Wirbelsäulenoperation: Welche Rolle vorheriger Cannabiskonsum spielt

Original Titel:
Association of cannabis use disorder with clinical outcomes following lumbar spinal fusion: a propensity-matched cohort study

Kurz & fundiert

  • Wirbelsäulenoperation: Schadet vorheriger Cannabiskonsum?
  • Retrospektive Kohortenstudie mit über 4 500 Patienten
  • Vergleichbare Komplikationsraten mit und ohne Cannabisgebrauchsstörung

 

MedWiss – Eine retrospektive Kohortenstudie mit über 4 500 Patienten fand, dass eine bereits zuvor bestehende Cannabisgebrauchsstörung nicht zu mehr kurzfristigen Komplikationen oder langfristig schlechteren Behandlungsergebnissen bei einer operativen Lendenwirbelsäulenfusion führte. Patienten mit einer solchen vorherigen Diagnose hatten dieser Analyse zufolge jedoch höheren Bedarf an postoperativer medizinischer Versorgung, wie stationärer Wiederaufnahme und Verordnungen von Opioiden.


Eine Cannabisgebrauchsstörung kommt immer häufiger vor – entsprechend könnte es auch vermehrt eine Rolle bei Menschen spielen, bei denen eine Operation durchgeführt werden muss. Cannabinoide haben physiologische Effekte auf die Schmerzmodulation, inflammatorische Signale und den Knochenstoffwechsel. Wissenschaftler untersuchten nun, wie sich eine Cannabisgebrauchsstörung auf Verlauf und Erholung nach einer Wirbelsäulenoperation auswirkt.

Wirbelsäulenoperation: Schadet vorheriger Cannabiskonsum?

Die retrospektive Kohortenstudie nutzte medizinische Datenbankinformationen zu Patienten, bei denen eine operative Wirbelsäulenfusion an der Lendenwirbelsäule durchgeführt wurde. Bei dieser Operation werden zwei oder mehr Wirbelknochen stabil miteinander verbunden. Die Analyse ermittelte Patientengruppen, bei denen innerhalb eines Jahres vor der Operation eine Cannabisgebrauchsstörung festgestellt wurde, und verglich sie mit Kontrollen ohne Cannabisgebrauchsstörung.

Retrospektive Kohortenstudie mit 4 500 Patienten

Die Kohorte mit Fusion von 2 Wirbelknochen umfasste 1 266 Patienten mit Cannabisgebrauchsstörung im Vergleich zu 1 266 Patienten ohne. Über 2 Jahre konnten je Gruppe 1 251 Patienten betrachtet werden. Die Kohorte mit Fusion von mehr Wirbelknochen bestand aus 1 086 Patienten mit und 1 086 Patienten ohne Cannabisgebrauchsstörung (1 071 je Gruppe nach 30 Tagen). Nach 30 und 90 Tagen wurde keine konsistente Zunahme von medizinischen Komplikationen bei Patienten mit Cannabisgebrauchsstörung im Vergleich zu Kontrollen gesehen. Allerdings erhielten Patienten mit Cannabisgebrauchsstörung signifikant häufiger eine Verschreibung mit Opioiden und wurden erneut stationär aufgenommen.

Nach 2 und 5 Jahren wurden bei Patienten mit Cannabisgebrauchsstörung und Kontrollen vergleichbare Raten von Pseudarthrose und weiteren Prozeduren an der Lendenwirbelsäule gefunden. Die Analyse fand keine signifikanten Unterschiede in langfristigen Behandlungsergebnissen.

Vergleichbare Komplikationsraten mit und ohne Cannabisgebrauchsstörung

Demnach ist eine bereits zuvor bestehende Cannabisgebrauchsstörung nicht mit konsistenten Zunahmen kurzfristiger Komplikationen oder langfristig schlechteren Behandlungsergebnissen bei einer operativen Lendenwirbelsäulenfusion assoziiert. Patienten mit einer solchen vorherigen Diagnose hatten dieser Analyse zufolge jedoch höheren Bedarf an postoperativer medizinischer Versorgung, wie stationärer Wiederaufnahme und Verordnungen von Opioiden. Die Autoren vermuten, dass hierbei psychosoziale Aspekte und Unterschiede im Zugang zur Versorgung eine größere Rolle spielen könnten als pharmakologische Effekte von Cannabis. Weitere, prospektive Studien wären daher sinnvoll.

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