Metaanalyse: Wirksamkeit und Sicherheit der Stuhltransplantation bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
Original Titel:
Fecal microbiota transplantation in inflammatory bowel disease: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials (2020-2025)
- Fäkale Mikrobiom-Transplantation: Relevant bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED)?
- Systematischer Review und Metaanalyse zu Wirksamkeit und Sicherheit mikrobiombasierter CED-Therapie
- Metaanalyse von 6 randomisiert-kontrollierten Studien mit 220 – 230 Erwachsenen (meist Colitis ulcerosa)
- Höhere Raten klinischer Remission mit fäkaler Mikrobiota-Transplantation (FMT) vs. Kontrollen
- Endoskopisch sichtbare Verbesserung der Darmentzündung häufiger mit FMT
- Uneinheitliche Hinweise auf mögliche Sicherheitsrisiken und langfristige Aufrechterhaltung der Remission
MedWiss – Ein systematischer Review mit Metaanalyse über 6 Studien deutete darauf hin, dass die Stuhlmikrobiota-Transplantation bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen klinische und endoskopische Verbesserungen fördern könnte. Besonders bei Colitis ulcerosa zeigten sich höhere Remissionsraten als unter Vergleichsbehandlungen. Offene Fragen zur langfristigen Sicherheit und Wirksamkeit machen weitere Studien notwendig.
Die fäkale Mikrobiota-Transplantation (FMT) wurde in verschiedenen Studien als möglicher therapeutischer Ansatz bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED), insbesondere Colitis ulcerosa und Morbus Crohn, untersucht. Die Erkenntnisse zur Wirksamkeit und Sicherheit sind bislang jedoch uneinheitlich. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse untersuchte aus diesem Grund die Wirksamkeit und Sicherheit mikrobiombasierter Interventionen bei CED.
Fäkale Mikrobiom-Transplantation: Relevant bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED)?
Die systematische Literaturrecherche ermittelte randomisierte kontrollierte Studien in den medizin-wissenschaftlichen Datenbanken PubMed, Cochrane CENTRAL und Embase. Berücksichtigt wurden Studien, die zwischen Januar 2020 und Mai 2025 veröffentlicht wurden und in denen Spender-FMT mit Placebo, autologer FMT oder einer Standardtherapie bei erwachsenen Menschen mit CED verglichen wurden. Als primäre Endpunkte galten die klinische Remission sowie die endoskopische Verbesserung der Darmentzündung. Sekundäre Endpunkte umfassten die Aufrechterhaltung der Remission sowie unerwünschte Ereignisse.
Systematischer Review und Metaanalyse über 6 randomisierte, kontrollierte Studien
Insgesamt wurden 6 randomisierte, kontrollierte Studien mit 220 – 230 Studienteilnehmern eingeschlossen. Die Mehrheit der Studienteilnehmer litt an Colitis ulcerosa, während 2 Studien Menschen mit Morbus Crohn untersuchten. Für die Einleitung einer klinischen Remission zeigte sich unter FMT im Vergleich zu den Kontrollgruppen eine signifikant höhere Erfolgsrate (Odds Ratio, OR: 3,24; 95 % Konfidenzintervall, KI: 1,43 – 7,41; p = 0,005). Auch die endoskopische Ansprechrate war unter FMT signifikant erhöht (OR: 6,80; 95 % KI: 2,96 –15,63; p < 0,0001). Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse traten in den FMT-Gruppen häufiger auf, erreichten jedoch keine statistische Signifikanz (OR: 2,05; 95 % KI: 0,72 – 5,8; p = 0,18). Die Daten zur langfristigen Aufrechterhaltung der Remission basierten lediglich auf 2 Studien und zeigten uneinheitliche Ergebnisse.
Höhere Remissionsraten unter fäkaler Mikrobiota-Transplantation
Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass mikrobiombasierte Therapien, insbesondere die fäkale Mikrobiota-Transplantation, klinische und endoskopische Remissionen bei CED verbessern könnten. Besonders bei Colitis ulcerosa zeigte sich ein möglicher Nutzen im Vergleich zu Kontrollinterventionen. Gleichzeitig bleiben jedoch Fragen zur langfristigen Wirksamkeit und Sicherheit offen. Größere und methodisch streng konzipierte Studien sind laut der Studienautoren notwendig, um den langfristigen Nutzen, potenzielle Risiken und die Rolle mikrobiomgerichteter Therapien in der Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen genauer zu klären.
© Alle Rechte: MedWiss.online