Multimodale Therapie wichtig: Psychiatrische, endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten häufig gemeinsam
Original Titel:
Prevalence and outcomes of co-occurring psychiatric and endocrine, metabolic, and nutritional disorders: An atlas based on umbrella review of 254,154,533 records
- Umbrella-Review von 81 Metaanalysen
- Viele endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten häufig gemeinsam mit psychiatrischen Erkrankungen
- Speziell Depression bei Diabetes, Ängste bei PMOS
- Manche zusätzliche Erkrankungen negativ für Prognose
- Umfassende, multimodale Therapie wichtig
MedWiss – In einem Umbrella-Review über 81 Metaanalysen gaben Wissenschaftler einen umfassenden Überblick über das gemeinsame Auftreten von psychiatrischen und endokrinen, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten und dessen Folgen. So litten beispielsweise Patienten mit Diabetes häufig zusätzlich an Depressionen, Patientinnen mit PMOS unter Ängsten.
Psychiatrische Erkrankungen treten häufig zusätzlich zu anderen Erkrankungen auf, was sich auf den Krankheitsverlauf und die Prognose der Betroffenen auswirken kann. Ein internationales Forscherteam erstellte in einem Umbrella-Review einen Überblick über die aktuelle Datenlage bezüglich des gemeinsamen Auftretens von psychiatrischen und endokrinen, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten und dessen Folgen.
Gemeinsames Auftreten von psychiatrischen und endokrinen, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten
Die Wissenschaftler durchsuchten internationale Datenbanken nach geeigneten Metaanalysen, die bis zum 13.10.2025 veröffentlicht wurden und analysierten diese zusammenfassend.
Umbrella-Review von 81 Metaanalysen
In den Umbrella-Review schlossen die Wissenschaftler 81 Metaanalysen von Beobachtungsstudien mit 254 154 533 Datensätzen ein. Die zusammenfassende Analyse verdeutlichte, dass viele psychiatrische und endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten häufig gemeinsam auftraten. Besonders hoch war die Evidenz bei folgenden Kombinationen:
- Adipositas bei Autismus-Spektrum-Störung: 17,0 % (95 % Konfidenzintervall, KI: 13,0 – 22,0)
- Vitamin-D-Mangel bei Schizophrenie: 65,3 % (95 % KI: 46,4 – 84,2)
- Depression beim diabetischen Fußsyndrom: 47,0 % (95 % KI: 26,0 – 85,0)
- Depression bei Diabetes mellitus: 61,8 % (95 % KI: 56,6 – 66,7)
- Depression beim metabolischen Syndrom: 30,5 % (95 % KI: 26,3 – 35,1)
- Depression beim polyendokrinen metabolischen Ovarialsyndrom (PMOS): 37,0 % (95 % KI: 29,0 – 44,0)
- Ängste beim polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS): 48,0 % (95 % KI: 37,0 – 59,0)
- Ängste bei Typ-1-Diabetes: 21,3 % (95 % KI: 17,8 – 26,7)
- Typ-2-Diabetes bei Depression: 8,7 % (95 % KI: 7,3 – 10,2)
- Leichte kognitive Beeinträchtigung bei Typ-2-Diabetes: 45,0 % (95 % KI: 36,0 – 54,0)
Bei Patienten mit Diabetes ging eine zusätzliche Erkrankung an Depression mit einem größeren allgemeinen Sterberisiko (Risk Ratio, RR: 1,48; 95 % KI: 1,4 – 1,6) und einem erhöhten Risiko für Demenz (RR: 2,1; 95 % KI: 1,7 – 2,6) einher. Eine Begleiterkrankung mit ADHS stand sowohl bei Kindern mit Typ-1-Diabetes als auch bei Frauen mit Typ-2-Diabetes mit erhöhten Langzeit-Blutzuckerwerten (HbA1c) im Zusammenhang (Kinder mit Typ-1-Diabetes: Mittelwertdifferenz, MD: 0,7; 95 % KI: 0,5 – 0,9 , Frauen mit Typ-2-Diabetes: MD: 0,6; 95 % KI: 0,4 – 0,7). Bei Patienten mit Demenz war eine zusätzliche Erkrankung an Diabetes mit einem erhöhten Risiko für wiederholte Krankenhausaufenthalte (innerhalb von 30 Tagen) assoziiert (RR: 1,2; 95 % KI: 1,1 – 1,3).
Häufigkeit und Risiken der zusätzlichen Erkrankungen erfordern umfassende Therapie
Einige psychiatrische und endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten traten vermehrt gemeinsam auf, was eine Vielzahl gesundheitlicher Folgen haben kann. Eine multidisziplinäre Versorgung der Patienten ist daher von besonderer Bedeutung, so das Fazit.
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