Essbares Cannabis: Problem im Straßenverkehr

Kurz & fundiert

  • Cannabis-Edibles: Ist essbares Cannabis ein Problem beim Fahren?
  • Randomisiert-kontrollierte Studie im Fahrsimulator mit unterschiedlich dosierten essbaren Cannabisprodukten
  • 42 gesunde Erwachsene; THC-Dosierung 0, 2, 10 und 20 mg
  • Beeinträchtigte Fahrtüchtigkeit mit essbarem Cannabis, Blutspiegel im Rahmen gesetzlicher Schwellenwerte

 

MedWiss – In einer Überkreuz-durchgeführten randomisierten klinischen Studie mit 40 gesunden Erwachsenen zeigten sich dosisabhängige Einbußen in der Fahrtüchtigkeit im Fahrsimulator nach dem Konsum von essbaren Cannabisprodukten. Die Autoren berichten, dass die Ergebnisse klinisch bedeutsam sind: Frühere Studien sahen ähnliche Abweichungen als Hinweis auf beeinträchtigte Fahrtüchtigkeit an. Die hier gemessenen Blutspiegel lagen, so die Autoren, allerdings im Rahmen häufiger gesetzlicher Schwellenwerte.


Essbare Cannabisprodukte werden mehr und mehr konsumiert. Welchen Einfluss dies auf die Fahrtüchtigkeit hat, ist bislang nicht gut geklärt. Wissenschaftler untersuchten daher die Fahrtleistung in einem Fahrsimulator mit unterschiedlichen Dosierungen käuflich erhältlicher, essbarer Cannabisprodukte.

Cannabis-Edibles: Ist essbares Cannabis ein Problem beim Fahren?

Die klinische Studie in einer Uniklinik in Toronto (Kanada) wurde randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert im Überkreuzverfahren durchgeführt. An der Untersuchung zwischen September 2024 und April 2025 nahmen gesundene Erwachsene zwischen 19 und 45 Jahren teil, die angaben, mindestens einmal wöchentlich Cannabis und mindestens einmal im Monat essbares Cannabis zu konsumieren. Die Teilnehmer erhielten weiche essbare Gummies mit eingenommener Dosierung von THC (Delta-9-Tetrahydrocannabinol) von 0, 2, 10 und 20 mg. Die Autoren berücksichtigten in ihrer Analyse häufig genutzte gesetzliche Schwellenwerte für durch Cannabis beeinträchtigtes Autofahren (2 oder 5 ng/ml).

Die Teilnehmer führten Fahrten im Fahrsimulator 2 und 5 Stunden nach dem Cannabiskonsum durch. Dabei wurde die Abweichung der lateralen Position als vorrangiges Ergebnis ermittelt. Als sekundäres Ergebnis wurde die Abweichung der Fahrtgeschwindigkeit und Reaktionszeit gemessen, der selbstberichtete Wille und wahrgenommene Fähigkeit, zu fahren, erfasst sowie Blutspiegel von THC und seiner Stoffwechselprodukte.

Randomisiert-kontrollierte Studie im Fahrsimulator mit unterschiedlich dosierten essbaren Cannabisprodukten

Insgesamt wurden 42 Personen in die Studie aufgenommen, 2 wurden aus der abschließenden Analyse entfernt. Von den abschließend betrachteten 40 Teilnehmern waren 20 Frauen (50,0 %), das durchschnittliche Alter betrug 30,4 Jahre (+/- 6,9 Jahre). Im Placebovergleich war die Abweichung von der lateralen Position beim Fahren mit 20 mg THC signifikant erhöht (3,3 cm; 95 % Konfidenzintervall, KI: 2,4 – 4,3 cm; p < 0,001) und ebenso mit 10 mg THC (2,0 cm; 95 % KI: 1,0 – 2,9 cm; p < 0,001), aber nicht mit 2 mg THC (0,7 cm; 95 % KI: -0,3 – 1,6 cm; p = 0,16).

Auch in den sekundär ermittelten Maßen zeigte sich ein nachteiliger Effekt von Cannabis. So war die Reaktionszeit mit 20 mg THC signifikant höher als mit dem Placebo (Mittelwertdifferenz, MD: 0,034 s; 95 % KI: 0,018 – 0,050 s; p < 0,001). Die Abweichung von der Fahrgeschwindigkeit war ebenfalls signifikant mit 20 mg THC erhöht (MD: 0,469 km/h; 95 % KI: 0,154 – 0,784 km/h; p = 0,004). Allerdings war der selbstberichte Wille, zu fahren, mit 20 mg THC signifikant reduziert (MD: -2,113; 95 % KI: 1,166 – 1,821; p < 0,001), ebenso wie die selbstwahrgenommene Fähigkeit zu fahren (MD: -1,694; 95 % KI: 1,422 – 1,966; p < 0,001). Die THC-Blutspiegel lagen in der Spitze bei 3,4 ng/ml mit 20 mg THC und bei 1,6 ng/ml mit 10 mg THC. Beides ist nah oder unter häufig genutzten Schwellen zur Einschätzung der Fahrtüchtigkeit.

Beeinträchtigte Fahrtüchtigkeit mit essbarem Cannabis, Blutspiegel im Rahmen gesetzlicher Schwellenwerte

In dieser Überkreuz-durchgeführten randomisierten klinischen Studie zeigten sich demnach dosisabhängige Einbußen in der Fahrleistung im Fahrsimulator nach Konsum von essbaren Cannabisprodukten. Die Autoren berichten, dass die Ergebnisse klinisch bedeutsam sind, da frühere Studien eine Abweichung der lateralen Position von 2,4 cm als Hinweis auf Beeinträchtigung ansetzten, äquivalent zu einem Blutalkoholspiegel von 0,05 %. Vergleichbare Ergebnisse waren in dieser Studie bei THC-Blutspiegeln nachweisbar, die unterhalb häufig genutzter gesetzlicher Schwellen liegen.