Netzwerk-Metaanalyse: Prävention des Hand-Fuß-Syndroms bei Chemotherapie

Kurz & fundiert

  • Präventionsmaßnahmen für Hand-Fuß-Syndrom bei Chemotherapie?
  • Systematischer Review mit Netzwerk-Metaanalyse
  • 17 Studien mit zusammen 2 192 Patienten
  • Wirksamste Prävention mit Diclofenac und Silymarin, beste Evidenzlage zu Diclofenac

 

MedWiss – In einem systematischen Review mit Netzwerk-Metaanalyse über 17 randomisiert-kontrollierte klinische Studien mit zusammen 2 192 Patienten senkten topisches Diclofenac, Silymarin, Pyridoxin (400 mg) und Celecoxib signifikant die Inzidenz eines Hand-Fuß-Syndroms aber Grad 2 im Rahmen einer Chemotherapie. Diclofenac und Celecoxib waren zudem effektiv zur Reduktion der gesamten Inzidenz des Hand-Fuß-Syndroms.


Das Hand-Fuß-Syndrom ist ein häufiger, dosislimitierender toxischer Effekt verschiedener Chemotherapie-Wirkstoffe, speziell von Capecitabin. Trotz seines substanziellen Einflusses auf die Lebensqualität der Patienten und möglichen Einschränkung der therapeutischen Wirksamkeit bestehen bislang nur begrenzt wirksame Präventionsstrategien. Eine Studie untersuchte nun, welche Wirkstoffe zur Prävention eines klinisch bedeutsamen Hand-Fuß-Syndrom bei einer Chemotherapie effektiv sind.

Präventionsmaßnahmen für Hand-Fuß-Syndrom bei Chemotherapie?

Wissenschaftler untersuchten die Wirksamkeit pharmakologischer Interventionen zur Prävention eines Chemotherapie-induzierten Hand-Fuß-Syndroms im Rahmen eines systematischen Reviews mit Netzwerk-Metaanalyse randomisiert-kontrollierter Studien.

Der systematische Review ermittelte relevante Studien der Phase 2 oder 3 aus den medizin-wissenschaftlichen Datenbanken PubMed, Embase und Cochrane CENTRAL mit Veröffentlichung bis November 2024. Die Autoren berücksichtigten Studien, die systemische oder topische Behandlungen zur Prävention des Hand-Fuß-Syndroms verglichen. Vorrangig ermittelte die Analyse die Häufigkeit eines Hand-Fuß-Syndroms an Grad 2. Sekundär wurde die Inzidenz des Hand-Fuß-Syndroms insgesamt ermittelt. In der Netzwerk-Metaanalyse bestimmten die Autoren eine Rangfolge der Behandlungen anhand von SUCRA-Werten (surface under the cumulative ranking).

Systematischer Review mit Metaanalyse über 17 randomisiert-kontrollierte Studien

Im systematischen Review wurden 19 randomisiert-kontrollierte Studien betrachtet, die Metaanalyse umfasste 17 Studien mit insgesamt 2 192 Patienten im durchschnittlichen Alter von 57 Jahren. Im Vergleich zu einem Placebo reduzierten topisches Silymarin, Diclofenac, Pyridoxin (400 mg) und Celecoxib signifikant das Auftreten von Hand-Fuß-Syndrom des Grades 2 oder höher.

Prävention von Hand-Fuß-Syndrom ab Grad 2 versus Placebo:

  • Topisches Silymarin: Odds Ratio, OR: 0,08; 95 % Konfidenzintervall, KI: 0,01 – 0,71
  • Diclofenac: OR: 0,23; 95 % KI: 0,08 – 0,62
  • Pyridoxin 400 mg: OR: 0,28; 95 % KI: 0,09 – 0,88
  • Celecoxib: OR: 0,41; 95 % KI: 0,18 – 0,95

Die gesamte Inzidenz von Hand-Fuß-Syndrom wurde zudem mit Diclofenac (OR: 0,30; 95 % KI: 0,13 – 0,69) und Celecoxib (OR: 0,46; 95 % KI: 0,22 – 0,94) reduziert. In Gegensatz dazu zeigten Silymarin und Pyridoxin (400 mg) keinen Vorteil für die gesamte Hand-Fuß-Syndrom-Inzidenz, während mit Mapisal sogar ein erhöhtes Risiko gesehen wurde (OR: 3,04; 95 % KI: 1,07 – 8,64). In der Ranglisten-Analyse (SUCRA) erreichten Silymarin (0,91) und Diclofenac (0,76) die höchsten Werte.

Die Ergebnisse zu Silymarin bedürfen allerdings einer Prüfung in größeren, randomisiert-kontrollierten Studien, berichten die Autoren. Zu Diclofenac wurde die beste unterstützende Evidenz gefunden, sowohl mit Blick auf die Wirksamkeitsschätzung als auch Studienqualität.

Wirksamste Prävention mit Diclofenac und Silymarin, beste Evidenzlage zu Diclofenac

Demnach waren Diclofenac und Silymarin die wirksamsten präventiven Strategien für das Hand-Fuß-Syndrom infolge einer Chemotherapie. Diclofenac erwies sich als der prophylaktische Wirkstoff mit der besten Evidenzlage.