Adipositas / Übergewicht

Metaanalyse: Gastrointestinale Nebenwirkungen von Abnehmwirkstoffen

Original Titel:
Gastrointestinal adverse events associated with GLP-1 RA in non-diabetic patients with overweight or obesity: a systematic review and network meta-analysis

Kurz & fundiert

  • Gastrointestinale Nebenwirkungen von GLP-1RA bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas ohne Diabetes?
  • Metaanalyse von 39 Studien mit 33 354 Studienteilnehmern
  • Häufigste Nebenwirkungen Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung
  • Übelkeit war die häufigste Nebenwirkung, besonders unter Orforglipron
  • Liraglutid, Orforglipron, Semaglutid und Tirzepatid zeigten ein erhöhtes Risiko für Erbrechen
  • Verstopfung trat vermehrt unter Semaglutid und Liraglutid auf

 

MedWiss Die neuen Abnehmwirkstoffe (GLP-1 RA) können bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas wirksam das Gewicht reduzieren, können jedoch mit gastrointestinalen unerwünschten Ereignissen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung einhergehen. Die Risiken unterscheiden sich allerdings je nach Wirkstoff, fand ein systematischer Review mit Netzwerk-Metaanalyse.


Übergewicht und Adipositas stellen ein weltweites Gesundheitsprobleme dar, da sie die Risiken für zahlreiche Erkrankungen erhöhen und die Gesundheitssysteme belasten. Glucagon-like Peptid-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1 RA) sind wirksam bei der Gewichtsreduktion, die Behandlung kann jedoch mit gastrointestinalen Nebenwirkungen einhergehen, welche die Therapietreue beeinträchtigen können. Die Forschung konzentriert sich bislang überwiegend auf Menschen mit Diabetes, sodass die Datenlage zu nicht-diabetischen Menschen mit Übergewicht oder Adipositas unzureichend ist.

Unerwünschte gastrointestinale Ereignisse mit GLP-1 RA?

Eine systematische Übersichtsarbeit und dosisabhängige Netzwerk-Metaanalyse untersuchten nun gastrointestinale Nebenwirkungen bei GLP-1-Rezeptor-Agonisten bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas ohne Diabetes. Die Qualität der eingeschlossenen Studien wurde mit dem Cochrane Collaboration’s tool bewertet.

Systematischer Review mit Netzwerk-Metaanalyse über 39 Studien

In den systematischen Review mit Metaanalyse wurden 39 Studien mit insgesamt 33 354 Studienteilnehmern aufgenommen. Die häufigsten gastrointestinalen unerwünschten Ereignisse waren Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung. Alle untersuchten GLP-1-Rezeptor-Agonisten gingen mit einem signifikanten Anstieg des Risikos für Übelkeit einher. Das höchste Risiko zeigte sich bei Orforglipron, gefolgt von Exenatid, Tirzepatid, Semaglutid und Liraglutid. Liraglutid, Orforglipron, Semaglutid und Tirzepatid waren zudem mit einem erhöhten Risiko für Erbrechen verbunden, während Cagrilinitid und Exenatid keine signifikante Erhöhung zeigten. Exenatid, Cagrilinitid und Orforglipron waren nicht mit einem erhöhten Durchfallrisiko assoziiert. Semaglutid und Liraglutid erhöhten das Risiko für Verstopfung, während Cagrilinitid und Exenatid keine signifikante Zunahme zeigten.

Unterschiedliche gastrointestinale Risiken je nach Wirkstoff

GLP-1-Rezeptor-Agonisten können laut der Studienautoren bei nicht-diabetischen Menschen mit Übergewicht oder Adipositas mit unterschiedlichen gastrointestinalen unerwünschten Ereignissen einhergehen. Das Wissen über unterschiedliche Risikoprofile der Wirkstoffe könnte Ärzten helfen, Therapieentscheidungen fundierter zu treffen, indem sie individualisiert den therapeutischen Nutzen gegenüber möglichen Nebenwirkungen abwägen, so das Fazit der Autoren.

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