Prostatakrebs

Patienten mit speziellen Mutationen profitieren stärker von der neuartigen Hormontherapie

Original Titel:
Germline DNA-repair Gene Mutations and Outcomes in Men with Metastatic Castration-resistant Prostate Cancer Receiving First-line Abiraterone and Enzalutamide

MedWiss – Wenn der Prostatakrebs nicht mehr auf die klassische Hormontherapie anspricht, kann eine neuartige Hormontherapie mit den Wirkstoffen Enzalutamid oder Abirateronacetat helfen. In der vorliegenden Studie fanden die Wissenschaftler heraus, dass die Patienten von diesen Therapien am meisten profitieren, wenn sie Veränderungen in bestimmten Genen aufwiesen. Es handelt sich hier jedoch um eine kleine Studie. Daher ist weitere Forschung nötig.


Über die Ursachen von Prostatakrebs ist noch nicht viel bekannt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass auch Gene bei der Krankheitsentstehung eine Rolle spielen könnten. Gene sind bestimmte Abschnitte auf der DNS (Desoxyribonukleinsäure). Sie enthalten den Grundbauplan für den Organismus. Kommt es in einem Gen zu Veränderungen, sei es spontan oder durch Umwelteinflüsse, spricht man von Mutationen, das Gen ist dann mutiert. Liegt eine Mutation bereits in der befruchteten Eizelle vor (Keimbahnmutation) kann diese an den Nachkommen vererbt werden. Etwa 5–8 % der Männer mit einem Prostatakrebs, der bereits gestreut hat (Metastasen gebildet hat), weisen Mutationen in speziellen Genen auf. Zu denen zählen das sogenannte ATM (ataxia teleangiectasia mutated)-Gen und die sogenannten BRCA (breast-cancer)-Gene. Prostatakrebs-Patienten mit diesen Mutationen leiden meist unter einem aggressiveren Prostatakrebs und haben eine schlechtere Prognose. Ein Forscherteam aus den USA untersuchte nun, welchen Einfluss bestimmte Keimbahnmutationen von Genen, die bei der Reparatur von Erbgutschäden eine Rolle spielen, auf die Wirksamkeit der neuartigen Hormontherapie mit Abirateronacetat oder Enzalutamid haben.

Wissenschaftler untersuchten bestimmte Gene von Männern mit einem metastasierten Prostatakrebs

Die Wissenschaftler untersuchten 172 Männer, bei denen der Prostatakrebs nicht mehr auf eine konventionelle Hormontherapie ansprach und die deswegen mit der neuartigen Hormontherapie behandelt wurden. Eine weitere Voraussetzung für die Teilnahme an der Studie war, dass der Prostatakrebs bereits in andere Körperregionen gestreut hat. Sie untersuchten mithilfe von Blutuntersuchungen insgesamt 50 Gene, die fast alle eine Rolle bei der DNS-Reparatur spielten, auf Mutationen.

Neuartige Hormontherapie mit Abirateronacetat oder Enzalutamid war bei bestimmten Mutationen wirksamer

12 % der Männer (22 Patienten) wiesen Keimbahnmutationen in irgendeinem der 50 Gene auf. Bei 9 von ihnen (5% der Studienteilnehmer) war speziell das ATM-Gen oder die BRCA-Gene verändert. Auffällig war, dass die Patienten mit diesen Mutationen jünger waren (mittleres Alter mit Mutation: 59 Jahre vs. mittleres Alter ohne Mutation: 70 Jahre) und dass bei ihnen der Tumor häufiger bereits über die Prostata hinausgewachsen war (mit Mutation: bei 100 % der Patienten vs. ohne Mutation: bei 46 % der Patienten) als bei Patienten ohne diese Mutationen. Interessanterweise erzielte die neuartige Hormontherapie mit Abirateronacetat oder Enzalutamid eine bessere Wirkung, wenn der Patient Mutationen in dem ATM-Gen oder den BRCA-Genen trug, im Vergleich zu Patienten, bei denen keine Veränderungen in diesen Genen nachweisbar waren. Dies äußerte sich dadurch, dass bei diesen Patienten der Zeitraum bis zum Fortschreiten der Erkrankung größer war und die Patienten länger überlebten.

Patienten mit einem metastasierten, kastrationsresistenten Prostatakrebs, bei denen die BRCA-Gene oder das ATM-Gen mutiert war, profitierten mehr von der neuartigen Hormontherapie mit Abirateronacetat oder Enzalutamid als Patienten, die keine Mutation in diesen Genen aufwiesen. Dieser positive Effekt von Mutationen konnte jedoch nur beobachtet werden, wenn speziell diese Gene betroffen waren. Mutationen in anderen Genen, die ebenfalls bei der Reparatur von Erbgutschäden eine Rolle spielten, standen nicht mit einer besseren Wirksamkeit der neuartigen Hormontherapie im Zusammenhang. Es ist jedoch anzumerken, dass es sich hier um eine kleine Studie handelt. Nur 9 Patienten wiesen Mutationen in den BRCA- und ATM-Genen auf. Weitere Studien sind daher nötig, um diese Erkenntnisse zu bestätigen.

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