DOG warnt vor unzureichendem Augenschutz

Partielle Sonnenfinsternis am 12. August 2026

München – Am Abend des 12. August 2026 wird in Deutschland eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen sein. Wer das Himmelsschauspiel beobachten möchte, sollte seine Augen jedoch unbedingt schützen. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V. (DOG) warnt vor bleibenden Netzhautschäden durch Betrachten mit bloßem Auge oder unzureichenden Hilfsmitteln und gibt Hinweise auf sichere Alternativen, falls geprüfte Sonnenfinsternis-Brillen nicht erhältlich sind.

Wer die Sonnenfinsternis beobachten möchte, sollte niemals ungeschützt in die Sonne sehen. Die Augenlinse bündelt die Sonnenstrahlen wie ein Brennglas auf der Netzhaut, wodurch die lichtempfindlichen Sehzellen durch Wärme und photochemische Prozesse geschädigt werden können. „Wenige Sekunden können ausreichen“, erklärt Professor Dr. med. Vinodh Kakkassery, Chefarzt der Klinik für Augenheilkunde am Klinikum Chemnitz. „Die Schäden können, müssen sich aber nicht zurückbilden. Eine Therapie gibt es nicht, man kann nur den natürlichen Verlauf beobachten“, so der DOG-Experte.

Betroffene bemerken eine solche Sonnenretinopathie häufig erst Stunden später, etwa wenn ein dunkler Fleck im Sichtfeld bestehen bleibt. Eine Erfassung von Netzhautschäden nach einer Sonnenfinsternis gibt es in Deutschland nicht. In Großbritannien wurden 1999 binnen weniger Tage mindestens 14 Fälle durch eine Klinikumfrage erfasst. „Die tatsächliche Zahl dürfte aber weitaus höher gelegen haben, und davon müssen wir für Deutschland auch ausausgehen“, sagt Kakkassery.

Nur geprüfte Sonnenfinsternis-Brillen verwenden

Für die direkte Beobachtung empfiehlt die DOG ausschließlich spezielle Sonnenfinsternis-Brillen. „Geeignet sind Brillen nach der Norm DIN EN ISO 12312-2:2015 mit CE-Kennzeichnung“, betont Kakkassery. Kratzer, Löcher oder Risse machen den Schutz unzuverlässig. „Schon kleine Defekte können gefährlich sein, deshalb sollte man Folie und Fassung vor der Nutzung sorgfältig prüfen“, rät der DOG-Experte.

Gefährlich sind viele vermeintliche Schutzmethoden, die insbesondere im Internet kursieren. „Schwarze Filmstreifen, mit Kerzenruß geschwärzte Gläser, gefaltete Rettungsdecken, gewöhnliche Sonnenbrillen – auch mehrere übereinander –, Röntgenbilder, CDs oder Gletscherbrillen sind kein sicherer Augenschutz“, stellt Kakkassery klar. Auch einfache Schweißerbrillen seien nicht automatisch geeignet.

Besonders riskant ist der Blick durch optische Geräte. „Ferngläser, Teleskope und Kameras bündeln die Sonnenstrahlen zusätzlich – es drohen schwere Augenschäden“, warnt Kakkassery. Wer solche Geräte nutzt, brauche spezielle Filteraufsätze oder eine zertifizierte Solarfolie vor der Optik. „Eine Sonnenfinsternis-Brille allein reicht hinter einem Fernglas oder Teleskop nicht aus“, betont der DOG-Experte.

Ausverkaufte Finsternisbrillen? Diese Alternativen sind sicher

Sollten Sonnenfinsternis-Brillen nicht mehr verfügbar sein, rät die DOG zu sicheren Alternativen – etwa zur indirekten Beobachtung mittels Lochkamera, bei der man nicht unmittelbar auf die Sonne schaut, sondern nur das Abbild der Sonne betrachtet. „Eine Lochkamera lässt sich mit wenigen Handgriffen selbst bauen“, sagt Kakkassery. Anleitungen bieten etwa das Bundesamt für Strahlenschutz sowie die Stiftung Planetarium Berlin an.

Für die direkte Beobachtung kommen laut DOG außerdem Schweißgläser der Schutzstufen 12 bis 14 oder zertifizierte Solarfolien in Frage, die man im Astronomie- und Teleskop-Fachhandel erwerben kann. Geeignete Schweißgläser sind in vielen Baumärkten oder im Arbeitsschutzfachhandel erhältlich. Wer kein geeignetes Material zur Hand hat, kann auf Liveübertragungen etwa bei der europäischen Raumfahrtbehörde (ESA) ausweichen. „Ein Livestream bietet das beeindruckende Erlebnis ohne Gefahr für die Augen“, so Kakkassery.

Quellen:

  • Bundesamt für Strahlenschutz (BfS): Sonnenfinsternis 2026 und Lochkamera-Bauanleitung:

BfS – Tipp zur Sonnenfinsternis – Partielle Sonnenfinsternis am 12.08.2026 – Tipps für Sonnengucker

DOG: Forschung – Lehre – Krankenversorgung

Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 8.400 Mitglieder, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscherinnen und Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg ist die DOG die älteste augenärztliche Fachgesellschaft der Welt und die älteste fachärztliche Gesellschaft Deutschlands.