Typ-2-Diabetes: Risikofaktor für Hörverlust?
Original Titel:
Type 2 Diabetes Mellitus and Hearing Loss: A Prisma Systematic Review and Meta-Analysis
- Beeinträchtigt Typ-2-Diabetes auch das Hörsystem?
- Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von 17 Studien
- Prävalenz des Hörverlusts 40,6 – 71,9 % bei Typ-2-Diabetes
- Signifikant höhere Hörschwellen im Vergleich zu Kontrollen
- Diabetesdauer von mehr als 10 Jahren und höhere HbA1c-Werte mit höherer Prävalenz und stärkerem Schweregrad des Hörverlusts assoziiert
MedWiss – Ein systematischer Review mit Metaanalyse über aktuelle Forschungsergebnisse zeigte, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes ein 4,19-fach erhöhtes Risiko für Hörverlust aufweisen. Besonders hohe Frequenzen sind demnach betroffen. Eine längere Diabetesdauer und erhöhte Langzeitblutzuckerwerte erhöhten demnach das Risiko zusätzlich. Entsprechend sollten Patienten gezielter auf mögliche Anzeichen untersucht werden und die Diabetestherapie auch mit Fokus auf den Erhalt des Hörens optimiert werden.
Als systemische Erkrankung besteht die Möglichkeit, dass Typ-2-Diabetes auch das Hörsystem beeinträchtigt, deuteten frühere Studien an. Dies wurde nun in einer Analyse der bisherigen Forschung untersucht.
Beeinträchtigt Typ-2-Diabetes auch das Hörsystem?
Das Ziel einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse aus Spanien war die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Typ-2-Diabetes und Hörverlust. Für die Analyse wurden Publikationen aus den Datenbanken PubMed und Scopus berücksichtigt, die zwischen Januar 2019 und April 2024 veröffentlicht wurden.
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von 17 Studien
Die Metaanalyse umfasste 17 Studien. Die Prävalenz des Hörverlusts bei Menschen mit Typ-2-Diabetes lag zwischen 40,6 – 71,9 % und war damit signifikant höher als in der Kontrollgruppe mit Teilnehmern ohne Typ-2-Diabetes (Odds Ratio, OR: 4,19; 95 % Konfidenzintervall, KI: 1,22 – 14,37). Menschen mit Typ-2-Diabetes wiesen im Reintonaudiogramm um 3,19 dB höhere Hörschwellen auf (95 % KI: 1,08 – 5,19). Der Hörverlust betraf sowohl niedrige Frequenzen (Hörschwelle; Mittelwertdifferenz, MD: 1,11 dB; 95 % KI: 0,62 – 1,57) als auch hohe Frequenzen (MD: 2,3 dB; 95 % KI: 1,97 – 2,63), wobei hohe Frequenzen stärker beeinträchtigt waren.
Diabetesdauer und Langzeitblutzuckerwerte relevant
Studienteilnehmer mit einem moderaten Hörverlust wiesen im Vergleich zur Kontrollgruppe höhere Langzeitblutzuckerwerte auf (HbA1c; MD: 0,57 %; 95 % KI: 0,1 – 1,05). Auch bei schwerem bis hochgradigem Hörverlust waren die HbA1c-Werte erhöht (MD: 0,95 %; 95 % KI: 0,02 – 1,87). Darüber hinaus war die Prävalenz des Hörverlusts bei Menschen mit einer Diabetesdauer von mehr als 10 Jahren signifikant höher (OR: 2,07; 95 % KI: 1,45 – 2,94). Das Geschlecht der Studienteilnehmer hatte keinen Einfluss auf die Ergebnisse.
Typ-2-Diabetes mit einem 4,19-fach erhöhten Risiko für Hörverlust assoziiert
Demnach könnten bis zu dreiviertel der Menschen mit Typ-2-Diabetes von Hörverlust betroffen sein. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe war das Risiko 4,19-fach erhöht und betraf vor allem hohe Frequenzen. Eine längere Diabetesdauer sowie höhere Langzeitblutzuckerwerte stellten zudem relevante Einflussfaktoren für das Auftreten eines Hörverlusts dar. Entsprechend sollten Patienten gezielter auf mögliche Anzeichen untersucht werden und die Diabetestherapie auch mit Fokus auf den Erhalt des Hörens optimiert werden.
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