Reduktion von Blutdruckmitteln ohne Überlebensvorteil bei Pflegeheimbewohnern

Original Titel:
Reduction of Antihypertensive Treatment in Nursing Home Residents

Kurz & fundiert

  • Reduktion von Blutdruckmitteln bei Pflegeheimbewohnern ≥ 80 Jahren?
  • Multizentrische, randomisierte, kontrollierte Studie, 1 048 Teilnehmer
  • Step-down-Gruppe: Anzahl der verwendeten Medikamente reduziert
  • Systolischer Blutdruck in Step-down-Gruppe leicht höher als in Kontrollgruppe
  • Sterblichkeit in beiden Gruppen ähnlich
  • Keine Unterschiede bei Nebenwirkungen zwischen Step-down- und Kontrollgruppe

 

MedWiss Eine große französische Studie mit 1 048 hochbetagten, gebrechlichen Bewohnern von Pflegeheimen zeigt, dass eine schrittweise Reduktion von blutdrucksenkenden Medikamenten keinen Einfluss auf die Sterblichkeit im Vergleich zur Standardbehandlung hat.


Bei älteren Menschen mit Gebrechlichkeit ist wenig darüber bekannt, welche Vor- oder Nachteile das Absetzen von blutdrucksenkenden Medikamenten mit sich bringt. Ziel einer Studie aus Frankreich war es, die Auswirkungen einer schrittweisen Reduktion von Antihypertensiva im Vergleich zur üblichen Behandlung zu untersuchen.

Schrittweise Reduktion von Antihypertensiva in hohem Alter?

In einer multizentrischen, randomisierten und kontrollierten Studie aus Frankreich wurden Pflegeheimbewohner im Alter von mindestens 80 Jahren eingeschlossen. Alle Frauen und Männer erhielten mehr als 1 Antihypertensivum und hatten einen systolischen Blutdruck unter 130 mmHg. Sie wurden im Verhältnis 1:1 entweder einer schrittweisen Reduktionsstrategie (Step-down-Gruppe) oder der üblichen Behandlung (Kontrollgruppe) zugeteilt. Die Nachbeobachtung war für bis zu 4 Jahre geplant. Primärer Endpunkt war die Sterblichkeit aufgrund aller Ursachen. Sekundäre Endpunkte waren die Veränderung der Anzahl eingesetzter Antihypertensiva sowie die Veränderung des systolischen Blutdrucks im Beobachtungszeitraum.

Multizentrische, randomisierte Studie mit hochbetagten Pflegeheimbewohnern

Insgesamt wurden 1 048 Patienten randomisiert auf 2 Gruppen verteilt, 528 in die Step-down-Gruppe und 520 in die Kontrollgruppe. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 38,4 Monate. In der Step-down-Gruppe sank die durchschnittliche Anzahl der Antihypertensiva von 2,6 auf 1,5, während sie in der Kontrollgruppe von 2,5 auf 2,0 sank. Der systolische Blutdruck unterschied sich im Mittel um 4,1 mmHg (95 % Konfidenzintervall, KI: 1,9 – 5,7) zwischen den Gruppen. In der Step-down-Gruppe starben 326 Frauen und Männer (61,7 %), in der Gruppe mit Standardbehandlung 313 Personen (60,2 %). Das Risiko für Sterblichkeit unterschied sich damit nicht signifikant zwischen den Gruppen (Hazard Ratio, HR: 1,02; (95 % KI: 0,86 – 1,21; p = 0,78). Auch bei den Nebenwirkungen ergaben sich keine Unterschiede zwischen den Behandlungsstrategien.

Weniger Medikamente, keine Reduktion der Sterblichkeit

Die Ergebnisse der Studie konnten zeigen, dass eine schrittweise Reduktion von Antihypertensiva bei hochbetagten, gebrechlichen Pflegeheimbewohnern mit einem systolischen Blutdruck unter 130 mmHg zwar die Medikamentenzahl senkt, jedoch keinen Überlebensvorteil gegenüber der üblichen Behandlung bietet.

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