MS-Symptome in engem Zusammenhang mit sexuellen Funktionsstörungen
- Wie häufig ist die sexuelle Gesundheit bei MS beeinträchtigt?
- Beobachtende Querschnittsstudie mit 37 Patienten
- Symptome der MS in engem Zusammenhang mit sexuellen Funktionsstörungen
MedWiss – Eine beobachtende Querschnittsstudie mit 37 Menschen mit schubförmig-remittierender Multipler Sklerose (MS) fand, dass sexuelle Störungen ein substanzielles Problem bei MS darstellen. Häufig liegen hohe Symptomlast und sexuelle Schwierigkeiten gemeinsam vor. MS-Symptome wie beispielsweise Schmerzen oder Fatigue können sich, so das Fazit, negativ auf Interesse an und Zufriedenheit mit der Sexualität auswirken und sollten als Teil einer umfassenden Versorgung zur Verbesserung von sexueller Funktionalität und Lebensqualität betrachtet werden.
Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche, neurodegenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems, die meist im jungen Erwachsenenalter beginnt. Die sexuelle Gesundheit ist häufig in ihrer Bedeutung für das Wohlbefinden und die Alltagsfunktionalität unterschätzt und im typischen MS-Alltag unterversorgt.
Wie häufig ist die sexuelle Gesundheit bei MS beeinträchtigt?
Wissenschaftler untersuchten nun, wie häufig Männer und Frauen mit schubförmig-remittierender MS von sexuellen Dysfunktionen betroffen sind. Die beobachtende Querschnittsstudie ermittelte außerdem Zusammenhänge mit Fatigue und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (HRQoL). Die sexuelle Funktion wurde in standardisierten Fragebögen jeweils für Männer und Frauen erfasst (Männer: International Index of Erectile Function-5, IIEF-5; Frauen: Female Sexual Function Index, FSFI). MS-spezifische sexuelle Dysfunktion wurde mit dem Fragebogen MSISQ (Multiple Sclerosis Intimacy and Sexuality Questionnaire) ermittelt. Darüber hinaus gaben die Teilnehmer Informationen zur Schwere möglicher Fatigue-Symptome (Fatigue Severity Scale, FSS) und zu ihrer Lebensqualität (Multiple Sclerosis Quality of Life questionnaire, MSQOL-54).
Die Analyse betrachtete anhand des MSISQ Domänen mit primären Störungen, also direkte neurogene Effekte auf die sexuelle Funktion, sekundären Störungen, bei denen MS-bezogene Symptome und funktionelle Einschränkungen indirekt die Sexualität beeinträchtigten, sowie tertiären Störungen, zu denen psychologische, emotionale und relationale Konsequenzen der MS-Erkrankung für die Sexualität gezählt wurden.
Beobachtende Querschnittsstudie mit 37 Patienten
Insgesamt nahmen 37 Personen (16 Männer, 21 Frauen) im durchschnittlichen Alter von 35,9 Jahren (Männer) und 38,9 Jahren (Frauen) an der Studie teil (p = 0,23). Alle Teilnehmer berichteten zu einem gewissen Grad Schwierigkeiten mit verschiedenen Aspekten der Sexualität (MSISQ). Von 87,5 % der Männer wurde eine erektile Dysfunktion berichtet (mild: 37,5 %; mild bis moderat: 12,5 %; moderat: 12,5 %; schwer: 25,0 %).
Unter den Domänen zeigten sich in den sekundären sexuellen Störungen im MSISQ die ausgeprägtesten Probleme. MS-bezogene Symptome und funktionelle Einschränkungen beeinträchtigten demnach die Sexualität bei 75,0 % der Männer sowie 76,2 % der Frauen (kein signifikanter Unterschied zwischen den Geschlechtern; p = 0,49). Frauen litten an stärkerer Fatigue (FSS: Frauen: 46,1 ± 12,4 vs. Männer: 25,5 ± 12,7; p < 0,001) und wiesen in den Fragebögen eine schlechtere körperliche Gesundheit auf, auch in Bezug auf Schmerzen.
Symptome der MS in engem Zusammenhang mit sexuellen Funktionsstörungen
Die Autoren schließen, dass sexuelle Störungen ein substanzielles Problem bei Menschen mit schubförmig-remittierender MS darstellen. Häufig liegen eine hohe Symptomlast und sexuelle Schwierigkeiten gemeinsam vor. MS-Symptome wie beispielsweise Schmerzen, Fatigue oder gestörtes Wohlbefinden können, so das Fazit, besonders negativ auf Interesse und Zufriedenheit mit der Sexualität einwirken. Die Autoren schließen, dass die sexuelle Funktionalität nicht getrennt von MS-Symptomen betrachtet werden sollte. Das Routinemanagement bei MS müsse vielmehr Fatigue, Schmerzen und ähnliches als mögliche Faktoren mit einbeziehen, die sich nachhaltig negativ auf die Sexualität und damit Lebensqualität der Patienten auswirken können.