Krisenresilienz: Wie Sie Ihre Praxis oder Klinik vorbereiten können

  • 17. November 2025
Gastbeitrag von Dr. med. Christina Hecker
(Ärztin für Dermatologie und Allergologie; 3. Vorsitzende der AG Nachhaltigkeit in der Dermatologie (AGN) e.V.)  


Weitere Beiträge zum Thema „Ressourcenschonung in der Arztpraxis“ folgen.

Klimawandel, Extremwetter, Personalausfall – das Gesundheitswesen steht vor enormen Herausforderungen. Wie können sich Arztpraxen und Kliniken wirkungsvoll vorbereiten? Hier erhalten Sie konkrete Maßnahmen und praktische Hinweise zur Umsetzung.

Die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 hat es drastisch gezeigt: 183 Todesopfer, über 100 zerstörte Arztpraxen, 60 beschädigte Apotheken – und 1 Million Menschen ohne adäquate Gesundheitsversorgung. Was als regionales Extremwetterereignis begann, offenbarte ein systemisches Problem: die mangelnde Krisenresilienz unseres Gesundheitssystems.

Mehr als nur Klimawandel

Während Hitzewellen, Überschwemmungen und andere Wetterextreme zunehmen, stehen Praxen und Kliniken gleichzeitig vor weiteren Belastungsproben: Fachkräftemangel, wirtschaftliche Unsicherheit, Technikausfälle und die steigende Prävalenz klimaassoziierter Erkrankungen. Die Zahlen sprechen für sich: allein die Zahl der Menschen mit Diabetes mellitus in Deutschland hat die 8,9-Millionen-Marke überschritten. Dies bedeutet erhöhte Inanspruchnahme des Gesundheitssektors bei gleichzeitig zunehmendem Mangel an Ressourcen – mit entsprechenden Folgen für die medizinische Versorgung.

Was bedeutet Resilienz konkret?

Resilienz beschreibt die Fähigkeit, sich auf unvorhersehbare Ereignisse vorzubereiten, sie zu bewältigen und gestärkt daraus hervorzugehen. Das aQua-Institut hat deshalb im Forschungsprojekt RESILARE über 60 verschiedene Krisenszenarien in Arztpraxen identifiziert und daraus mehr als 30 evidenzbasierte fachrichtungsübergreifend anwendbare Qualitätsindikatoren entwickelt.

Die gute Nachricht: viele Maßnahmen sind praktikabel und können Schritt für Schritt umgesetzt werden – von regelmäßigen Teamsitzungen über Krisenaktionspläne bis hin zu lokalen Netzwerken und Vorratsplanung.

Von der Theorie zur Praxis

Der Fachbeitrag Krisenresilienz in Praxen und Kliniken (Hecker C et al. Die Dermatologie 2024) beleuchtet beide Seiten der Medaille: Mitigation (Klimaschutz) und Adaptation (Anpassung). Während Kliniken zu den fünftgrößten Müllproduzenten Deutschlands gehören und hier enormes Optimierungspotenzial besteht, erfordern steigende Temperaturen konkrete Anpassungen im Arbeitsalltag – von veränderten Dienstplänen über geeignete Arbeitskleidung bis hin zu praxisspezifischen Hitzeschutzplänen.

Besonders relevant für alle Fachrichtungen: die über 8,9 Millionen Menschen mit Diabetes mellitus reagieren bei Hitzewellen aufgrund gestörter Thermoregulation besonders vulnerabel. Hinzu kommen steigende Inzidenzen bei Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Problemen und Allergien und vieles mehr – klimawandelbedingte Gesundheitsrisiken, die alle Versorgungsbereiche betreffen.

Ihre nächsten Schritte

Lesen Sie den vollständigen Artikel „Krisenresilienz in Praxen und Kliniken“ und erfahren Sie, wie Sie Ihre Einrichtung systematisch auf zukünftige Herausforderungen vorbereiten können. Praxiserprobte Maßnahmen und Anleitungen sowie vielfältige weitere Ressourcen helfen Ihnen bei der Umsetzung:

  • Konkrete Checklisten für resilienzfördernde Maßnahmen in Praxis und Klinik
  • Praxisnahe Beispiele aus dem RESILARE-Projekt
  • Zugang zu kostenlosen QM-Vorlagen der Arbeitsgemeinschaft Nachhaltigkeit in der Dermatologie (AGN) e.V.
  • Ressourcen des Kompetenzzentrums KliMeG
  • Strategien für vulnerable Patientengruppen bei Extremwetterereignissen

Fazit: Krisenresilienz ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Die 8 Millionen Beschäftigten im deutschen Gesundheitssektor können zu Vorreiterinnen und Vermittlern einer nachhaltigen Transformation werden.

Quelle: Hecker C, Saha S, Niebel D, Hübner A: Krisenresilienz in Praxen und Kliniken. Die Dermatologie 2024. https://doi.org/10.1007/s00105-024-05386-9