Behandlungseffekte bei Älteren und Jüngeren mit fortgeschrittenem Brustkrebs im Vergleich

Original Titel:
Real-world treatment patterns and outcomes in older patients with metastatic breast cancer: a multi-institutional retrospective cohort study

Kurz & fundiert

  • Behandlungseffekte bei Älteren und Jüngeren mit fortgeschrittenem Brustkrebs im Vergleich
  • Retrospektive Multizentren-Analyse über 1 629 Patienten
  • Patienten in den 70ern vergleichbar lange und effektiv behandelt
  • Ab 80 Jahren kürzere und weniger effektive Zweitlinientherapien
  • Therapiewahl sollte nicht ausschließlich nach chronologischem Alter getroffen werden

 

MedWiss Wie effektiv übliche Behandlungsmuster bei metastasierendem Brustkrebs bei jüngeren versus älteren Patienten sind, untersuchte eine retrospektive Multizentren-Analyse über 1 629 Patienten. Demnach haben ältere Patienten unter 80 Jahren vergleichbare Behandlungsvorteile von systemischen Therapien zu jüngeren Personen. Älteren Personen mit Brustkrebs sollte demnach, so das Fazit der Autoren, nicht nur aufgrund des chronologischen Alters eine Behandlung vorenthalten werden.


Weltweit altert die Bevölkerung mit zunehmendem Risiko, an Erkrankungen wie Brustkrebs zu sterben. Wie effektiv sind übliche Behandlungsmuster bei metastasierendem Brustkrebs bei jüngeren versus älteren Patienten? Dies untersuchten Wissenschaftler nun anhand klinischer Behandlungsdaten in Japan.

Ältere und Jüngere mit fortgeschrittenem Brustkrebs: Behandlungseffekte im Vergleich

Die Autoren führten eine retrospektive Analyse klinischer Daten aus einer Behandlungsdatenbank für fortgeschrittenen Brustkrebs in Japan durch (Advanced Breast Cancer Database, ABCD, der Japanese Breast Cancer Research Group). Der Datensatz umfasste Patienten aus mehreren Behandlungszentren, die zwischen 1. Juni 2020 und 31. Oktober 2023 registriert wurden und schloss klinische und Behandlungsdetails sowie Informationen zum Brustkrebs-spezifischen und Gesamtüberleben.

Retrospektive Multizentren-Analyse über 1 629 Patienten

Die Analyse umfasste 1 629 Patienten. Mit zunehmendem Alter nahm die Häufigkeit chemotherapeutischer Behandlungen und genomischer Tests ab. Jedoch zeigten Patienten in ihren 70ern vergleichbare Behandlungsdauern und Überlebensraten zu jüngeren Patienten. Bei Patienten ab 80 Jahren wurde hingegen häufiger eine kürzer währende Zweitlinientherapie durchgeführt als bei Jüngeren (Hazard Ratio, HR: 0,65; 95 % Konfidenzintervall, KI: 0,43 – 1,04), zudem mit geringeren Chancen in dieser Gruppe für das Gesamtüberleben (HR: 0,62; 95 % KI: 0,37 – 1,04) und das Brustkrebs-spezifische Überleben (HR: 0,66; 95 % KI: 0,38 – 1,14). Die meisten Todesfälle in dieser Gruppe wurden jedoch auf den Brustkrebs zurückgeführt.

Patienten in den 70ern vergleichbar lange und effektiv behandelt wie Jüngere

Die Studie zeigt somit, dass ältere Patienten unter 80 Jahren vergleichbare Behandlungsvorteile von systemischen Therapien im Vergleich zu jüngeren Personen gewinnen können. Älteren Personen mit Brustkrebs sollte demnach, so das Fazit der Autoren, nicht nur aufgrund des chronologischen Alters eine Behandlung vorenthalten werden. Jedoch zeigten sich Therapien nach der Erstlinie bei Patienten ab 80 Jahren weniger effektiv in dieser Analyse. Diese Patientengruppe könnte demnach von stärker individualisierten Behandlungsstrategien profitieren, in denen Wirksamkeit, Lebensqualität und Begleiterkrankungen in einer umfassenden geriatrischen Evaluierung und mit gemeinsamer Entscheidungsfindung (shared decision-making) berücksichtigt werden.

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