Erhöhen systemische Glukokortikoide das Darmkrebs-Risiko?
Original Titel:
Systemic Glucocorticoid Use and Risk of Colorectal Cancer, Especially Early-Onset Type: A Nationwide Cohort Study
- Zusammenhang zwischen systemischen Glukokortikoiden und Darmkrebs-Risiko?
- Große, landesweite Kohortenstudie: Daten von 10 921 991 Personen aus Schweden
- Größeres Risiko für Darmkrebs mit Glukokortikoiden, aber je nach Art des Glukokortikoids
- Erhöhtes Darmkrebs-Risiko besonders bei Darmkrebs in jungen Jahren (< 50 Jahre)
MedWiss – Eine große, landesweite Kohortenstudie in Schweden zeigte eine Assoziation zwischen der Anwendung systemischer Glukokortikoide und einem erhöhten Darmkrebs-Risiko. Dies galt vor allem für Darmkrebs in jungen Jahren.
Systemische Glukokortikoide werden bei akuten oder chronisch-entzündlichen Erkrankungen eingesetzt, wie beispielsweise bei Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Psoriasis oder rheumatoider Arthritis. Mit ihren stark immunsuppressiven Eigenschaften stehen sie im Verdacht, das Krebsrisiko zu erhöhen.
Beeinflussen systemische Glukokortikoide das Krebsrisiko?
Wissenschaftler aus Deutschland und Schweden wollten es genauer wissen. Sie führten eine große, landesweite Kohortenstudie von 2005 bis 2018 durch, um herauszufinden, ob die Anwendung von systemischen Glukokortikoiden mit einem erhöhten Darmkrebs-Risiko assoziiert ist. Die Wissenschaftler untersuchten das Darmkrebs-Risiko von Personen in Behandlung mit systemischen Glukokortikoiden unter Berücksichtigung des Medikamententyps und der Dosis, indem sie die standardisierte Inzidenzraten (standard incidence ratio, SIR) ermittelten.
Landesweite Kohortenstudie: Daten von mehr als 10 Millionen Personen aus Schweden
Die Analyse umfasste Daten von 10 921 991 Personen aus Schweden. 2 174 744 Personen bekamen in dem Studienzeitraum systemische Glukokortikoide verschrieben und 54 443 erkrankten an Darmkrebs.
Die Analyse ergab, dass Personen mit systemischen Glukokortikoiden ein höheres Risiko hatten, an Darmkrebs zu erkranken – abhängig von der Art des Glukokortikoids:
- Dexamethason: SIR: 2,9; 95 % KI: 2,0 – 4,2
- Betamethason: SIR: 1,5; 95 % KI: 1,4 – 1,5
- Prednisolon: SIR: 1,2; 95 % KI: 1,2 – 1,3
- Andere systemische Glukokortikoide: SIR: 1,4; 95 % KI: 1,3 – 1,5
Bei genauerer Betrachtung fiel auf, dass bei Anwendung von systemischen Glukokortikoiden besonders das Risiko für Darmkrebs in jungen Jahren (< 50 Jahre) erhöht ist:
- Dexamethason: SIR: 27; 95 % KI: 5,5 – 79
- Betamethason: SIR: 2,3; 95 % KI: 2,0 – 2,7
- Prednisolon: SIR: 1,8; 95 % KI: 1,4 – 2,3
- Andere systemische Glukokortikoide: SIR: 2,2; 95 % KI: 1,5 – 3,2
Bei Personen mit Darmkrebs in der Familie (Eltern, Geschwister oder Halbgeschwister) konnte ein ähnliches Muster beobachtet werden. Höhere kumulative Dosen von Betamethason und Dexamethason zeigten eine Tendenz zu einem höheren Darmkrebs-Risiko. Bei Prednisolon war diese Tendenz nicht erkennbar.
Größeres Darmkrebsrisiko bei Anwendung von systemischen Glukokortikoiden
Die Anwendung von systemischen Glukokortikoiden ging demnach mit einem größeren Risiko für Darmkrebs – besonders in jungen Jahren – einher. Dieses erhöhte Risiko sollte bei der Planung und Durchführung der Darmkrebsvorsorge berücksichtigt werden.
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