Prostatakrebs

Bestrahlung der Prostatagegend erhöht das Risiko für Darmkrebs

Original Titel:
Risk of secondary rectal cancer and colon cancer after radiotherapy for prostate cancer: a meta-analysis

MedWiss – Die Strahlentherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Prostatakrebs-Behandlung. Dennoch ist sie auch mit Nebenwirkungen verbunden. Die vorliegende Studie stellte fest, dass eine Bestrahlung der Prostatagegend das Risiko für Darmkrebs erhöhte. Das war jedoch nur bei einer externen Strahlentherapie und nicht bei einer inneren Bestrahlung der Fall.


Viele Patienten mit Prostatakrebs entscheiden sich dafür, die Prostata bestrahlen zu lassen. Wenn der Krebs noch auf die Prostata beschränkt ist, ist durch die Strahlentherapie prinzipiell eine Heilung möglich. Obwohl die Strahlentherapie im Kampf gegen den Prostatakrebs viele Erfolge verbuchen konnte, ist die Behandlung nicht frei von Nebenwirkungen. Neben Hautreizungen kann es auch zu Problemen mit der Kontinenz oder der Erektion kommen. Doch auch der Darm kann bei der Behandlung in Mitleidenschaft gezogen werden. Ein Forscherteam aus Guangzhou (China) untersuchte in diesem Zusammenhang, ob die Bestrahlung der Prostatagegend das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, erhöhte.

Wissenschaftler fassten die Ergebnisse von 16 Studien zusammen

Die Wissenschaftler griffen für ihre Analyse auf bereits veröffentlichte Studien zurück, die sie in internationalen Datenbanken fanden. In die Auswertung flossen die Ergebnisse von 16 Studien mit ein, die sich mit dem Zusammenhang zwischen einer Bestrahlung zur Behandlung von Prostatakrebs und dem Darmkrebs-Risiko beschäftigt hatten. Dabei wurde je nach Lokalisation des Tumors zwischen Dickdarmkrebs und Enddarmkrebs unterschieden.

Prostatakrebs-Patienten, die sich einer Strahlentherapie unterzogen, hatten ein höheres Darmkrebs-Risiko

Bei der Auswertung der Daten fiel den Wissenschaftlern auf, dass Prostatakrebs-Patienten, die sich einer Strahlentherapie unterzogen, ein höheres Risiko für Enddarmkrebs hatten als Prostatakrebs-Patienten, die diese Behandlung nicht bekamen. Berechnungen zufolge hatten die Patienten mit der Strahlentherapie nämlich ein um 64 % höheres Enddarmkrebs-Risiko als die Patienten ohne Bestrahlung. Auch das Risiko für Dickdarmkrebs wurde von der Strahlentherapie beeinflusst. Dieses war bei Prostatakrebs-Patienten, die eine Bestrahlung erhielten, laut spezieller Analysen nämlich um 33 % erhöht. Alle diese Erkenntnisse bezogen sich auf die externe Strahlentherapie – also eine Bestrahlung, bei der sich die Strahlenquelle außerhalb des Körpers befindet. Wenn die Strahlenquelle direkt in die Prostata eingebracht wurde (Brachytherapie), schien es keinen Zusammenhang zwischen der Strahlentherapie und dem Darmkrebs-Risiko zu geben.

Prostatakrebs-Patienten, die sich einer externen Strahlentherapie unterzogen, hatten somit ein höheres Risiko für Darmkrebs als Patienten, die auf diese Behandlung verzichteten. Eine innere Bestrahlung schien hingegen keine Auswirkungen auf das Darmkrebs-Risiko zu haben. Das erhöhte Darmkrebs-Risiko bei einer externen Bestrahlung der Prostatagegend sollte bei der Nachsorge der Prostatakrebs-Patienten berücksichtigt werden.

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