Hormonersatztherapie und Demenzrisiko

Original Titel:
Hormone replacement therapy and dementia risk among postmenopausal women: Identifying responsive subgroups in the UK Biobank.

Kurz & fundiert

  • Welche Faktoren können den Zusammenhang zwischen Hormonersatztherapie und Demenzrisiko beeinflussen?
  • Auswertung von Daten der UK Biobank (183 450 postmenopausale Frauen)
  • Hormonersatztherapie insgesamt mit niedrigerem Demenzrisiko verbunden
  • Kein Zusammenhang bei natürlicher Menopause
  • Größte Vorteile der Hormonersatztherapie bei Beginn zwischen 46 und 56 Jahren

 

MedWiss – Insgesamt ging die Hormonersatztherapie in einer Analyse von Kohortendaten über 183 450 postmenopausalen Frauen mit einem geringen Demenzrisiko einher, wenn die Menopause nicht natürlich eingetreten war. Zu den Faktoren, die diesen Zusammenhang beeinflussten, zählten unter anderem der Zeitpunkt der Hormonersatztherapie, chirurgisch herbeigeführte Menopause sowie Erbanlagen (Apo E-4).


Trotz zahlreicher biologischer Faktoren, die nahelegen, dass eine Hormonersatztherapie das Demenzrisiko von Frauen nach der Menopause senken kann, lieferten bisherige Studien widersprüchliche Ergebnisse. Diese können möglicherweise mit Faktoren erklärt werden, die die Auswirkungen der Hormonersatztherapie (HET) auf die Gehirnfunktion beeinflussen. Mit einer groß angelegten Beobachtungsstudie wurden mögliche Einflussfaktoren ermittelt.

Wann beeinflusst Hormonersatztherapie das Demenzrisiko?

Ausgewertet wurden Daten von postmenopausalen Frauen aus der UK Biobank, um den Zusammenhang zwischen Hormonersatztherapie und Demenzerkrankungen zu untersuchen. Als mögliche Einflussfaktoren wurden Art der Menopause (chirurgisch herbeigeführt oder natürlich), dem Zeitfenster der endogenen Östrogeneinwirkung (Zeit vom Eintritt der Menstruation bis zur Menopause), erbliche Risikofaktoren für Alzheimer-Demenz (Apo E-4) sowie das Alter zu Beginn der Hormonersatztherapie untersucht.

Kohortenstudie mit Daten von 183 450 postmenopausalen Frauen

Die Analyse umfasste Daten von 183 450 postmenopausalen Frauen mit einer mittleren Beobachtungszeit von 13,3 Jahren. Eine Hormonersatztherapie ging mit einem insgesamt reduzierten Demenzrisiko einher (Hazard Ratio, HR: 0,90; 95 % Konfidenzintervall, KI: 0,84 – 0,96). Dies galt für Demenzerkrankungen insgesamt und Alzheimer-Krankheit, nicht aber für Nicht-Alzheimer-Demenz.

Einen stärkeren Zusammenhang zwischen Hormonersatztherapie und Demenzerkrankungen beobachteten die Wissenschaftler bei chirurgisch eingeleiteter Menopause (HR: 0,74; 95 % KI: 0,65 – 0,84), Apo-E-4-Trägern (HR: 0,87; 95 % KI: 0,80 – 0,95) und Frauen mit geringerer endogener Östrogeneinwirkung (HR: 0,84; 95 % KI: 0,77 – 0,93). Ein Beginn der Hormonersatztherapie im Alter zwischen 46 und 56 ging mit den größten Vorteilen einher. Bei Frauen mit natürlicher Menopause bestand allerdings kein Zusammenhang zwischen Hormonersatztherapie und Demenzrisiko.

Gesenktes Demenzrisiko mit Hormonersatztherapie bei nicht-natürlicher Menopause

Eine Hormonersatztherapie ging demnach mit einem insgesamt reduzierten Demenzrisiko einher. Weitere Studien müssen einen ursächlichen Zusammenhang prüfen und weitere Grundlagen für Therapieentscheidungen aufgrund individueller Einflussfaktoren liefern.

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