Erhöhtes Brustkrebsrisiko bei Krebsüberlebenden

Original Titel:
Risk of developing subsequent primary breast cancer among non-breast cancer survivors: a retrospective cohort study

Kurz & fundiert

  • Frauen, die an Krebs erkrankt sind: Erhöhtes Risiko, später an Brustkrebs zu erkranken?
  • Retrospektive Kohortenstudie mit 59 687 Frauen mit Krebsdiagnose, Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ohne Krebsvorerkrankung
  • Erhöhtes Brustkrebsrisiko bei Frauen mit Krebsvorerkrankung
  • Vor allem bei Nierenkrebs, Endometriumkarzinom, Darmkrebs und Adipositas-assoziierten Krebserkrankungen
  • Risikofaktoren: Übergewicht/Adipositas, Diabetes und Krebsbehandlungen

 

MedWiss – Frauen, die bereits eine andere Krebsdiagnose als Brustkrebs erhielten, hatten ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler in einer retrospektiven Kohortenstudie beim Vergleich von fast 60 000 Krebsüberlebenden mit der Allgemeinbevölkerung ohne Krebserkrankung.


Oftmals haben Krebsüberlebende ein größeres Risiko für weitere Krebserkrankungen. Gründe dafür könnten gemeinsame Risikofaktoren oder die Krankheit selbst sein. Wissenschaftler aus Kanada untersuchten, wie häufig erwachsene Krebsüberlebende im späteren Verlauf zusätzlich an Brustkrebs erkranken und welche Risikofaktoren dies begünstigen.

Wie häufig folgt Brustkrebs auf eine andere Krebserkrankung?

Wissenschaftler führten eine retrospektive Kohortenstudie durch und erfassten bis zum 31. Dezember 2021 Daten von Frauen aus Alberta (Kanada), die zwischen 2000 und 2021 eine andere Krebsdiagnose als Brustkrebs erhalten hatten und mindestens 180 Tage überlebten. Sie verglichen die Inzidenz von Brustkrebs in dieser Patientengruppe mit der von Frauen ohne vorherige Krebserkrankung aus der Allgemeinbevölkerung. Zudem suchten sie nach Risikofaktoren, die mit einer zusätzlichen Erkrankung an Brustkrebs im Zusammenhang standen.

Retrospektive Kohortenstudie mit 59 687 Frauen mit Krebserkrankung

Von insgesamt 59 687 Krebsüberlebenden erkrankten 1 113 Frauen im weiteren Verlauf an Brustkrebs. Berechnungen ergaben, dass Frauen mit einer Krebsdiagnose in der Vorgeschichte im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ohne Krebserkrankung ein erhöhtes Risiko hatten, an Brustkrebs zu erkranken (standardisiertes Inzidenzverhältnis: 1,15; 95 % Konfidenzintervall, KI: 1,09 – 1,22). Das bedeutet, dass bei den Krebsüberlebenden 15 % mehr Brustkrebsfälle auftraten, als anhand der Vergleichsbevölkerung zu erwarten gewesen wäre. Das Brustkrebsrisiko war insbesondere bei Frauen mit Nieren-, Endometrium- und Darmkrebs sowie bei Frauen mit Adipositas-assoziierten Krebserkrankungen signifikant erhöht. Es kam vor allem zu Diagnosen im frühen Stadium und von Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs. Zu den Risikofaktoren zählten Übergewicht/Adipositas, Diabetes und Krebsbehandlungen.

Größeres Brustkrebsrisiko bei Frauen mit Krebserkrankung in der Vorgeschichte

Frauen mit einer früheren Krebserkrankung hatten demnach ein leicht erhöhtes Risiko, später zusätzlich an einem primären Brustkrebs zu erkranken. Dieses erhöhte Risiko sollte bei der Nachsorge der Patientinnen berücksichtigt werden. Weitere Forschung ist nötig, um das individuelle Risiko der Frauen besser einschätzen zu können, so das Fazit der Studie.

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