Östrogenrezeptoren im Brusttumor: Das Ausmaß beeinflusst die Prognose

Original Titel:
Patient characteristics, treatment patterns, and survival across estrogen receptor expression subgroups in HER2-negative breast cancer: a population-based cohort study

Kurz & fundiert

  • Brustkrebs: Ausmaß der Expression von Östrogenrezeptoren (ER) im Tumorgewebe relevant?
  • Populationsbasierte Kohortenstudie mit Daten von 75 211 Frauen mit HER2-negativem Brustkrebs
  • Schlechteres Überleben bei milder und moderater ER-Expression im Vergleich zur hohen Expression (≥ 60 %)
  • Bei niedriger und moderater ER-Expression womöglich Kombinationstherapie (Chemo- und Antihormontherapie) von Vorteil

 

MedWiss – Im Vergleich zu einer hohen Expression von Östrogenrezeptoren (ER) im Brusttumorgewebe war eine milde sowie moderate ER-Expression mit einem schlechteren Überleben assoziiert. Zu diesem Ergebnis kamen schwedische Wissenschaftler in einer landesweiten Kohortenstudie.


Für eine bessere Einschätzung der Prognose und Therapieentscheidung ist es wichtig, Brustkrebs genau zu charakterisieren. Eine Eigenschaft, die sich zwischen verschiedenen Brusttumoren unterscheidet und Einfluss auf die Behandlungsstrategie und Prognose der Patientinnen hat, ist die Expression von Östrogenrezeptoren (ER). Tumore mit einer geringen ER-Expression (1 – 9 %) verhalten sich in der Regel ähnlich wie Tumore ohne ER-Expression, während Tumore mit einer hohen ER-Expression (≥ 60 %) eine bessere Prognose aufweisen Doch wie sind Expressionswerte zwischen 10 und 59 % einzuordnen? Wie wirkt sich eine solche ER-Expression auf das Überleben der Patientinnen aus? Dieser Frage gingen Wissenschaftler aus Schweden in einer landesweiten Kohortenstudie nach.

Expression von Östrogenrezeptoren bei Brustkrebs: Ausmaß relevant?

In einer populationsbasierten Kohortenstudie analysierten die Wissenschaftler die Daten von Frauen, die in Schweden zwischen 2007 und 2023 die Diagnose HER2-negativer Brustkrebs erhielten. Je nach Ausmaß der ER-Expression im Tumorgewebe wurden die Patientinnen in fünf Gruppen eingeteilt:

  • Keine ER-Expression: 0 %
  • Geringe ER-Expression: 1 – 9 %
  • Milde ER-Expression: 10 – 29 %
  • Moderate ER-Expression: 30 – 59 %
  • Hohe ER-Expression: 60 – 100 %

Die Wissenschaftler untersuchten das Gesamtüberleben der verschiedenen Patientengruppen sowie das Sterberisiko unter Kombinationstherapie aus Chemo- und Antihormontherapie und alleiniger Antihormontherapie.

Populationsbasierte Kohortenstudie in Schweden mit 75 211 Patientinnen

Insgesamt betrachtete die Studie Daten von 75 211 Frauen. Im Vergleich zu den Patientinnen mit hoher ER-Expression zeigten sowohl Patientinnen mit milder ER-Expression (Hazard Ratio, HR: 1,59; 95 % Konfidenzintervall, KI: 1,31 – 1,93) als auch Patientinnen mit einer moderaten ER-Expression (HR: 1,31; 95 % KI: 1,17 – 1,47) ein schlechteres Überleben. Das Überleben von Patientinnen mit milder ER-Expression war ähnlich dem von Patientinnen mit geringer und keiner ER-Expression. Bei Patientinnen mit milder ER-Expression war eine Kombinationstherapie aus Chemotherapie und Antihormontherapie mit einem geringeren Sterberisiko assoziiert als eine alleinige Hormontherapie (HR: 0,46; 95 % KI: 0,23 – 0,94). Das galt auch für Patientinnen mit moderater ER-Expression (HR: 0,60; 95 % KI: 0,42 – 0,85).

Bei niedriger und moderater ER-Expression womöglich Kombinationstherapie von Vorteil

Demnach waren eine milde (10 – 29 %) und moderate (30 – 59 %) ER-Expression im Brusttumorgewebe mit einem schlechteren Überleben im Vergleich zu einer hohen ER-Expression (≥ 60 %) assoziiert. Patientinnen mit einer ER-Expression von 1 – 29 % zeigten ein ähnliches Überleben wie Patientinnen ohne ER-Expression. Die Daten deuten darauf, dass in diesen Fällen eine Kombinationstherapie aus Chemotherapie und Antihormontherapie einen wichtigen Beitrag zum Überleben leisten könnte.

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