Gewichtszunahme durch Tamoxifen: Behandlungsoptionen
Original Titel:
Addressing Tamoxifen-Associated Weight Gain: Lifestyle and Pharmacotherapy Options.
- Gewichtszunahme unter Tamoxifen häufig bei Frauen mit Östrogenrezeptor-positivem Brustkrebs
- Narrative Übersichtsarbeit zu Behandlungsoptionen
- Basistherapie: Veränderungen des Lebensstils
- Medikamentöse Behandlung, z. B. mit Semaglutid oder Tirzepatid
- Wichtig: Berücksichtigung möglicher Interaktionen, Nebenwirkungen und individueller Faktoren
MedWiss – Tamoxifen kann bei Patientinnen mit Brustkrebs zu einer Gewichtszunahme führen. Ein narrativer Review fasste nun zusammen, welche unterschiedlichen Faktoren eine Rolle spielen und auch die Stoffwechselgesundheit und Lebensqualität der Patientinnen beeinträchtigen können. Die Autoren beschreiben, welche Rolle Lebensstilveränderungen in der Behandlung spielen, und wann unter Berücksichtigung möglicher Interaktionen, Nebenwirkungen und individueller Faktoren eine medikamentöse Behandlung in Betracht gezogen werden kann.
Tamoxifen zählt zu den selektiven Östrogenrezeptormodulatoren und wird in der Behandlung von Brustkrebs mit positivem Nachweis des Östrogenrezeptors (estrogen receptor, ER) eingesetzt. Eine unerwünschte Gewichtszunahme kann mit der Behandlung einhergehen. Ein narrativer Review fasste nun zusammen, welche unterschiedlichen Faktoren dabei eine Rolle spielen und welche Behandlungsstrategien eingesetzt werden können.
Gewichtszunahme unter Tamoxifen: Wie geht man damit um?
Die langfristige Anwendung von Tamoxifen führt Studien zufolge bei 39 – 61 % der Frauen zu einer Gewichtszunahme. Da Leitlinien bisher nur wenige Empfehlung für diese Patientinnen beinhalten, werden in dieser Übersichtsarbeit wichtige Aspekte – insbesondere der medikamentösen Behandlung – dargestellt.
Narrativer Review zu relevanten Faktoren und Behandlungsstrategien
Tamoxifen ruft je nach Gewebe unterschiedliche Wirkungen hervor: Tamoxifen stört z. B. das Sättigungssignal, das Östrogene im Gehirn auslösen, es beeinflusst den Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel, es senkt den Energieverbrauch und führt zu einem Verlust an fettfreier Körpermasse. Vermehrter Appetit, Insulinresistenz, mehr Fettgewebe, weniger Muskelmasse und niedrigerer Energieverbrauch können die Folge sein. Auch ohne deutliche Veränderung von Ernährung und Bewegung kann es daher unter Tamoxifen zu einer Gewichtszunahme kommen.
Adipositas (Body Mass Index, BMI > 30) stellt für Brustkrebsüberlebende einen Risikofaktor für Rückfälle sowie das Auftreten weiterer Krebserkrankungen dar und erhöht das Sterberisiko. Neben dem BMI sollte der Taillenumfang gemessen werden, um Fettansammlungen im Bauchbereich zu erfassen.
Als Maßnahmen zur Gewichtsreduktion empfehlen Fachgesellschaften vor allem eine Veränderung des Lebensstils: Ernährung, Bewegung/Sport und Verhalten. Zusätzlich kann eine medikamentöse Behandlung in Betracht gezogen werden.
Maßnahmen zur Gewichtsreduktion: Lebensstil zentral
Als Medikamente zur Gewichtsreduktion stehen z. B. Glucogon-like-peptide-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-Rezeptoragonisten) wie Semaglutid oder der duale Wirkstoff Tirzepatid (ein Glucose-dependent-insulinotropic-polypetide- und GLP-1-Rezeptoragonist) zur Verfügung. Hierbei sind mögliche Wechselwirkungen und Nebenwirkungen zu beachten, betonen die Autoren. Hinzu käme, dass die langfristige Sicherheit dieser Substanzen bei Patienten mit Krebserkrankungen noch nicht ausreichend untersucht wurde.
Umsetzung in der Praxis: Regelmäßige Kontrolle und individuelle Strategien
Studienergebnisse zum Einsatz moderner Medikamente zur Gewichtsreduktion bei Krebsüberlebenden werden die Beratung in Zukunft unterstützen können, schließen die Autoren. Von zentraler Bedeutung seien weiterhin aber die Erfassung und regelmäßige Kontrolle von Gewicht und Bauchumfang und individuell entsprechende Veränderung des Lebensstils. Die Beratung zu möglichen Maßnahmen zur Gewichtsreduktion sollte Tamoxifen-bedingte Änderungen von Stoffwechsel und Gewicht berücksichtigen.
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