GLP-1-Rezeptoragonisten und Haarausfall bei Typ-2-Diabetes
Original Titel:
Risk of hair loss associated with glucagon-like peptide-1 receptor agonists in adults with type 2 diabetes: target trial emulation
- Alopezierisiko bei Typ-2-Diabetes-Therapie: GLP-1-Rezeptoragonisten vs. andere Wirkstoffe?
- Große Datenbankstudie aus den USA als hypothetische klinische Studie
- Vergleich von GLP-1-Rezeptoragonisten, SGLT-2-Inhibitoren und DPP-4-Inhibitoren
- GLP-1-Rezeptoragonisten mit höherem Haarausfallrisiko verbunden
MedWiss – GLP-1-Rezeptoragonisten gelten als wichtiger Baustein in der Behandlung des Typ-2-Diabetes. Eine hypothetische klinische Studie mit Daten von 12 004 Menschen analysierte nun den möglichen Zusammenhang der Behandlung mit einem erhöhten Risiko für Haarausfall im Vergleich zu anderen Wirkstoffen. Das absolute Risiko blieb jedoch niedrig.
Bei der Behandlung von Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes mit neuartigen Wirkstoffen wurde neu auftretende Alopezie, eine Form von Haarausfall, berichtet. Aber wie häufig kommt dies vor, und unterscheiden sich verschiedene Substanzen?
Alopezierisiko bei Typ-2-Diabetes-Therapie: GLP-1-Rezeptoragonisten vs. andere Wirkstoffe?
Eine US-amerikanische Studie verglich nun das Risiko für neu auftretende Alopezie bei Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten (Glucagon-like-Peptide-1-Rezeptoragonisten), SGLT-2-Inhibitoren (Natrium-Glucose-Cotransporter-2-Inhibitoren) oder DPP-4-Inhibitoren (Dipeptidylpeptidase-4-Inhibitoren). Die Untersuchung wurde als hypothetische klinische Studie (Target Trial Emulation) durchgeführt. Als Datengrundlage dienten elektronische Gesundheitsakten von Penn Medicine. Eingeschlossen wurden Erwachsene ab 18 Jahren mit Typ-2-Diabetes, die zwischen Januar 2019 und September 2024 erstmals eine Behandlung mit einem GLP-1-Rezeptoragonisten, einem SGLT-2-Inhibitor oder einem DPP-4-Inhibitor begannen. Als relevante Endpunkte wurden neu auftretende Alopezie und deren verschiedene Unterformen erfasst
Hypothetische klinische Studie mit Daten von 12 004 Menschen
Für den Vergleich zwischen GLP-1-Rezeptoragonisten und SGLT-2-Inhibitoren umfasste die Studie 12 004 Menschen, die eine Behandlung mit GLP-1-Rezeptoragonisten begannen, und 15 221 Menschen, die eine Behandlung mit SGLT-2-Inhibitoren begannen. Für den Vergleich zwischen GLP-1-Rezeptoragonisten und DPP-4-Inhibitoren wurden 11 964 GLP-1-Rezeptoragonisten-Anwender und 11 238 DPP-4-Inhibitoren-Anwender berücksichtigt.
Die Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten war mit einem höheren Risiko für Alopezie verbunden als die Anwendung von SGLT-2-Inhibitoren (Hazard Ratio, HR: 1,37; 95 % Konfidenzintervall, KI: 1,08 – 1,73). Auch gegenüber DPP-4-Inhibitoren zeigte sich ein erhöhtes Risiko (HR: 1,68; 95 % KI: 1,28 – 2,20). Die Ergebnisse der Sensitivitäts- und Subgruppenanalysen waren insgesamt konsistent. Die Analyse nach Alopezie-Untertypen zeigte, dass der Zusammenhang spezifisch für nicht-vernarbenden Haarausfall war. Das Risiko war um 53 % höher im Vergleich zu SGLT-2-Inhibitoren (HR: 1,53; 95 % KI: 1,18 – 1,97), und um 72 % höher im Vergleich zu DPP-4-Inhibitoren (HR: 1,72; 95 % KI: 1,28 – 2,31).
Erhöhtes Risiko mit GLP-1-Rezeptoragonisten bei insgesamt niedrigem absoluten Risiko
Demnach kam es häufiger zu klinisch dokumentiertem Haarausfall bei Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten bei Menschen mit Typ-2-Diabetes im Vergleich zu SGLT-2- und DPP-4-Inhibitoren. Dies betraf insbesondere nicht-vernarbende Alopezie. Auch wenn das absolute Risiko gering war, könnte die Berücksichtigung dieser potenziellen Nebenwirkung zu einer besser informierten und patientenzentrierten Therapieentscheidung beitragen. Nach Ansicht der Autoren sind allerdings weitere Studien erforderlich, um die zugrunde liegenden Mechanismen besser zu verstehen, den Schweregrad und die Reversibilität des Haarausfalls zu bewerten sowie Patientengruppen mit möglicherweise erhöhtem Risiko zu identifizieren.
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