Selbstbild nach Prostatektomie gibt Hinweise auf den Gesundheitszustand
Original Titel:
Cancer-related identity and advanced old age - analysis of prostate cancer survivors after radical prostatectomy over the age of 75
- Selbstbild ältere Männer mit Prostatakrebsdiagnose: Relevant für Prognose?
- Befragung von 2 379 Männern, die sich vor durchschnittlich 17,9 ± 3,7 Jahren einer radikalen Prostatektomie unterzogen hatten
- Die Männer ordneten sich einer der folgenden Bezeichnungen zu: Patient, Opfer, Jemand, der Krebs hatte, Krebsüberlebender oder Krebsbezwinger
- Die meisten Männer wählten hinsichtlich ihrer Prostatakrebserkrankung neutrale Bezeichnungen
- Negative Bezeichnungen gingen mit Begleiterkrankungen, depressiven Symptomen und starker Einsamkeit einher
- Die Bezeichnung „Krebsbezwinger“ war mit einer höheren Lebensqualität assoziiert
MedWiss – Wissenschaftler untersuchten, wie das Selbstbild von Männern mit einer Prostatakrebsdiagnose in der Vergangenheit mit deren Gesundheitszustand zusammenhängt. Sie stellten fest, dass Männer, die sich als „Opfer“ oder „Krebsüberlebender“ (negativ konnotierte Begriffe) bezeichneten, häufiger von starker Einsamkeit bzw. Begleiterkrankungen und depressiven Symptomen betroffen waren.
Eine Krebserkrankung ist sehr belastend und kann sich auch noch viele Jahre nach der Behandlung auf den Gesundheitszustand und die psychische Verfassung der Betroffenen auswirken. Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) untersuchten, welches Selbstbild ältere Männer mit einer Prostatakrebsdiagnose in der Vergangenheit hatten und wie dieses mit deren Gesundheitszustand zusammenhing.
Selbstbild ältere Männer mit Prostatakrebsdiagnose: Relevant für Prognose?
An der Befragung nahmen 2 379 Männer teil, die sich vor durchschnittlich 17,9 ± 3,7 Jahren einer radikalen Prostatektomie unterzogen hatten. Die Männer waren im Durchschnitt 82,2 ± 3,9 Jahre alt. 10,6 % der Befragten befanden sich zum Zeitpunkt der Befragung in Behandlung. Die Männer wurden gebeten, sich einer der folgenden Bezeichnungen zuzuordnen:
- Patient
- Opfer
- Jemand, der Krebs hat
- Krebsüberlebender
- Krebsbezwinger
Zudem erfassten die Wissenschaftler klinische Daten, altersbedingte und psychologische Faktoren der Patienten.
Befragung: 2 379 Männer wählten Selbstbezeichnung mit Bezug zum Prostatakrebs aus
Die meisten Männer identifizierten sich mit den neutralen Bezeichnungen „Jemand, der Krebs hatte“ (45,7 %) und Patient (27,0 %). Negativ konnotierte Bezeichnungen wie „Krebsüberlebender“ (15,7 %) oder „Opfer“ (2,1 %) wählten die Männer deutlich seltener. Die Wissenschaftler konnten Zusammenhänge zwischen den gewählten krebsbezogenen Identitäten und dem Gesundheitsstatus der Männer feststellen. Männer, die sich selbst als „Krebsüberlebender“ bezeichneten, berichteten häufiger von Begleiterkrankungen (Odds Ratio, OR: 1,09; 95 % Konfidenzintervall, KI: 1,01 – 1,17) und depressiven Symptomen (OR: 1,71; 95 % KI: 1,20 – 2,45). Die Identifikation als „Opfer“ ging mit starker Einsamkeit einher (OR: 5,09; 95 % KI: 2,39 – 10,85). Die positiv konnotierte Bezeichnung „Krebsbezwinger“, die 9,5 % der Männer wählten, war hingegen mit einer höheren Lebensqualität assoziiert (OR: 1,41; 95 % KI: 1,28 – 1,57).
Negative Bezeichnungen gingen mit Begleiterkrankungen, depressiven Symptomen und Einsamkeit einher
Wie sich die Männer nach der Krebserkrankung bezeichneten, konnte somit Hinweise auf klinische und psychologische Faktoren geben. Die meisten Männer wählten hinsichtlich ihrer Prostatakrebserkrankung neutrale Bezeichnungen. Negative Bezeichnungen wurden seltener gewählt und gingen mit einem schlechteren subjektiven Gesundheitszustand und Einsamkeit einher. Diese Zusammenhänge sollten in der Nachsorge berücksichtigt werden.
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