COVID-19 / Erkrankung

Wie können schwer erkrankte Patienten früh erkannt werden? Viren in Blut und Verdauungstrakt geben Aufschluss

Original Titel:
Detectable 2019-nCoV viral RNA in blood is a strong indicator for the further clinical severity

MedWiss – Angesichts der hohen Ansteckungsrate mit dem Coronavirus ist eine der aktuell drängendsten Fragen die, wie erkrankte Patienten behandelt werden können und wie das Leben besonders schwer Erkrankter gerettet werden kann. Dazu wäre eine Früherkennung schwerer Erkrankungen besonders wertvoll. Kliniker von der medizinischen Universität Guangzhou berichteten nun ihre Untersuchungen schwer erkrankter Patienten und zeigten damit eine Chance für Früherkennung anhand von Coronavirus-Nachweis im Blut und im Verdauungstrakt auf.


Die Grundlagenforschung hat bereits deutliche Fortschritte zum Verständnis des Ursprungs des Coronavirus und der von diesem Virus ausgelösten Lungenerkrankung COVID-19 hervorgebracht. Auch Übertragung und Entwicklung des Virus sind zwar nicht vollständig, aber bereits besser verstanden und haben bislang ungesehene Maßnahmen zum Schutz der Öffentlichkeit in verschiedenen Ländern nach sich gezogen. Angesichts der Ansteckungsrate eine der aktuell drängendsten Fragen ist die, wie erkrankte Patienten behandelt werden können und wie das Leben besonders schwer Erkrankter gerettet werden kann.

Wie können schwer erkrankte Patienten früh erkannt werden?

Kliniker von der medizinischen Universität Guangzhou berichteten nun ihre Untersuchungen schwer erkrankter Patienten und zeigten damit eine Chance für Früherkennung schwer Erkrankter und somit gezielter, früher Therapie auf. Eine wichtige Frage zur Aktivität des Coronavirus im Körper untersuchten die Ärzte gezielt bei ihren Patienten: in welchen Organen oder Körperbereichen ist es nachweisbar und vermehrt sich eventuell? Speziell war bislang unklar, ob das Coronavirus auch außerhalb der Atemwege aktiv repliziert wird und dies eventuell hinter manchen besonders schweren Verläufen steht. Die Ärzte untersuchten daher bei Patienten mit schweren klinischen Symptomen Proben aus den Atemwegen, Blutproben und Proben am Anus. Die Abstriche wurden mit real-time PCR im Kliniklabor nachträglich analysiert.

In welchen Organen ist das Coronavirus nachweisbar und vermehrt sich eventuell?

Klinisch präsentierten sich die schwer erkrankten Patienten besonders mit Lungenentzündung, Fieber, reduzierter Zahl weißer Blutkörperchen und gesenkter Lymphozytenzahl, sowie erhöhten CRP-Werten (C-reaktives Protein) und auffälligen Zytokinen. Zur Einordnung der Patienten in Gruppen nach dem Schweregrad der Erkrankung nutzten die Ärzte drei Hinweise (auf Basis der Richtlinien der Chinesischen Regierung): Patienten mit einer Atmungsrate von mehr als 30/min, mit einer Sauerstoffsättigung in Ruhe von nur bis zu 93 % oder mit arteriellem Sauerstoffdruck (PaO₂) über inspiratorischer Sauerstofffraktion (FIO₂) von weniger als 300 mm Hg.

Analyse der Virusnachweise bei schwer erkrankten Patienten in Guangzhou

57 Krankheitsfälle wurden untersucht. Die Ärzte fanden unerwartet RNA-Spuren des Coronavirus im Blut bei 6 von 57 Patienten sowie im Anus-Abstrich bei 11 von 28 Patienten. Alle 6 Patienten mit nachweisbarer viraler RNA im Blut entwickelten eine schwere Erkrankung mit COVID-19. Dies deutet auf eine starke Korrelation zwischen viraler RNA im Serum und Erkrankungsschweregrad (p = 0,0001). Von den Betroffenen mit Virus-Nachweis im analen Abstrich erkrankten 8 von 11 Patienten schwer.

Zwei Patienten zeigten Virus-RNA im Blut und im analen Abstrich. Interessanterweise waren die Konzentrationen der viralen RNA im analen Abstrich bei einem der Patienten höher als im Blut. Das Expertenteam folgerte daraus, dass sich das Coronavirus eventuell im Verdauungstrakt replizieren könnte. Der zweite Patient zeigte erst spät (Tag 13) deutliche Virus-Spuren im analen Abstrich, nachdem zu verschiedenen Zeitpunkten zuvor Bluttests positiv aufgefallen waren.

Coronavirus außerhalb der Atemwege nachweisbar, schwere Erkrankung bei Viren in Blut und Verdauungstrakt

Die Experten deuten ihre Beobachtungen so, dass das Coronavirus offenbar auch außerhalb der Atemwege nachweisbar ist und vermutlich repliziert werden kann. Speziell RNA-Nachweise in Blut und analen Abstrichen können einen Hinweis auf eine schwerere Erkrankung geben und so frühe intensive Beobachtung und Behandlung nahelegen. Die Ergebnisse deuten zudem darauf, dass das Coronavirus eventuell im Verdauungstrakt repliziert wird.

[DOI 10.1080/22221751.2020.1732837 ]

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