Absetzen von TNF‑α‑Inhibitoren bei CED

Original Titel:
Long-Term Outcomes Following Withdrawal of Anti-Tumour Necrosis Factor Treatment in Inflammatory Bowel Disease Patients in Remission: The Exit Long-Term Study of GETECCU

Kurz & fundiert

  • EXIT‑Studie: Vergleich von Therapieabbruch vs. Fortführung einer TNF‑α‑Inhibitor‑Therapie bei CED‑Patienten in stabiler Remission
  • Nach 12 Monaten kein signifikanter Unterschied hinsichtlich der anhaltenden Remission zwischen beiden Gruppen
  • Erweiterungsanalyse untersuchte langfristige Rückfallraten sowie das Ansprechen auf eine erneute TNF‑α‑Inhibitor‑Therapie
  • Kein erhöhtes langfristiges Rückfallrisiko nach Absetzen von TNF-α-Inhibitoren
  • Wiederaufnahme der Therapie konnte häufig wieder klinische Remission erreichen

 

MedWiss Eine Langzeitanalyse der EXIT-Studie konnte zeigen, dass das Absetzen von TNF-α-Inhibitoren bei Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen in Remission das langfristige Rückfallrisiko nicht erhöhte. Kam es dennoch zu einem Schub, erreichten viele Studienteilnehmer nach Wiederaufnahme der Therapie erneut eine klinische Remission.


In einer vorhergehenden Studie (EXIT) zeigte sich, dass bei Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) in Remission nach 12 Monaten kein Unterschied in der anhaltenden Remission zwischen Studienteilnehmern bestand, die ihre Therapie mit TNF-α-Inhibitoren absetzten (Absetzgruppe), und jenen, die die Behandlung fortführten (Erhaltungsgruppe).

Wie sicher ist Absetzen von TNF-Hemmern bei CED?

Das Ziel einer erweiterten Analyse war es nun, das langfristige Rückfallrisiko zwischen diesen beiden Gruppen zu vergleichen und zusätzlich zu untersuchen, wie Studienteilnehmer auf eine erneute Behandlung mit TNF-α-Inhibitoren ansprechen.

Erweiterte Langzeitanalyse mit 125 Teilnehmern einer randomisiert-kontrollierten Studie

Insgesamt wurden 125 Studienteilnehmer eingeschlossen, davon 63 in der Erhaltungsgruppe und 62 in der Absetzgruppe. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 12 Monate in der Erhaltungsgruppe und 26 Monate in der Absetzgruppe. Die kumulative Rückfallinzidenz betrug in der Erhaltungsgruppe 35 % (95 % Konfidenzintervall, KI: 23 – 48 %) und in der Absetzgruppe 47 % (95 % KI: 34 – 60 %; p = 0,3). In der Erhaltungsgruppe traten Rückfälle bei 8 % der Studienteilnehmer innerhalb von 12 Monaten und bei 47 % innerhalb von 24 Monaten auf. In der Absetzgruppe kam es bei 16 % innerhalb von 12 Monaten und bei 39 % innerhalb von 24 Monaten zu Rückfällen. Die Inzidenzrate für Rückfälle pro Patientenjahr lag bei 22 % in der Erhaltungsgruppe und bei 19 % in der Absetzgruppe. Ein Ausgangswert von fäkalem Calprotectin von über 250 μg/g war die einzige Variable, die mit einem erhöhten Rückfallrisiko assoziiert war. Von den 29 Studienteilnehmern in der Absetzgruppe, bei denen ein Rückfall auftrat, nahmen 26 (90 %) die Behandlung mit TNF-α-Inhibitoren erneut auf. Von diesen erreichten 69 % erneut eine klinische Remission.

Langfristiges Rückfallrisiko nach Absetzen von TNF-α-Inhibitoren nicht erhöht, Calprotectin wichtig

Die erweiterte Analyse der EXIT-Studie zeigt, dass das Absetzen von TNF-α-Inhibitoren bei Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen in stabiler Remission nicht mit einem erhöhten langfristigen Rückfallrisiko verbunden war. Bei Teilnehmern, bei denen es nach dem Absetzen zu einem Schub kam, konnte nach der Wiederaufnahme der Therapie häufig wieder eine klinische Remission erreicht werden. Ein erhöhter fäkaler Calprotectinwert – also ein Laborwert aus einer Stuhlprobe, der Entzündungen im Darm anzeigt – erwies sich als wichtiger Hinweis auf ein erhöhtes Rückfallrisiko und sollte daher ärztlich überwacht werden.

Wichtig ist, dass eine bestehende Therapie mit TNF‑α‑Inhibitoren niemals eigenmächtig abgesetzt werden sollte. Ob ein Absetzen sinnvoll und sicher ist, sollte immer in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt/Ärztin besprochen werden.

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