Apikale Parodontitis bei Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
Original Titel:
Apical periodontitis in inflammatory bowel disease: a meta-analysis at patient and tooth level
- Zusammenhang zwischen apikaler Parodontitis (AP) und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED)?
- Systematischer Review mit Metaanalyse mit 5 Studien mit insgesamt 657 Studienteilnehmern und zusammen 7 142 Zähnen
- Prävalenz von apikaler Parodontitis bei Menschen mit CED betrug 58 % auf Patientenebene und 7 % auf Zahnebene
- Signifikant höheres Risiko für apikale Parodontitis bei Menschen mit CED als bei gesunden Kontrollen
- Qualität der Evidenz als niedrig bis sehr niedrig bewertet
- Weitere longitudinale und experimentelle Studien erforderlich, um kausale Zusammenhänge zu ermitteln
MedWiss – Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen haben häufiger Entzündungen an den Zahnwurzeln als gesunde Menschen, das Risiko ist fast doppelt so hoch. Die wissenschaftliche Beweislage ist bisher allerdings noch schwach, fand ein systematischer Review mit Metaanalyse über 5 Studien.
Eine apikale Parodontitis ist eine lokale Entzündung des Gewebes um die Wurzelspitze, die aus Erkrankungen der Zahnpulpa entsteht. Zunehmende wissenschaftliche Erkenntnisse deuten auf eine Verbindung zwischen dem oralen und dem gastrointestinalen System sowohl in Gesundheit als auch in Krankheit hin. In diesem Zusammenhang wurde die Beziehung zwischen apikaler Parodontitis und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) bisher nicht vollständig geklärt.
Prävalenz und Risiko von apikaler Parodontitis bei CED
Das Ziel einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse aus Italien und Spanien war es, die Prävalenz von apikaler Parodontitis bei Menschen mit CED zu evaluieren und eine mögliche Assoziation zwischen beiden Erkrankungen zu bewerten. Für die Analyse wurden elektronische Datenbanken wie Embase, PubMed, Scopus, Web of Science bis zum 31. Oktober 2023 durchsucht und im August 2024 aktualisiert. Es wurden strenge Einschlusskriterien angewendet, um Beobachtungs- und experimentelle klinische Studien zur apikalen Parodontitis bei CED-Patienten zu identifizieren.
Systematischer Review mit Metaanalyse über 5 Studien mit 657 Teilnehmern
Die Suchstrategie identifizierte 82 Artikel, von denen 5 Studien mit insgesamt 657 Studienteilnehmern und 7 142 Zähnen in die Analyse eingeschlossen wurden. Die Gesamtprävalenz der apikalen Parodontitis betrug 58 % auf Patientenebene (95 % Konfidenzintervall, KI: 37 % – 78 %; I² = 95,3 %) und 7 % auf Zahnebene (95 % KI: 2 – 15 %; I² = 99,2 %). Apikale Parodontitis trat bei Menschen mit CED häufiger auf, als bei gesunden Kontrollgruppen, sowohl auf Patienten- als auch auf Zahnebene. Das Risiko war auf Patientenebene um 57 % erhöht (Odds Ratio, OR: 1,57; 95 % KI: 1,04 – 2,35; p = 0,038; I² = 20 %), auf Zahnebene fast verdoppelt (OR: 1,91; 95 % KI: 1,16 – 3,15; p = 0,011; I² = 82 %).
Interaktion zwischen Entzündungen in Mund und Darm besteht und bedarf weiterer Forschung
Eine apikale Parodontitis scheint demnach bei Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen häufiger vorzukommen, jedoch wurde die Qualität der Evidenz als niedrig bis sehr niedrig eingestuft. Laut der Studienautoren sollten weitere Längsschnitt- und experimentelle Studien durchgeführt werden, um den Zusammenhang zwischen diesen beiden Erkrankungen besser zu verstehen und potenzielle ursächliche Faktoren zu identifizieren.
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