungen erforderlich, um die Methodik zu validieren und zu verfeinern.“
Originalveröffentlichung
Alpha-synuclein quantitative seed amplification assay predicts conversion to dementia.
Stefan Bräuer et al.
Alzheimer’s & Dementia: the Journal of the Alzheimer’s Association (2026).
DOI: https://doi.org/10.1002/alz.71167