Herpes-zoster-Therapie mit VZV-Hyperimmunglobulin bei Mammakarzinom-Patientin
Falldokumentation von Dipl.-Med. Steffen Dörfel*
Unter immunsuppressiver Therapie und der daraus resultierenden eingeschränkten Immunfunktion haben Patienten ein erhöhtes Risiko, an einem Herpes zoster zu erkranken und einen schweren Verlauf zu erleiden. Der folgende Fallbericht einer Patientin mit metastasiertem Mammakarzinom zeigt, dass nach zusätzlicher Gabe von VZV-Hyperimmunglobulin (Varitect® CP) die Zoster-assoziierten Schmerzen schnell zurückgingen und die Hauteffloreszenzen innerhalb weniger Wochen vollständig abheilten.
Vorgeschichte
Bei einer Patientin wurde im Alter von 53 Jahren ein Mammakarzinom diagnostiziert und behandelt. Rund drei Jahre später entwickelte die Patientin Metastasen, woraufhin eine Chemotherapie mit Epirubicin und Cyclophosphamid begonnen wurde. Etwa zwei Monate nach Therapiebeginn bildeten sich schmerzhafte Hautveränderungen sakral rechts und Schmerzen in der rechten Leiste.
Diagnose und Therapieverlauf
Die Patientin konsultierte wegen starker Schmerzen einen Notarzt, der Herpes zoster diagnostizierte und eine Behandlung mit Aciclovir (800 mg/Tabl., 5x/d an sieben Tagen) einleitete. Knapp zwei Wochen nach Beginn der Aciclovir-Therapie kam die Patientin zur Tumorbehandlung in die hämatologisch-onkologische Praxis. Das betroffene Hautareal war inzwischen verkrustet, aber unverändert schmerzhaft (Abb. 1a). Die Patientin klagte über starke Schmerzen im Sitzen und Liegen. Da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass noch vorhandene Varizella-Zoster-Viren (VZV) Entzündungen an den Nervenfasern im betroffenen Dermatom triggern und wegen der vorliegenden Immunschwäche durch die Chemotherapie, erhielt die Patientin einmalig 50 ml Varitect® CP i. v. (1250 I.E. VZV-IgG). Wenige Tage nach Infusion berichtete die Patientin, dass ihre Schmerzen vollständig abgeklungen waren und auch die Hautsymptome langsam zurückgingen (Abb. 1b, 1c). In der Nachuntersuchung (ca. 10 Wochen nach Varitect®-Gabe) waren die Pusteln abgeheilt. Im weiteren Verlauf zeigte die Patientin eine allergische Reaktion auf die Chemotherapie und reagierte mit einem massiven Hautausschlag und Juckreiz am ganzen Körper. 97 Tage nach der Varitect®-Gabe war der Herpes zoster bis auf kleine Narben vollständig abgeheilt (Abb. 1d).

FAZIT
Bei der beschriebenen Patientin kam es nach der zusätzlichen Gabe von Varitect® CP zu einer schnellen Rückbildung der Zoster-assoziierten Schmerzen. Auch die Hauteffloreszenzen heilten innerhalb der darauffolgenden Wochen vollständig ab. IgG-Moleküle besitzen nicht nur neutralisierende, sondern auch immunmodulatorische Eigenschaften (z. B. durch Bindung an Fc-Rezeptoren) und können so die Entzündungsaktivität reduzieren.1-3 Im vorliegenden Fall hat sich gezeigt, dass eine Behandlung mit einem VZV-Hyperimmunglobulin auch nach Beendigung der Virostatikatherapie erfolgreich sein kann. Eine Erklärung hierfür könnte die vor Beginn der Immunglobulingabe noch bestehende virusinduzierte Entzündungsaktivität im Bereich des betroffenen Dermatoms sein, die durch die Behandlung mit dem Hyperimmunglobulin zurückgedrängt werden konnte.
* Onkozentrum Dresden/Freiberg; Gemeinschaftspraxis Dr. Göhler, Dörfel, Boldt, Fachärzte für Innere Medizin
Referenzen:
[1] Thürmann P et al. Pharmacokinetics of viral antibodies after administration of intravenous immunoglobulin in patients with chronic lymphocytic leukaemia or multiple myeloma. European Journal of Clinical Pharmacology 57, 235-241 (2001).
[2] Aiba N et al. Interaction of Immunoglobulin with Cytomegalovirus-Infected Cells. Viral Immunol 30, 500-507 (2017).
[3] Ballow M. The IgG molecule as a biological immune response modifier: Mechanisms of action of intravenous immune serum globulin in autoimmune and inflammatory disorders. Journal of Allergy and Clinical Immunology 127, 315-323 (2011).
Mit freundlicher Unterstützung der Biotest AG